Einsatzkräfte stehen vor einem Wohnhaus.

Stand: 07.04.2026 17:48 Uhr

Nach dem Fund einer Leiche in der Gemeinde Holtgast befindet sich ein 30-Jähriger in Untersuchungshaft. Er soll den Betreuer seines Bruders erschlagen und die Leiche in einem Garten vergraben haben, so die Staatsanwaltschaft.

In der vergangenen Woche durchsuchten Ermittler vier Privatgrundstücke in der Gemeinde Holtgast im Landkreis Wittmund, wie Polizei und Staatsanwaltschaft am Dienstag mitteilten. Bei Grabungen auf einem Grundstück im Ortsteil Fulkum fanden sie den Angaben nach am vergangenen Mittwoch den Leichnam eines 59 Jahre alten Vermissten aus dem Sauerland (Nordrhein-Westfalen). Er war laut Polizei und Staatsanwaltschaft als Betreuer eines 34-Jährigen tätig gewesen, der gemeinsam mit seiner Mutter in Fulkum lebt. Nach dem Leichenfund seien die 60-Jährige und ihre beiden Söhne – 34 und 30 Jahre alt – vorläufig festgenommen worden. Der 30-Jährige, wohnhaft in Utgast in der Gemeinde Holtgast, befindet sich inzwischen wegen Mordverdachts in Untersuchungshaft. Die Mutter und ihr älterer Sohn wurden den Angaben nach am Donnerstagabend wieder entlassen. Es liege kein dringender Tatverdacht vor. Die Ermittlungen gegen die drei Beschuldigten dauern an.

Betreuer galt seit Anfang 2024 als vermisst

Angehörige hatten den 59-Jährigen, der seinen Wohnsitz in Lüdenscheid im Sauerland hatte, laut Polizei und Staatsanwaltschaft Anfang Februar 2024 als vermisst gemeldet. Ermittlungen ergaben, dass der Vermisste Ende Januar 2024 von Minsk über Vilnius, Warschau und Hamburg nach Ostfriesland zu einer Familie in Holtgast gereist war. Über diese Reiseroute hatte er den Angaben nach wenige Tage später zu seiner Familie nach Weißrussland zurückreisen wollen. Nach Angaben der Ermittler hatte „der Vermisste die geplante Rückreise offensichtlich nicht angetreten“. Schließlich seien Zweifel an den Darstellungen der beschuldigten Familie aus Holtgast hinsichtlich des Verbleibs des Vermissten aufgekommen.

Gelder veruntreut? Vermisster wurde gesucht

Das Opfer und die Familie aus Holtgast kannten sich den Angaben nach „aus früheren Zeiten“, als der 59-Jährige als Betreuer des jüngeren Sohnes tätig war. In dem Betreuungsverhältnis soll es laut Polizei und Staatsanwaltschaft zu einer „Veruntreuung von Geldern gekommen sein“. In diesem Zuge sei auch gegen den ehemaligen Betreuer ermittelt worden. „Unter anderem war der Vermisste zur Festnahme ausgeschrieben“, heißt es in der gemeinsamen Mitteilung von Dienstag. Die Staatsanwaltschaft geht einem Sprecher zufolge derzeit davon aus, dass es wegen der veruntreuten Gelder zu einem Streit gekommen war. Es stehe das Mordmerkmal der Habgier im Raum. Im September 2025 sei schließlich eine Mordkommission bei der Polizeiinspektion Aurich/Wittmund eingerichtet worden. Nach monatelangen Ermittlungen kam es dann in der vergangenen Woche zu den Durchsuchungen der vier Grundstücke in der Gemeinde Holtgast.

Video:
Holtgast: Polizei gräbt auf einem Privatgrundstück (1 Min)

„Massive Gewalteinwirkung“ führte zum Tod

Bei den Durchsuchungen wurden die Ermittler den Angaben nach von einem Team der niederländischen Polizei unterstützt, welches auf Bodenuntersuchungen spezialisiert sei und über entsprechende Ausrüstung verfüge. Nachdem die Spezialisten Auffälligkeiten im Garten feststellten, seien die Grabungen durchgeführt worden. Auch Leichenspürhunde schlugen an. Die Bergung des Leichnams war laut Polizei und Staatsanwaltschaft „sehr aufwendig“ und dauerte bis in die Nacht. Das Technische Hilfswerk unterstützte bei der Ausleuchtung des Gartens. Laut Obduktionsergebnis kam der 59-Jährige durch „massive Gewalteinwirkung zu Tode“ – gegen den Kopf, wie ein Sprecher der Staatsanwaltschaft ergänzte. Nach NDR Informationen soll die Leiche aufgrund des Torfbodens noch gut zu identifizieren gewesen sein. Die Ermittler informierten die Angehörigen des Vermissten am Wochenende.

Bürgermeister kritisierte fehlende Informationen

Der Bürgermeister der Gemeinde Holtgast, Gerhard Frerichs (Neue Liste), hatte zuvor kritisiert, dass seitens der Polizei und Staatsanwaltschaft bis Dienstagmittag kaum etwas zu den Durchsuchungen mitgeteilt wurde. Das habe zu Verunsicherung und Spekulationen in der Gemeinde geführt, so Frerichs. Als Ermittler am vergangenen Donnerstag Kisten aus dem Haus in Fulkum trugen, bestätigten die Behörden zwar, dass sie das Grundstück seit Dienstag durchsuchten. Beim Umgraben des Gartens seien Gegenstände gefunden worden, sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft am Donnerstag. Zum Anlass des Einsatzes wurden aber zunächst aus „ermittlungstaktischen Gründen“ keine Angaben gemacht, so eine Polizeisprecherin.

Ein Polizist verlässt während einer Durchsuchung ein Wohnhaus.

Ermittler durchsuchen seit Tagen ein Privatgrundstück im Landkreis Wittmund. Anwohner berichten von einem Leichenwagen.