In der Nacht auf Mittwoch einigten sich die USA und der Iran auf eine zweiwöchige Waffenruhe. So kommentiert die internationale Presse die Einigung.

„Diese schwere Krise im Welthandel, die eine anhaltende extreme Instabilität in der Region zu verursachen droht und die Weltwirtschaft in eine Rezession treiben könnte, muss auf diplomatischem Weg überwunden werden. (…)

Welchen Preis mag Teheran dafür verlangen? Gebühren für die Durchfahrt durch die Meerenge? Die Aufhebung internationaler Sanktionen? Sicherheitsgarantien für den Iran und die Zusage, künftigen amerikanischen und israelischen Aktionen entgegenzutreten? Oder all das und noch mehr?

Es sollte kein Zweifel bestehen: Amerikas Verbündete auf der ganzen Welt werden gezwungen sein, sich vor den Iranern zu demütigen, weil die USA einen Krieg verloren haben, den diese Nationen abgelehnt hatten, zumindest anfangs. Es ist eine groteske, entsetzliche Situation – und schuld daran ist US-Präsident Donald Trump. (…)

Nach seiner jüngsten wirren Fernsehansprache, die größtenteils darin bestand, alte Social-Media-Beiträge vorzulesen, ist dies der richtige Moment, um zu betonen, wie katastrophal Präsident Trumps Krieg war und weiterhin ist. Aus der „Operation Epic Fury“ (Gewaltiger Zorn) ist die „Operation Epic Fail“ (Gewaltiges Versagen) geworden.“

  • The Irish Times (Dublin):

„Präsident Donald Trump hat damit gedroht, dass die USA im Falle eines Scheiterns von Verhandlungen den Iran „zurück in die Steinzeit“ bombardieren und Ölanlagen sowie „jedes einzelne ihrer Kraftwerke sehr hart treffen“ werden. Seine Äußerung, die zu Recht international kritisiert wurde, unter anderem von Irlands Regierungschef Micheál Martin, stellt eine empörende Drohung dar, gegen das humanitäre Völkerrecht zu verstoßen, insbesondere gegen die Genfer Konventionen. (…)

„Das ist nicht unser Krieg“ haben die westlichen Verbündeten zu Recht erklärt. An einer Begleitschutzaktion für Schiffe und der Räumung von Minen in der Straße von Hormus wollen sie sich erst nach dem Ende der Feindseligkeiten beteiligen. Als Reaktion darauf hat Trump seine Schikanen gegenüber den Verbündeten auf ein neues Niveau gehoben und gedroht, aus der NATO auszutreten, da sie sich geweigert habe, seinen Krieg zu unterstützen. Seine Rücksichtslosigkeit dürfte die Mitgliedstaaten in ihrer Überzeugung stärken, dass die USA unter Trump ein unzuverlässiger – und gefährlicher – Partner sind, und dass sie ihre Strategien künftig entsprechend ausrichten müssen.“

„Dieser so seltsame Präsident (Donald Trump) verfolgt eine ganz klare Kommunikationsstrategie: die absurde Strategie des ständigen Sündenbocks. Diesen Trick kannten wir bereits aus der Wirtschaft, wo China, Europa und der Rest der Welt für die Schwierigkeiten der Vereinigten Staaten verantwortlich gemacht wurden. In den letzten Tagen wurden Frankreich, Spanien und auch das Vereinigte Königreich ununterbrochen von einem jähzornigen Donald Trump ins Visier genommen.

Im Fall der Straße von Hormus können die Europäer leicht entgegnen, dass sie weder zu der iranischen Operation konsultiert noch daran beteiligt wurden. Sie tragen keinerlei Schuld an der Blockade dieser Durchfahrtsroute, die verheerende wirtschaftliche Folgen hat. (…) Sie sind keine bloßen Handlanger dessen, der sie Tag und Nacht beleidigt.

Dennoch muss die NATO-Frage mit Fingerspitzengefühl behandelt werden. Washington hat den Finger auf den wunden Punkt gelegt: das Ungleichgewicht zwischen den Verteidigungsanstrengungen der Europäer zur Verteidigung ihres eigenen Territoriums und denen der Vereinigten Staaten. Eine Neugewichtung findet derzeit in rasantem Tempo statt, doch der Alte Kontinent ist vorerst noch auf das Engagement von Uncle Sam angewiesen. Trump Widerstand leisten, ohne die Brücken nach Washington abzubrechen: ein kompliziertes, aber notwendiges Gleichgewicht.“

„Sollen wir Europäer nachgeben und (US-Präsident Donald) Trump helfen, um die Reste der NATO-Partnerschaft zu retten? Wohl eher nicht. (…) Dass er die europäischen Verbündeten vor dem Angriff nicht konsultierte, ließe sich noch akzeptieren. Ein größeres Problem ist, wie die Trump-Regierung nicht einmal versucht, vertrauenswürdig die Gründe für den Angriff zu erklären oder seine Ziele zu definieren.

Nicht dass keine Erklärungen genannt werden: Regimewechsel, Demokratisierung, Aufhalten des Atomprogramms und Einstellen der iranischen Unterstützung für radikale Gruppen in der Region. Doch die Art, wie die Operation durchgeführt wird, führt zu keinem einzigen dieser Ergebnisse. In einigen Fällen wie der Liberalisierung des Regimes bewirkt sie sogar das Gegenteil. (…)

Eine europäische Unterstützung wäre ein Blankoscheck für einen unberechenbaren Partner. Europa kann in einen langen, teuren und riskanten Konflikt hineingezogen werden, auf dessen Verlauf und Ende es keinen Einfluss hat. (…) Trumps USA suchen keine Verbündeten, sondern erzwingen Vasallengehorsam. Sie brauchen die europäischen Flughäfen, Infrastruktur, Kriegsschiffe und vielleicht auch einen intensiveren militärischen Einsatz – aber einen Platz am Tisch, an dem über Verlauf und Ziele der Aktion entschieden wird, bieten sie nicht an. (…)

Und die bisherigen Erfahrungen mit Donald Trump zeigen, dass eine europäische Hilfe keine Vorbeugung gegen künftige transatlantische Verwerfungen ist. Der gegenwärtige US-Präsident neigt dazu, jedes Nachgeben als Ausdruck der Schwäche wahrzunehmen und noch mehr zu verlangen.“