TTS-Player überspringen↵Artikel weiterlesen

Sankt Petersburg/Berlin – Sie sind jung und engagieren sich für den Frieden. Im Land von Kriegstreiber Wladimir Putin (73) bringt sie das für Jahre ins Gefängnis: In der russischen Millionenstadt St. Petersburg sind sechs Aktivisten der Jugendbewegung „Wesna“ zu Haftstrafen zwischen sechs und zwölf Jahren verurteilt worden. Die Vorwürfe: „Diskreditierung“ der russischen Armee und Beteiligung an einer „extremistischen Organisation“. Frei arbeiten kann die Initiative jetzt nur noch im Ausland (auch in Deutschland).

„Wesna“ existiert seit 2013 und wurde in St. Petersburg gegründet. Die Initiative gilt als eine der bekanntesten oppositionellen Jugendinitiativen in Russland. Charakteristisch: Die Mitglieder sind ausschließlich junge Menschen (zwischen 18 und 30). Vor dem Anfang des Ukraine-Kriegs 2022 organisierten Aktivisten vor allem symbolische Aktionen, etwa nach der Vergiftung von Alexej Nawalny. Zudem engagierten sie sich als Wahlbeobachter, traten bei Kommunalwahlen an, organisierten Umweltaktionen und politische Bildungsangebote.

Aktion der Bewegung während der Fußball-WM 2018 – Protest gegen politische Repressionen

Aktion der Bewegung während der Fußball-WM 2018 – Protest gegen politische Repressionen

Foto: David Frenkel/Mediazona

Einsatz für den Frieden

Doch mit Beginn des Ukraine-Kriegs änderte sich das Selbstverständnis vieler Aktivisten. Nach dem 24. Februar 2022 begannen sie nach eigenen Angaben, Anti-Kriegs-Proteste zu koordinieren und öffentliche Aktionen gegen die Mobilisierung zu organisieren. „Wenn wir das nicht gemacht hätten, hätte es niemand gemacht“, sagt ein Mitglied der Bewegung, das heute in Deutschland lebt, zu BILD. Die Folge: Die russischen Behörden stuften „Wesna“ als „extremistische Organisation“ ein.

Aktion mit grünen Bändern zu Beginn des Ukraine-Krieges in St. Petersburg. Die Bänder dienten als Zeichen des Protests gegen den Krieg, die Aktion wurde von der Bewegung unterstützt

Aktion mit grünen Bändern zu Beginn des Ukraine-Kriegs in St. Petersburg

Foto: Bumaga/paperpaper

„Jemand muss sitzen“

Jetzt die drakonischen Urteile in St. Petersburg. Nach Angaben des Aktivisten leben viele der prägenden Gesichter der Bewegung inzwischen im Ausland. Getroffen hat es also vor allem weniger wichtige Mitläufer. Warum gerade sie? Aktivisten berichten von einem zynischen Satz aus den Ermittlungen: „Die, die geflohen sind, können wir nicht erreichen – aber jemand muss sitzen.“

Immerhin: Im Ausland geht die Arbeit von „Wesna“ weiter. In Deutschland organisieren Aktivisten Mahnwachen und Demonstrationen und setzen sich unter anderem für russische Deserteure ein. Nach eigenen Angaben haben sie erreicht, dass einzelne Kirchen in Deutschland bereit sind, Deserteuren Schutz zu gewähren.