Kommentar: Zuhause ist nicht alles schlecht
Auf der Suche nach erfolgreichen Betrieben schauen wir oft und gerne in die USA. Egal ob zum Thema Zucht, Stallbau oder Management. Und es ist tatsächlich so: Es gibt dort viele tolle Konzepte und Anregungen für zuhause.
Was mich beeindruckt hat: Bei Pagels Ponderosa hat die Kälberhaltung einen hohen hygienischen Standard und die Luft ist in den Ställen sehr gut, auch im Sommer. Dabei sind schwül-warme Temperaturen von 30 °C nicht selten. Auch Betriebe mit Iglus reagieren darauf, indem sie die Iglus im Sommer mit Sand eingestreut nach Norden und im Winter mit Strohmatratze nach Süden ausrichten. Hierzulande können wir beim Hitzestress meiner Erfahrung nach noch dazulernen.
Auch die Organisation mit vielen Arbeitskräften haben die Farmen im Griff: Macht das Team von J Hall nur einen zusätzlichen Schritt pro Kalb, summiert sich das um den Faktor 5 000.
Aber: Kleine Kälber werden in Wisconsin bereits nach wenigen Stunden transportiert. Später stehen sie teils bis zu 70 Tage in Einzelhaltung. Das gehört zu den Schattenseiten des Milchlandes. Auch bei uns bzw. in der EU steht das Wohl der Tiere bei Transporten in der Kritik – nicht immer zu Unrecht. Kälber länger als 48 Tage einzeln zu halten, verstößt bei uns gegen das Gesetz. Zudem haben wir verbindliche Auflagen etwa für das Platzangebot und sind mit höheren Tränkemengen in der Regel besser aufgestellt.
Die Auflagen in Deutschland sind im Vergleich zu anderen Ländern oft hoch. Jedoch nicht ohne Grund. In unseren Tieren steckt Potenzial. Holen wir es heraus – für die guten Kühe von morgen.