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Wiesbaden (Hessen) – Christian Schwarz-Schilling (†95) ist tot. Er starb am Ostermontag, dem 6. April 2026. Die hessische CDU bestätigte die Todesnachricht am Dienstag dem hr. Viele Deutsche erinnern ihn als Postminister im Kabinett von Bundeskanzler Helmut Kohl (†87). Als den Mann, der Kabel brachte, Privatfernsehen möglich machte und die alte Bundespost in eine neue Zeit führte. Doch Christian Schwarz-Schilling war viel mehr als nur „der Postminister“.

Von 1982 bis 1992 stand er an der Spitze des Bundesministeriums für Post- und Fernmeldewesen. In seine Amtszeit fielen der Ausbau des Kabelfernsehens und die Zulassung des Privatfernsehens. Sein Ministerium leitete die Reformen ein, aus denen später die Privatisierung der Bundespost hervorging. Auch die Einführung des Mobilfunkstandards GSM wird seiner Amtszeit zugerechnet.

Schon 1981/82 leitete er die Enquete-Kommission „Neue Informations- und Kommunikationstechniken“. Die Kohl-Stiftung beschreibt ihn als den Minister, der sich zum Ziel gesetzt habe, sich als Postminister „selbst überflüssig zu machen“, weil er die alte Staatsbehörde in ein modernes Wettbewerbsmodell überführen wollte.

Christian Schwarz-Schilling trat 1960 in die CDU ein. Von 1966 bis 1976 gehörte er dem hessischen Landtag an. Von 1967 bis 1980 war er Generalsekretär der CDU Hessen. Innerparteilich galt er als liberaleres Gegengewicht zu Alfred Dregger.

Von 1976 bis 2002 saß er im Deutschen Bundestag. 1992 zog er eine persönliche Konsequenz: Aus Protest gegen die Haltung der Bundesregierung im Bosnien-Krieg trat er als Bundesminister zurück. Ein Schritt, der politisch wie menschlich bemerkenswert war.

Nach seinem Rücktritt ließ ihn der Balkan nicht los. Er wurde internationaler Vermittler in Bosnien-Herzegowina. Von 2006 bis 2007 amtierte er als Hoher Repräsentant für Bosnien-Herzegowina und als EU-Sonderbeauftragter. Auch danach blieb er dem Land verbunden, lehrte in Sarajevo und arbeitete an Mediations- und Friedensprojekten.

2003 gründete er die Schwarz-Schilling-Stiftung, die seine Arbeit für Völkerverständigung und zivilgesellschaftlichen Aufbau fortführen sollte. Er erhielt unter anderem die Wilhelm-Leuschner-Medaille des Landes Hessen, den Hessischen Friedenspreis und die Ehrenbürgerwürde von Sarajevo.

Geboren wurde Christian Schwarz-Schilling am 19. November 1930 in Innsbruck, aufgewachsen ist er in Deutschland. Er studierte Geschichte sowie ostasiatische Kultur- und Sprachwissenschaften und promovierte 1956 über chinesische Diplomatie des 11. Jahrhunderts.

Vor seiner politischen Karriere war er Unternehmer und Geschäftsführer der Accumulatorenfabrik Sonnenschein in Büdingen. Sein Vater Reinhard Schwarz-Schilling war Komponist, seine Mutter Dusza von Hakrid Pianistin. Später erfuhr er, dass seine Mutter jüdischer Herkunft war und ihre Identität in der NS-Zeit verschleiert worden war.

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