Schwerkraft als präzises Messinstrument
Um diese Eismassenänderung zu vermessen, realisieren Mirko Scheinert von der Professur für Geodätische Erdsystemforschung der TUD und Axel Rülke vom BKG Leipzig ein gemeinsames Forschungsprojekt, das durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) gefördert wird. Für ihre Arbeit setzen die Forschenden ein ungewöhnliches Werkzeug ein: die Absolutgravimetrie. Sie misst, wie stark die Erde an einem bestimmten Ort zieht. Wo Eis liegt, zieht die Erde stärker. Wo Eis schmilzt, lässt diese Anziehung nach.
„Das hierbei benutzte Absolutgravimeter vom Typ FG-5 ist in der Lage, kleinste Schwereänderungen zu messen. Die Schwerebeschleunigung in einer Größenordnung von ungefähr 9,8 m/s² kann so auf die achte Nachkommastelle genau erfasst werden“, erklärt Projektleiter Rülke. Vereinfacht gesagt bedeutet das eine Messgenauigkeit, die selbst winzigste Eismassenverluste sichtbar macht. Ergänzend nutzen die Wissenschaftler Satelliten-Navigationssysteme (GNSS), um Höhenveränderungen im Boden zu erfassen. Denn wenn Eis verschwindet, hebt sich die Erdkruste darunter langsam an.