Düsseldorf hat in diesen Tagen die ersten sonnigen und warmen Frühlingstage des Jahres erlebt. Am Mittwoch und Donnerstag kletterten die Temperaturen auf bis zu 22 Grad Celsius – und mit ihnen augenscheinlich auch die Laune der Menschen. Wer zur Mittagszeit über den Carlsplatz schlendert, merkt schnell: Die Stadt ist nach den grauen Monaten hungrig nach Licht, Wärme und Begegnung.

Zwischen den Ständen mit frischem Spargel, mediterranen Spezialitäten, frischem Fisch und duftendem Kaffee ist kaum noch ein freier Platz zu finden. Viele Beschäftigte aus den umliegenden Büros haben ihre Mittagspause kurzerhand nach draußen verlegt. Sonnenbrillen ersetzen die Bildschirme, Gespräche das Tippen auf Tastaturen. „Besser kann man die Mittagspause nicht verbringen“, sagt Levent Sarper, der mit einem Teller Pasta auf einer der Holzbänke sitzt und die Sonne genießt. Ein leichter Wind lässt die Servietten flattern, doch das stört hier niemanden wirklich.

Händler berichten von guter Stimmung und spürbar mehr Laufkundschaft. „Sobald die Sonne rauskommt, bleiben die Leute länger“, sagt Mirac Yildiz am Gemüsestand seiner Familie und lächelt.

Grüne Wiesen, kühle Böen: Frühling im Rheinpark Golzheim

Ein paar Kilometer weiter nördlich zeigt sich ein etwas anderes Bild. Im Rheinpark Golzheim leuchtet das Gras in sattem Grün, hier und da durchzogen von kleinen Blüteninseln. Der Frühling ist sichtbar angekommen – und doch wirkt der Andrang am frühen Nachmittag noch überraschend verhalten.

Der Grund ist schnell gefunden: Immer wieder ziehen kräftige, teils erstaunlich frische Windböen über die offenen Flächen am Rhein. Sie lassen Jacken flattern und treiben lose Decken über den Rasen.

Ganz anders die Situation auf dem Spielplatz am Robert-Lehr-Ufer. Hier herrscht bereits reger Spielbetrieb. Kinder klettern, schaukeln und rennen. Eltern stehen in kleinen Gruppen beisammen, manche noch mit Schal, andere schon im T-Shirt.

„Es sind Ferien, da müssen sich die Kinder irgendwie auspowern“, sagt Mirela Drenovac, während sie ihre Tochter beim Rutschen beobachtet. „Ich hoffe, dass wir noch ein paar warme Tage bekommen, aber im April weiß man das ja nie.“

Ein paar Meter weiter gibt es wenig später eine andere Szene: Eine kleine Hochzeitsgesellschaft hat im Park Halt gemacht, offenbar für ein paar spontane Fotos im Grünen. Das Brautpaar posiert, ein Fotograf gibt Anweisungen, Gäste zücken ihre Smartphones.

Doch die Szene ist flüchtig. Der Wind zerrt am Kleid der Braut, wird für die Frisur zur Herausforderung. Noch bevor Passanten die Gelegenheit haben, dem Paar zu gratulieren, zieht die Gesellschaft weiter – vermutlich auf der Suche nach einem windgeschützteren Ort.

Picknick statt Café: Junge Düsseldorfer trotzen dem Wind

Während einige noch zögern, haben andere längst entschieden: Der Frühling findet draußen statt – egal, was der Wind dazu sagt. Vor allem junge Düsseldorfer lassen sich nicht abhalten. Auf den Wiesen des Rheinparks entstehen trotz Brise die ersten Picknick-Inseln. Decken werden ausgebreitet, Snacks geteilt, Musik aus tragbaren Lautsprechern gespielt.

Eine Wohngemeinschaft aus vier Studierenden hat den Ausflug bewusst geplant. Zwischen mitgebrachten Salaten, Obst und Getränken sitzen sie im Kreis und genießen die gemeinsame Zeit. „Besser als in einem Café viel Geld liegen zu lassen – und das Ambiente ist auch noch gut“, sagt Student Maximilian Janotta. Die Gruppe lacht, diskutiert, plant bereits die nächsten Treffen unter freiem Himmel. Der Wind wird dabei eher als Teil des Erlebnisses gesehen denn als Störfaktor. „Dann zieht man halt noch einen Pulli an“, sagt Janottas Kommilitonin Laura Wegner achselzuckend.

Altstadt, Rheinuferpromenade und Parks: Die Stadt erwacht

Eine weitere Studentengruppe spielt etwa 200 Meter rheinabwärts mit einem Volleyball. „Das gute Wetter muss man nutzen, auch wenn hier kein richtiger Platz ist“, sagt eine Frau aus der Gruppe. Doch nicht nur am Carlsplatz oder im Rheinpark zeigt sich das neue Lebensgefühl. Auch die Altstadt füllt sich am Nachmittag spürbar. Cafés und Bars stellen zusätzliche Tische nach draußen, die ersten Gäste bestellen Aperol Spritz in der Sonne. An der Rheinuferpromenade flanieren Spaziergänger, Jogger ziehen ihre Runden, Radfahrer klingeln sich vorsichtig durch die Menge. Die Stadt wirkt offener, kommunikativer, fast ein wenig leichter.

Und bei bestem Frühlingswetter gibt es auch die ein oder andere tierische Begegnung. Etwa mit freudig kläffenden Vierbeinern beim Hundeauslauf an der Theodor-Heuss-Brücke oder turtelnden Vögeln am Corneliusplatz. „Tiere faszinieren unsere Tochter einfach immer“, sagt ein Vater, der mit seiner Familie einen Spaziergang macht und einen Kinderwagen schiebt.

Noch gibt es in der Stadt genügend freie Bänke und ruhige Ecken. Doch das dürfte sich schnell ändern, wenn die Temperaturen stabil bleiben. Die vergangenen beiden Tage haben gezeigt, wie groß die Lust darauf ist.

Oder, wie es Levent Sarper auf dem Carlsplatz formuliert: „Wenn das so bleibt, sieht man mich hier jetzt öfter.“