
Stand: 09.04.2026 13:43 Uhr
Der Fall um ein innerhalb der CDU-Landtagsfraktion verbreitetes Deepfake-Video rückt näher an CDU-Fraktionschef Sebastian Lechner heran. Zweifel an Aussagen des Fraktionschefs kommen von SPD und Grünen.
Dem NDR Niedersachsen liegt die Mitgliederliste der internen Whatsapp-Gruppe vor, in der das sexualisierte Video einer Parteikollegin im Januar veröffentlicht wurde. Darunter befinden sich auch Mitarbeiter aus dem engsten Kreis um Fraktionschef Sebastian Lechner. Intern bekannt geworden sei der Fall aber erst Ende März.
Kritik von SPD und Grünen
Die SPD im Landtag sagte dazu: Entweder habe Lechner die Fraktion nicht im Griff – oder die Geschichte stimme nicht. Auch die rechtspolitische Sprecherin der Grünen-Landtagsfraktion, Evrim Camuz, sagte dem NDR Niedersachsen: „Ihren hehren Worten und dem zunächst verkündeten Aufklärungswillen hat die CDU-Fraktionsspitze auch nach mehr als einer Woche keine Taten folgen lassen. Ganz im Gegenteil“, sagte Camuz. „Die Aussagen der Beteiligten sind widersprüchlich und werfen noch mehr Fragen auf.“ Der CDU-Politiker selbst stand für eine Reaktion bisher nicht zur Verfügung.
Mitarbeiter entlassen, Bürgermeisterkandidat freigestellt
Zu der WhatsApp-Gruppe gehörte nach NDR Informationen auch ein Bürgermeisterkandidat aus Dörverden (Landkreis Verden). Er war zuletzt Fraktionsgeschäftsführer der CDU im Landtag und soll vorläufig von seinen Aufgaben entbunden worden sein. Der mutmaßliche Ersteller des Videos wurde nach Informationen des NDR fristlos entlassen. Nach Angaben des derzeit freigestellten Fraktionsgeschäftsführers Adrian Mohr wurde das Video mit sexualisiertem Inhalt in einer Gruppe mit dem Namen „MitGLIEDER“ geteilt. Als Gruppenbild diente demnach ein Elefant mit erigiertem Penis.
Staatsanwaltschaft kann ermitteln
Die betroffene Frau soll am 27. März von dem Video erfahren haben und die Parlamentarische Geschäftsführerin Carina Hermann kontaktiert haben. Die CDU-Fraktion hatte den Fall kurz darauf öffentlich gemacht und nach eigenen Angaben die Staatsanwaltschaft informiert. Die betroffene Frau hat seitdem auch einen Strafantrag gestellt. Nach Informationen von NDR Niedersachsen wurde der Eingang diesen Mittwoch bestätigt. Der Strafantrag ist nötig, damit die Staatsanwaltschaft ermitteln kann, da es sich um ein sogenanntes Antragsdelikt handelt. Es geht um den Verdacht auf eine Verletzung des Kunsturheberrechts.
Deepfakes: Lücken im Strafrecht
Bei Deepfakes handelt sich um eine neue Form digitaler Gewalt. Das Strafrecht bietet dafür bislang nur begrenzte Ansätze. Wer Deepfake-Pornos verbreitet, kann sich strafbar machen – wer sie erstellt, meist nicht. Derzeit bereitet Bundesjustizministerin Stefanie Hubig (SPD) ein Gesetz gegen digitale sexuelle Gewalt vor. Es soll unter anderem das Erstellen und Verbreiten sexualisierter Deepfakes unter Strafe stellen.

Der Fall Collien Fernandes zeigt die Gefahr von Deepfakes. Niedersachsen will Betroffene künftig besser unterstützen.

Der freigestellte Geschäftsführer Adrian Mohr sieht sich zu Unrecht im Fokus. Carina Hermann widerspricht seiner Darstellung.

Lechner hat sich in einem Brief an die Landtagsfraktion gewendet. Man wolle „externe Unterstützung“ einholen, heißt es dort.

Nach NDR Informationen soll der dortige Bürgermeisterkandidat Teil der Chatgruppe gewesen sein.

Der sexualisierte Inhalt soll in einer privaten Mitarbeiter-Chatgruppe geteilt worden sein. Die Staatsanwaltschaft wurde eingeschaltet.