Kind und Karriere – geht das beides? Am besten gleichzeitig? Und bitte noch mit einem Stück Lebensqualität, das nicht nur wie ein kleines Körnchen daherkommt? Klar kann das klappen! Bei vielen nicht unbedingt gleichzeitig und oft auch mit Einbußen im Familienleben, die schon wehtun können.

Natalija Dobersek tat nie was weh. „Ich bin so ein Mensch, der sich etwas vornimmt und dann felsenfest weiß, dass er das schaffen wird. Ich kenne kein „geht nicht“, sagt sie. Manch einer würde bei solchen Absolutheiten jetzt die Stirn runzeln – in Anbetracht ihres bisherigen Lebensweges wäre die Stirn aber schnell wieder glatt.

Natalija Dobersek ist Chefin eines Anlagenbauunternehmens in Hardt mit 300 Mitarbeitenden, fliegt oft zu Verhandlungen nach Zentralasien, hat einen Mann, fünf minderjährige Kinder – darunter Drillinge –, läuft Marathon, hat ein Haus mit Garten und natürlich einen Haushalt mit Kochen und Wäschewaschen. Wie macht man das alles?

Beruf und Privatleben lassen sich oft kaum trennen

Natalija Dobersek kennt diese Frage und muss immer noch lachen. „Für mich ist das alles keine Arbeit. Ich genieße dieses Leben. Kostenpflichtiger Inhalt Ich habe immer auf meine Selbstständigkeit geachtet.Beruf und Privatleben ließen sich oft kaum trennen. Aber sie ist in ein solches Leben auch hineingewachsen, erzählt sie.

Dobersek ist in Slowenien geboren. Anfangs lebte sie zeitweise bei der Oma, weil ihre Eltern Anfang der 1980er-Jahre aus dem damaligen Jugoslawien wegen der Arbeit nach Deutschland kamen. Vater Albin war Ingenieur und arbeitete beim damaligen Maschinenbau- und Energie-Riesen Babcock. „Meine Mutter aber sagte immer, er solle sich selbstständig machen“, erzählt Dobersek.

Mit drei Zeichenbrettern begannen Albin Dobersek und seine Frau Tatjana 1983 das Abenteuer Selbstständigkeit. Sie gründeten die Firma Engineering Dobersek. Das Unternehmen entwickelte in den folgenden, mehr als 40 Jahren immer erfolgreicher Lösungen im Industrieanlagenbau.

Er war der Techniker, sie machte die Buchführung. Heute hat sich das Unternehmen insbesondere in den Bereichen Bergbau, Metallurgie sowie der Mineral- und Wasseraufbereitung einen Namen gemacht hat. Die Firma ist vor allem in Zentralasien, in Kaschastan, Usbekistan, früher auch in Russland und der Ukraine aktiv.

Im Unternehmen des Vaters alle Abteilungen durchlaufen

Tochter Natalija wollte Ökonomie studieren. „Kannst du machen, aber das musst du dir selber bezahlen, sagte mein Vater zu mir.“ Gesagt, getan. Sie wollte es, also tat sie es. Als sie in das elterliche Unternehmen eintrat, wartet die Ochsentour. Sie durchläuft alle Abteilungen, kennt sich später in der Buchhaltung so gut aus wie in den technischen Bereichen, kennt den Firmenempfang so genau wie die Entwicklungsabteilung.

„Ich finde, man muss ein Unternehmen mit allen seinen Menschen von der Pike auf und von ganz unten bis oben kennenlernen. Dann weiß man Bescheid und brennt auch darauf, dieses Unternehmen leidenschaftlich weiterzuführen“, sagt sie. Sie wollte es so, also tat sie es.

So wie sie ihren beruflichen Weg zielstrebig verfolgt hat, so lief es auch privat: „Es war nicht geplant. Zuerst sollten es nur Zwillinge werden, aber der Arzt entdeckte dann noch ein drittes Baby im Bauch.“ Lucija, Anastazija und Malija, heute alle zehn Jahre alt, vervollkommneten ihr Familienglück mit Ehemann Michael. „Andere hätten unter der vielen Arbeit mit Drillingen, Job und Familie wohl geklagt. Ich fand das klasse“, sagt sie. Eben: Es kam so, also nahm sie es an. Zwei Jahre später wurde die heute achtjährige Kaija, geboren, weitere drei Jahre später die heute fünf Jahre alte Saija.

Zeit für Freizeit, Kinder und den Job

Mit ihrem Mann organisiert sie seitdem den Alltag, inklusive zweier Vollzeitjobs. Michael Dobersek arbeitet bei den Düsseldorfer Stadtwerken als Abteilungsleiter. „Er wollte lieber abseits unseres Unternehmens einen anderen Job machen“, sagt sie.

Trotzdem ist es ein Familienleben, das selten stillsteht. Die Übergänge zwischen diesen Welten sind oft fließend. „Ein Morgen kann mit Verhandlungen über Filterpressen beginnen, während die Mittagspause für organisatorische Dinge wie einen Autowerkstatttermin genutzt wird. Am Abend folgen Fahrten zu Ballett-, Gymnastik- oder Theaterproben unserer Töchter. Vorausgesetzt, in der Kita herrscht gerade keine Magen-Darm- oder Grippewelle.“

Ihre jüngste Tochter Saija wurde während der Corona-Zeit geboren. Allein die Schwangerschaft und die Geburt seien völlig anders als bei den Kindern zuvor gewesen. Impfungen, Kontrollen, viele Unsicherheiten, dennoch hätten sie das alles innerhalb der Familie gemeistert. Familie – fast das Lieblingswort der Unternehmerin. Gerade deshalb schätzt Natalija Dobersek die Freiheiten und Möglichkeiten, die alle heute wieder haben.

2020 übernahm sie schließlich die Geschäftsführung der Firma. Ihr Bruder wollte nicht in die Verantwortung. „Das alles war nur möglich, weil mein Mann viel im Homeoffice arbeiten kann“, sagt sie. Eine Nanny, die auf die Kinder aufpasst, wollten sie beide bewusst nicht. „Ich möchte trotz meiner vielen Aufgaben einfach immer für die Kinder da sein. Ich brauche diese Wärme, diese Nähe.“ Da könne es auch schon mal passieren, dass die Kinder, wenn sie die Mama brauchen, in der Firma spielen und am Schreibtisch mit dabei sind.

Eine Entscheidung am Kilimandscharo

300 Mitarbeiter, für die sie da sein muss. Und fünf Kinder, die sich von der Mama das holen, worauf sie ein natürliches Recht haben. Für Natalija Dobersek scheint das Wort Multitasking mal erfunden worden zu sein. Gerade ihre Fähigkeit, gesteckte Ziele letztlich auch zu erreichen, muss ihr Vater Albin gespürt haben.

Deshalb erzählt Natalija Dobersek die Geschichte vom Kilimandscharo. Der höchste Berg Afrikas (5895 Meter) mit einer Schneekappe ist bei guter Kondition auch für Anfänger zu besteigen. Er erfordert keine alpinen Fähigkeiten. Nur die dünne, sauerstoffarme Luft mit Schwindel, Übelkeit und Höhenkrankheit macht den Besteigern zu schaffen.

„Mein Vater lud meinen Bruder und mich zu einer Tour nach Tansania ein, um den Berg zu besteigen. Das dauert etwa eine Woche.“ Am Anfang habe sie nicht gewusst, was sich der Vater dabei dachte. Sie und ihr Bruder rätselten über den Grund dieser Reise.

Der Rest ist schnell erzählt. Sie quälte sich den Berg hinauf. Sie wollte es, also tat sie es. Ihr Bruder litt wie sie unter Übelkeit und Erbrechen – und brach ab. Er schaffte den Gipfelsturm nicht. Auf dem Rückflug habe ihr Vater dann zu ihr gesagt: „Ich wollte sehen, wer es am Ende schafft. Du hast es geschafft. Du solltest auch die Firma übernehmen.“