Das interdisziplinäre Musikensemble "Ensemble Megaphon"

AUDIO: „Free America“: Musikfestival „Klangbrücken“ startet in Hannover (4 Min)

Stand: 10.04.2026 15:01 Uhr

„Die USA waren lange ein Vorbild für westliche, freiheitliche Demokratien. Dieses freie Amerika sollten wir nicht verloren geben“ – das fordern die Veranstalter des neuntägigen Musikfestivals „Klangbrücken“, das Freitagabend in Hannover beginnt. „Free America“ lautet in diesem Jahr sein Motto.

von Agnes Bührig

Probe im Kellergeschoss der Alten Grammophonfabrik im Norden Hannovers. Frauke Aulbert steht zwischen etlichen Vibraphonen, Trommeln und Gongs. Zusammen mit dem Ensemble S studiert die Sängerin „Nobody Knows the Trouble I’ve Seen“ ein. 2003 vertonte der amerikanische Komponist George Crumb das bekannte Spiritual mit viel Schlagwerk.

Im Text wird die Sklaverei angeprangert, sagt Frauke Aulbert: „Die Person singt darüber, dass niemand das Schreckliche gesehen hat, was die Person selber erlebt hat. Es ist schon ein Klagen darüber, was passiert ist, aber gleichzeitig auch ein Ausdruck der Freude darüber, dass niemand anders genau dieses Leid ertragen musste, sondern dass diese Person das nur mit Jesus teilt, also mit der Gottfigur.“

„Klangbrücken“-Konzerte: Das Unsichtbare sichtbar machen

Das Unsichtbare sichtbar zu machen, darum geht es in etlichen der „Klangbrücken“-Konzerte. Bodil Mohlund und Sabine Angela Lauer vom Ensemble Tedesco spielen „Tango for two“ von Ruth Schönthal. Durch ihre Flucht vor den Nationalsozialisten kam das Werk der jüdischen Komponistin lange nicht zur Aufführung. Was Europa und Amerika verbindet und trennt, fragte 1949 Jean Cocteau in einem Brief an die Amerikaner. Das Ensemble Megaphon macht daraus ein literarisches Konzert. Programmkoordinator ist Klaus Angermann. Er erzählt von neuen Impulsen durch die amerikanische Avantgarde:

„Die amerikanische Avantgarde ist weniger vorbelastet als die europäische Musik von bestimmten Traditionen, an die man sich zu halten hat. Es gibt auch eine Unbekümmertheit, die aus europäischer Sicht fast amateurhaft wirkt, die aber interessant ist, weil sie Türen aufstößt und neue Impulse bringt. Das fängt an mit Charles Ives, dessen Musik darauf beruht, dass er jeder Art von Musik erst mal einen Stellenwert zugesteht.“

„Free America“ stellt Morton Feldmann ins Zentrum

Und genau dieses Diverse, das die Musik der amerikanischen Avantgarde einst inspiriert hat, ist unter den gegenwärtigen Verhältnissen in den USA bedroht. Das Motto der „Klangbrücken“ 2026, „Free America“, will daher an das freie Amerika von einst erinnern. Im Zentrum steht dabei der amerikanische Komponist Morton Feldman.

„Aufgrund seines hundertsten Geburtstags, aber nicht nur, sondern weil er eben ein ganz wichtiger Vertreter ist von diesem, sagen wir mal, antisystemischen Komponieren, den Klängen ihre Freiheit zu lassen“, so Klaus Angermann.

Kann Musik zu Veränderung beitragen?

„Why Patterns?“ nannte Morton Feldman 1978 sein Stück für Flöte, Glockenspiel und Klavier, das beim Festival erklingen wird. Mit Komponistin Caroline Shaw und Aaron Cassidy, Komponist und Leiter des Instituts für neue Musik Incontri an der Musikhochschule Hannover, sind zudem jüngere Amerikaner im Programm vertreten.

Ob Musik so zu Veränderung beitragen kann? Das sei eine alte Frage, sagt Klaus Angermann. „Es ist auf jeden Fall nicht schädlich, wenn man unter den gegenwärtigen Umständen einen Blick auf ein Land wirft, das vielleicht auch mal wieder frei wird, aber auf jeden Fall frei war.“

„Free America“ – die „Klangbrücken“ in Hannover starten am Abend des 10. April und laufen bis zum 19. April in Hannover.

Zwei Frauen stehen lächelnd nach einem Konzert, in der Mitte steht ein Mann mit Brille (die Sopranistin Sophia Körber, links, die Pianistin Yun Qi Wong, rechts und Komponist Arsalan Abedian)

Das Festival feiert Pierre Boulez und Luciano Berio, die Pioniere der seriellen Musik, bis 4. Mai. Sophia Körber und Yun Qui Wong machten den Auftakt.

Eine Schauspielerin im Rollstuhl, und drei weitere Schauspieler auf der Bühne

Gemeinsam mit jungen Menschen – das ist das Motto des „Draufsichtsrats“ in Hannover. „Deutsch, Du Schuft!“ geht heute Abend erstmals über die Bühne.