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Braunschweig (Niedersachsen) – Er wollte die Scheidung, sie angeblich sein Geld: Wegen versuchten Mordes steht seit Donnerstag eine 27-jährige Frau aus Niedersachsen vor dem Landgericht Braunschweig. Sie soll versucht haben, ihren Ehemann mit Ameisensäure zu töten!

Die Tat geschah Anfang November 2025 in dem kleinen Ort Beuchte, einem Ortsteil von Schladen-Werla in Niedersachsen. Laut Anklage hatte Altenpfleger Frederik F. (32) seiner Frau zwei Wochen vor der Tat mitgeteilt, dass er die Scheidung wollte. Ein Pressesprecher des Landgerichts: „Woraufhin die Angeklagte beschlossen habe, ihn zu töten, um einerseits die Vermögensauseinandersetzung zu umgehen und anderseits in den Genuss der Risikolebensversicherung des Geschädigten zu kommen.“ Die soll 400.000 Euro wert sein. Zum Prozessauftakt bestritt die Angeklagte Vivien F. den Mordversuch aus Habgier, sagte: „Ich bin immer gut hingekommen mit dem Geld.“

Der Prozess wird vor dem Landgericht Braunschweig verhandelt

Der Prozess wird vor dem Landgericht Braunschweig verhandelt

Foto: picture alliance/dpa

Säure ließ Mann erblinden

Am Tattag wollte, so der Staatsanwalt, das Opfer die gemeinsamen Kinder besuchen. Die Tochter ist heute 4, der Sohn 2 Jahre alt. Laut Anklage lockte die Frau ihren Noch-Ehemann unter einem Vorwand in den Keller und schüttete hochkonzentrierte Ameisensäure über seinen Kopf und sein Gesicht. Wie das Gericht mitteilte, rannte der Mann panisch und voller Schmerzen ins Badezimmer, um sich die ätzende Flüssigkeit abzuwaschen. Doch die Angeklagte soll ihn daran gehindert haben. Im Prozess schilderte Vivien F., die sehr gefasst und konzentriert wirkte, alles anders. Ihr Noch-Ehemann sei gekommen, um die alten Kindersitze mit Ameisensäure zu reinigen. Sie sollten verkauft werden. Im Keller kam es zum Streit, weil die Frau die Schlösser der Haustür auswechseln ließ: „Er hatte die Flasche in der Hand und ich hatte das Gefühl, er wollte mich angreifen. Das habe ich abgewehrt.“ So sei das Unglück passiert.

Ameisensäure ist in Deutschland frei verkäuflich

Ameisensäure ist in Deutschland frei verkäuflich (Beispielfoto)

Foto: PR

Sanitäter sah, wie sich die Netzhaut auflöste

Das Opfer flüchtete auf die Straße, ein Nachbar wählte den Notruf. Der Mann erlitt Verätzungen vierten Grades im Auge, schwere Verletzungen der Haut. Durch die Attacke erblindete er. Ein Notfallsanitäter (31), der zuerst vor Ort war, schilderte im Gericht: „Ich konnte förmlich sehen, wie sich die Netzhaut auflöste!“ Ihm sagte das Opfer auch, dass er attackiert wurde: „Meine Ex ist verrückt geworden!“ Weil auch die Lunge kollabierte, wurde der Mann mehrere Tage ins künstliche Koma versetzt.

Vivien F. sitzt seit der Tat in Untersuchungshaft. Sie ist wegen versuchten Mordes und schwerer Körperverletzung angeklagt. Das Landgericht Braunschweig hat bisher insgesamt sieben Verhandlungstage angesetzt. Am 16. April will auch das erblindete Opfer aussagen. Es war zu Prozessbeginn nicht im Saal.

Ameisensäure ist in Deutschland frei verkäuflich, unter anderem im Fachhandel und bei Online-Plattformen. Die Konzentration liegt meist bei 75 Prozent, ist ätzend sowie gesundheitsschädlich. Ameisensäure wird unter anderem zur Entkalkung oder zum Beizen von Leder verwendet. Ameisensäure (chemisch: Methansäure) hat ihren Namen, weil sie erstmals durch Destillation aus Waldameisen gewonnen wurde. Der britische Naturforscher John Ray entdeckte die Substanz 1670.