Eine Mitarbeiterin des Jugendamts wurde im Zusammenhang mit einer mutmaßlichen Vergewaltigung in einem Jugendzentrum in Neukölln freigestellt. Das teilte das Bezirksamt Neukölln dem Tagesspiegel auf Anfrage mit. Zu den Gründen äußerte sich das Bezirksamt nicht. Zuerst hatte der RBB berichtet.
Zuvor hatte es vonseiten des Bezirks geheißen, dass die Mitarbeiterin versetzt worden sei. Zudem war sie seit Ende März krankgeschrieben. Jugendstadträtin Nagel von der Linken, die wegen des Vorfalls zunehmend unter Druck gerät, hatte schon Mitte März angekündigt, dass weitere personelle Konsequenzen geprüft würden.
Anfang März war bekannt geworden, dass eine 16-Jährige aus einer kurdischstämmigen Familie im November im Garten des Jugendzentrums an der Wutzkyallee mutmaßlich vergewaltigt wurde. Im Januar sollen Jugendliche das Mädchen im Jugendzentrum zudem sexuell belästigt haben. Obwohl die Vorwürfe sowohl dem staatlich betriebenen Jugendzentrum als auch dem zuständigen Jugendamt des Bezirksamts bekannt waren, passierte wochenlang nichts.
Jugendstadträtin Sarah Nagel (Die Linke) gerät wegen des Vorfalls zunehmend unter Druck.
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Die Polizei erfuhr erst durch die Anzeige einer Präventionsbeamtin sowie der anschließenden Anzeige des Vaters von der mutmaßlichen Tat. Zu den Gründen für die Untätigkeit des Jugendzentrums und -amtes gibt es unterschiedliche Darstellungen. Ein Schreiben von mehreren Mitarbeiterinnen eines Mädchentreffs, die die 16-Jährige betreuten, legt jedoch nahe, dass wegen einer möglichen „Marginalisierung der Tätergruppe“ die arabischstämmigen mutmaßlichen Täter nicht angezeigt wurden.
Nagel hatte zuletzt eine unabhängige Kommission eingesetzt, die die Vorgänge rund um die mutmaßliche Vergewaltigung sowie weitere mutmaßliche sexuelle Übergriffe aufklären soll. Wie die Jugendstadträtin mitteilte, soll die Kommission Ende Mai einen ersten Zwischenbericht vorlegen.
Sie besteht laut Nagel aus Fachleuten aus dem Bereich des Kinderschutzes und des Umgangs mit sexualisierter Gewalt. Teilnehmen sollen unter anderem Vertreter:innen des Kinderschutz-Zentrums Berlin sowie der Senatsverwaltung für Jugend. Das Jugendamt ist demnach nicht beteiligt.
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Eine Sprecherin der Polizei teilte auf Nachfrage des Tagesspiegels Ende März mit, dass gegen Nagel selbst ermittelt werde. Es seien „mehrere Hinweise“ auf fehlerhaftes und möglicherweise „strafrechtlich relevantes Handeln“ oder Unterlassen eingegangen. „Dazu wurden Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts der Strafvereitelung und der Strafvereitelung im Amt eingeleitet“, sagte die Sprecherin am Dienstag.