Der Fund von Waffen und Nazi-Devotionalien in einer Ismaninger Wohnung in der Nacht zum Karfreitag hat wieder einmal verdeutlicht: Politisch rechts motivierte Straftäter bleiben eine Bedrohung. 793 Delikte registrierte der Staatsschutz der Münchner Polizei im vergangenen Jahr – das sind mehr als die Summe aller Taten zusammen, deren Hintergrund linke, ausländische oder islamistische Ideologie war. Und es ist eine Steigerung gegenüber dem Vorjahr um fünf Prozent.
Aus dem Sicherheitsreport des Münchner Polizeipräsidiums geht auch hervor, wie sich dieser „Phänomenbereich“ entwickelt hat. Es sind erschreckende Zahlen: In den vergangenen zehn Jahren hat sich die Zahl polizeibekannter rechter Übergriffe in Stadt und Landkreis mehr als verdoppelt. „Einen nicht unerheblichen Einfluss auf diese Entwicklung hat (…) die zunehmende Radikalisierung in sozialen Netzwerken“, heißt es seitens der Polizei.
Während die Zahl der polizeilich registrierten rechten Gewalttaten um 28 Prozent gegenüber dem Vorjahr gesunken ist, stieg die Zahl der sogenannten Propagandadelikte wie Volksverhetzung oder das Verwenden von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen auf 399 Fälle. Nachdem im Jahr 2024 zu 46 von 64 Gewaltdelikten Tatverdächtige ermittelt werden konnten, gelang das der Polizei im Jahr 2025 in 38 von 46 Fällen, was einer Aufklärungsquote von 82,6 Prozent entspricht. Ende vergangenen Jahres bestanden 31 offene Haftbefehle gegen rechte Straftäter.
418 sogenannte Hassdelikte wurden vergangenes Jahr von Tätern aus der rechten Ecke verübt. In den allermeisten dieser Fälle stand dahinter eine rassistische oder judenfeindliche Einstellung. 45 rechte „Hatecrime“-Fälle waren islamfeindlich geprägt, 51-mal hetzten die Täter gegen das Geschlecht oder die sexuelle Orientierung ihrer Opfer.
Jeden Tag registriert die Münchner Polizei also mindestens zwei Straftaten aus dem politisch rechten Milieu. Die wenigsten davon werden öffentlich. So sprühten Unbekannte Mitte Januar auf einer Fläche von fünf mal zwei Meter Nazi-Symbole und Parolen auf eine Moosacher Hauswand. Ende Januar beendete der Staatsschutz der Münchner Kriminalpolizei ein Vernetzungstreffen der rechten Szene in Sendling, das ein AfD-Lokalpolitiker aus dem Raum Augsburg initiiert hatte. Dabei wurde ein Schlagring sichergestellt.
Kriegswaffen und Hitlerbild
:Großeinsatz der Polizei: Munitionsfund in einer Ismaninger Wohnung
In der Nacht zum Karfreitag muss ein Wohnhaus in Ismaning zeitweilig evakuiert werden, Straßen werden gesperrt, Sprengstoffexperten sind im Einsatz. Gefunden werden unter anderem Nazi-Devotionalien.
Am 22. März wurde eine 64-Jährige in einer S-Bahn am Hirschgarten geschubst, beleidigt und bespuckt, wenig später auch Beamte der Bundespolizei. Einer der Täter, 16 Jahre alt, zeigte dazu den verbotenen Hitlergruß. Ähnliche Vorfälle werden immer wieder publik. Ende März provozierten Rechtsextremisten, die vom Staatsschutz der Polizei den „Identitären“ zugerechnet werden, mit einer schwulenfeindlichen „Umfrage“ in der Münchner Fußgängerzone.
Auch im zurückliegenden Kommunalwahlkampf machten rechte Gesinnungstäter aus ihrem Hass auf das demokratische System der Bundesrepublik keinen Hehl. Mehrmals wurden Wahlkämpfer demokratischer Parteien angepöbelt, beleidigt, bedroht und bespuckt. Betroffen von derartigen Attacken war unter anderem der CSU-Stadtrat Delija Balidemaj.
Eine „vorurteilsgeleitete Tatmotivation“ sei angesichts der völkischen Ideologie mit ihrem „hohen Stellenwert des Antisemitismus, der Fremdenfeindlichkeit und der Ausländerfeindlichkeit“ bei rechten Tätern immanent, heißt es im jüngst veröffentlichten Lagebild der bayerischen Polizei zur Hasskriminalität. Die Münchner Polizei will dieser Entwicklung nicht tatenlos zusehen. Dem Anstieg der Hasskriminalität „treten wir gemeinsam mit unseren Netzwerkpartnern entschieden entgegen“, sagt Polizeipräsident Thomas Hampel.
