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Salzburg (Österreich) – Der Rauswurf von Festspiel-Intendant Markus Hinterhäuser (68) sorgt weiter für Wirbel und wird nicht einfach hingenommen. Nachdem die Salzburger Festspiele ihn am 26. März wegen „Auffassungsunterschieden und Differenzen“ mit sofortiger Wirkung beurlaubt hatten, regt sich nun prominenter Widerstand. Künstler schlagen Alarm und stellen sich öffentlich hinter den umstrittenen Kulturchef.

In einem Offenen Brief üben sie scharfe Kritik an der Entscheidung. Die Künstler – viele von ihnen gestalten im Sommer selbst die Salzburger Festspiele mit – sprechen von einem „beispiellosen, entwürdigenden und nicht nachvollziehbaren Vorgang“.

Als Intendant bestimmte Markus Hinterhäuser die künstlerische Ausrichtung der Salzburger Festspiele – von Programmen über Stars bis zum Profil des Festivals

Als Intendant bestimmte Markus Hinterhäuser die künstlerische Ausrichtung der Salzburger Festspiele – von Programmen über Stars bis zum Profil des Festivals

Foto: Barbara Gindl/apa/dpa

Ihr Vorwurf: Hinterhäuser sei öffentlich verurteilt worden – ohne ein transparentes Verfahren. Zugleich betonen die Unterzeichner, sie hätten über Jahre eng mit ihm zusammengearbeitet, im „kontinuierlichen Dialog“ für eines der wichtigsten Kulturfestivals Europas.

Besonders brisant: Der Rauswurf kommt nur wenige Monate vor Beginn der Festspiele am 17. Juli. Viele der geplanten Produktionen wurden direkt von Hinterhäuser entwickelt.

Mehr zum ThemaWarum Hinterhäuser beurlaubt wurde

Zuvor hatte der „Spiegel“ massive Anschuldigungen öffentlich gemacht. Mitarbeiter werfen Hinterhäuser demnach autoritäres Verhalten als Führungsperson vor. Eine Ex-Angestellte sagt, seine Verbalattacken hätten sich „gewalttätig angefühlt“. Im Festspielhaus herrsche „Angst“. Sie sagt, es gebe „nur einen Täter und sehr viele Opfer“, warnte zudem vor einer „Täter-Opfer-Umkehr“.

Marina Davydova (59), die im November 2024 als Schauspielchefin entlassen wurde, sagt im „Spiegel“ über Hinterhäuser: „Mit Frauen tut er sich besonders schwer“. Bei einem Streit habe er geschrien: „Was grinst du mich so verächtlich an?“ und „Du respektierst mich nicht!“

Durch sein Amt war Hinterhäuser (l.) immer nah dran an Promis und Politikern. Hier posiert er im August 2018 vor der Premiere von „Pique Dame“ in Salzburg mit der damaligen Bundeskanzlerin Angela Merkel (2. v. r.), ihrem Ehemann Joachim Sauer (2. v. l.), der damaligen Präsidentin der Salzburger Festspiele, Helga Rabl Stadler und dem kaufmännischen Direktor der Spiele, Lukas Crepaz

Durch sein Amt war Hinterhäuser (l.) immer nah dran an Promis und Politikern. Hier posiert er im August 2018 vor der Premiere von „Pique Dame“ in Salzburg mit der damaligen Bundeskanzlerin Angela Merkel (2. v. r., damals 64, heute 71), ihrem Ehemann Joachim Sauer (2. v. l., damals 69, heute 76), der damaligen Präsidentin der Salzburger Festspiele, Helga Rabl Stadler und dem kaufmännischen Direktor der Spiele, Lukas Crepaz

Foto: dpa

Künstler können die Entscheidung nicht nachvollziehen

Im Offenen Brief bemühen sich die Künstler um Differenzierung: Sie betonen ausdrücklich, keinen Anspruch darauf zu erheben, die Erfahrungen anderer zu kennen oder zu bewerten. Gleichzeitig machen sie aber deutlich, wie wenig sie die Entscheidung nachvollziehen können. Aus ihrer Sicht sei nicht erkennbar, was einen derart drastischen Schritt des Kuratoriums rechtfertigen könnte.

Die Kritik geht noch weiter: Ein Vorgehen dieser Härte schade nicht nur der Institution selbst, sondern auch den Menschen, die mit ihr verbunden sind, und der gemeinsamen künstlerischen Arbeit. Am Ende, so der Tenor des Briefes, werde damit sogar der freie Geist beschädigt, in dem die Salzburger Festspiele vor über 100 Jahren gegründet wurden.