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Die Ukraine setzt verstärkt auf Drohnen und Schläge in die Tiefe. Kiew meldet hohe russische Verluste. Besonders im Raum Pokrowsk ist es umkämpft.

Kiew – Die Ukraine setzt im Abwehrkampf gegen Russland immer stärker auf Drohnen, Robotik und gezielte Schläge gegen militärische Infrastruktur. Nach Darstellung aus Kiew zahlt sich diese Taktik im Ukraine-Krieg zunehmend aus. Russische Truppen erleiden demnach hohe Verluste, während die ukrainische Führung die strategische Initiative an wichtigen Frontabschnitten weiter für sich beansprucht.

Ein Kämpfer eines ukrainischen Spezialverbands startet nahe Saporischschja eine FPV-Drohne.Ein Kämpfer eines Spezialverbands der ukrainischen Nationalpolizei startet nahe Saporischschja eine FPV-Drohne aus einem Schützengraben. Unbemannte Systeme sind für Kiew nach eigenen Angaben ein zentraler Faktor im Abwehrkampf gegen Russland. © IMAGO/Dmytro Smolienko

Die Aussagen gehen auf Mitteilungen von Oberbefehlshaber Oleksandr Syrskyj sowie auf aktuelle Frontberichte der ukrainischen Streitkräfte zurück. Unabhängig überprüfen lassen sich die Zahlen aus dem Kriegsgebiet nur eingeschränkt. Mehrere ukrainische und internationale Medien, darunter UNIAN und die Kyiv Post, berichten jedoch übereinstimmend über dieselben Kernangaben zu Drohneneinsätzen, Verlusten und zur Lage an der Front.

Kiew setzt im Ukraine-Krieg gegen Russland verstärkt auf Drohnen

Besonders auffällig ist laut Syrskyj die Wirkung der ukrainischen Einheiten für unbemannte Systeme. Diese hätten „seit Dezember 2025“ nun „vier Monate in Folge“ mehr gegnerisches Personal ausgeschaltet, als Russland im selben Zeitraum neu rekrutieren konnte.

Im März habe sich diese Entwicklung nochmals verstärkt. Nach Syrskyjs Angaben stiegen die durch ukrainische Drohneneinheiten verursachten russischen Personalverluste im Vergleich zum Februar um 29 Prozent. Zudem seien, so die Kyiv Post, mehr als 150.000 verifizierte Ziele getroffen worden, das seien 50 Prozent mehr als im Vormonat. Im Schnitt würden die Einheiten inzwischen täglich mehr als 11.000 Kampfeinsätze ausführen.

Schatten aus Stahl an der Front: Panzer gestern, heute und morgenEin US-Kampfpanzer M1 Abrams fährt während eines Trainingstages bei der Übung Africa Lion 2012 einen Feldweg hinunter. (Archivbild)Fotostrecke ansehenDrohnenangriffe der Ukraine treffen Logistik, Kommandostellen und Energieanlagen

Nach Darstellung des ukrainischen Oberbefehlshabers, schreibt UNIAN, nimmt auch die Schlagkraft in der operativen Tiefe zu. Syrskyj sprach von fast 350 Angriffen auf Ziele in einer Entfernung zwischen 30 und 120 Kilometern. Getroffen worden seien 143 Logistik- und Lagerobjekte, 52 Gefechtsstände der russischen Armee sowie 20 Öl- und Energieanlagen.

Gerade darin liegt die neue ukrainische Taktik. Statt allein auf starre Verteidigung an der unmittelbaren Front zu setzen, versucht Kiew, bemerkt Reuters, die Armee von Wladimir Putin mit Drohnen, Robotik und präzisen Angriffen auf Nachschub und Führungseinrichtungen zu schwächen. Das soll russische Offensivkraft binden und großangelegte Vorstöße erschweren.

Ukrainische Drohnenoffensive: Eckdaten (April 2026)

Zeitraum der Überlegenheit Ukraine‑Drohnen schlagen seit Dezember 2025 mehr Russen aus, als Moskau rekrutiert (4 Monate in Folge). Steigerung im März 2026 Russische Personalverluste durch ukrainische Drohnen +29% gegenüber Februar. Täglicher Einsatzumfang Über 11.000 Drohneneinsätze pro Tag im Durchschnitt. Reichweite (Middle‑Strike) Schläge bis 120 km in die Tiefe, u.a. Logistik, Kommandozentralen, Energieanlagen. Russische Drohnen‑Aufstockung Bis Anfang April rund 101.000 Soldaten in russischen Drohnen‑Einheiten; Plan bis Ende 2026: 165.500. Ukrainische Antwort Ausbau mehrerer neuer Drohnen‑Brigaden und intensivere Ausbildung der Operator, um die russische Aufstockung zu kontern.

(Quellen: UNIAN, Kyiv Post, Ukrainska Pravda)

Schwere Kämpfe bei Pokrowsk: Russland greift weiter massiv an

Dass die Lage an der Front dennoch angespannt bleibt, zeigen die aktuellen Meldungen des ukrainischen Generalstabs, wie sie die Ukrainska Pravda bündelt. Für den Dienstag (8. April) wurden 164 Gefechte entlang der Front gemeldet. Die meisten Angriffe registrierte Kiew im Raum Pokrowsk mit 32 russischen Sturmversuchen. Syrskyj selbst sprach dort für die vergangene Woche von insgesamt mehr als 260 abgewehrten Angriffen.

Auch in anderen Frontabschnitten blieb der Druck hoch. Kämpfe wurden unter anderem aus den Räumen Kupjansk, Lyman, Kramatorsk, Kostjantyniwka und Huljajpole gemeldet. Die ukrainische Luftwaffe sowie Raketen- und Artillerieeinheiten hätten zudem sieben Ansammlungen russischer Soldaten und ein Artilleriesystem getroffen, teilte der Generalstab mit.

Ukraine-Krieg: Russland verliert laut Kiew erneut viele Soldaten und baut Drohnenkräfte aus

Parallel meldete der ukrainische Generalstab, so die Ukrainska Pravda, für die 24 Stunden von Dienstag- auf Mittwochmorgen weitere hohe russische Verluste. Demnach verlor Russland 1.040 Soldaten sowie 64 Artilleriesysteme. Die Gesamtzahl russischer Verluste seit Kriegsbeginn bezifferte Kiew auf mehr als 1,3 Millionen Soldaten. Auch diese Angaben sind Teil ukrainischer Kriegsberichte und unabhängig nicht vollständig überprüfbar.

Zugleich verweist Syrskyj darauf, dass auch Russland im Drohnenkrieg aufrüstet. Nach ukrainischen Geheimdienstangaben habe Moskau seine Kräfte für unbemannte Systeme bis Anfang April auf 101.000 Soldaten erhöht. Bis Ende 2026 solle diese Zahl auf 165.500 steigen. Für Kiew ist das ein weiteres Argument, den Ausbau eigener Drohnenverbände mit hohem Tempo voranzutreiben. (Quellen: UNIAN, Kyiv Post, Ukrainska Pravda, Reuters) (chnnn)