Eine Recherche der Bild-Zeitung hatte an diesem Wochenende für Aufsehen gesorgt, wonach es die bayerische Großbrauerei Oettinger ins Ausland zieht. Die Journalisten hatten dafür 133.000 interne Dokumente ausgewertet. Jetzt nimmt die Brauerei selbst Stellung zu dem Bericht. Das Unternehmen verspricht: „Der Unternehmenssitz bleibt in Deutschland.“ Auch über Werke und Arbeitsplätze gibt es Aussagen. Die Suche nach neuen Lösungen für das Auslandsgeschäft streitet Oettinger allerdings auch nicht ab.
„Um internationale Märkte gezielt und effizient zu bearbeiten, ist es sinnvoll, Vertriebsstrukturen entsprechend der jeweiligen Marktanforderungen aufzubauen“, berichtet Oettinger auf Anfrage unserer Redaktion. „Dies ermöglicht eine bessere Marktbearbeitung, schnellere Entscheidungswege und eine stärkere Ausrichtung auf lokale Gegebenheiten“, hieß es zur Begründung. Die Organisation des Auslandsgeschäfts folge dabei operativen und marktorientierten Anforderungen. „In diesem Zusammenhang prüfen und nutzen die Gesellschafterinnen rechtlich zulässige Strukturen, um das Auslandsgeschäft entsprechend zu organisieren“, teilt das Unternehmen mit. Dies stützt die Bild-Recherchen.
Oettinger: „Ausrichtung auf Auslandsmärkte Teil der Langfriststrategie“
Dem Bericht zufolge hat Oettinger in der Schweiz im April 2024 die Oe International AG gegründet. Diese sei formal von der Brauerei Oettinger getrennt, die neue Gesellschaft soll für das Auslandsgeschäft des Unternehmens zuständig sein. Beteiligt sei Mitinhaberin Pia Kollmar, die heute Teil der Geschäftsführung ist, sowie ihre Töchter. Die Gründung einer Auslandsgesellschaft im Kanton Zug hat dem Bericht zufolge steuerliche Vorteile. Oettinger sieht insbesondere im Ausland Wachstumschancen.

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Das Brauhaus Oettinger ist bekannt für seine blauen Kästen und günstige Preise.
Foto: Stefan Puchner, dpa
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Das Brauhaus Oettinger ist bekannt für seine blauen Kästen und günstige Preise.
Foto: Stefan Puchner, dpa
Der Biermarkt in Deutschland sei „seit Jahren rückläufig“, heißt es seitens des Unternehmens. „Oettinger Getränke ist bereits seit längerer Zeit international tätig und baut dieses Geschäft kontinuierlich aus“, heißt es gegenüber unserer Redaktion. „Die zusätzliche Ausrichtung auf Auslandsmärkte ist daher keine neue Entwicklung, sondern Teil einer langfristig angelegten Unternehmensstrategie.“ Trotzdem bekennt sich Oettinger klar zum Standort Deutschland.
Unternehmen verspricht: „Keine Verlagerung von Wertschöpfung oder Arbeitsplätzen“
„Der Steuersitz der Oettinger Brauerei GmbH ist und bleibt in Deutschland“, teilt das Unternehmen mit. „Selbstverständlich erfüllt das Unternehmen alle steuerlichen Verpflichtungen in Deutschland vollumfänglich.“ Der Fokus liege unverändert auf dem deutschen Markt. „Wir kümmern uns mit voller Überzeugung um unsere Kundinnen und Kunden hierzulande und wollen auch weiterhin möglichst viele Menschen mit unseren Produkten erreichen.“
Sorgen vor Werksverlagerungen oder Einschnitten bei den Arbeitsplätzen weist das Unternehmen zurück: „Mit der Organisation des Auslandsgeschäfts ist keine Verlagerung von Wertschöpfung oder Arbeitsplätzen aus Deutschland verbunden“, teilt die Brauerei mit. „Oettinger Getränke bleibt ein in Deutschland verwurzeltes Familienunternehmen.“
Neue Führungsspitze bei Oettinger
Angesichts des rückläufigen Bierkonsums in Deutschland hatte Oettinger allerdings unlängst den Standort Braunschweig geschlossen. Nach schwierigen Tarifverhandlungen und mehreren Warnstreiks gab es Ende 2025 eine Einigung auf einen neuen Haustarifvertrag. Die Oettinger-Spitze hat sich nach dem Abschied von CEO Stefan Blaschak kürzlich neu formatiert. Blaschak hatte das Unternehmen zurück in die schwarzen Zahlen geführt und sah seine Aufgabe als erfüllt an. An der Spitze stehen nun CEO Thilo Pomykala, Mitinhaberin Pia Kollmar und Dominika Steinberg.
Oettinger Getränke hat in Deutschland rund 800 Beschäftigte, davon 440 in Oettingen im bayerischen Landkreis Donau-Ries und braut 6,6 Millionen Hektoliter Bier im Jahr.
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Michael Kerler
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