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Kurz vor Trumps Iran-Ankündigung häufen sich verdächtige Wetten. Nur Zufall – oder Insiderhandel? Die Indizien häufen sich und das Weiße Haus reagiert.
Washington, D.C. – Am 23. März veröffentlichte US-Präsident Donald Trump auf seiner Plattform Truth Social eine überraschende Ankündigung: Die Angriffe auf den Iran würden pausiert. „Ich habe das Kriegsministerium angewiesen, alle militärischen Angriffe auf iranische Kraftwerke und die Energieinfrastruktur für einen Zeitraum von fünf Tagen auszusetzen […]“, schrieb Trump. Rund 15 Minuten vor Trumps 180-Grad-Wendung gab es Auffälligkeiten an den Terminbörsen.
US-Präsident Donald Trump am 6. April 2026 bei einer Pressekonferenz im Weißen Haus. © SAUL LOEB/AFP
Innerhalb von weniger als zwei Minuten wechselten Öl-Futures im Wert von mehr als 760 Millionen Dollar den Besitzer, wie Daten von Dow Jones Market Data zeigen und das Wall Street Journal berichtet. Auf der Krypto-Wettplattform Polymarket erzielten drei Konten mit präzisen Wetten auf den Zeitpunkt eines möglichen iranischen Waffenstillstands Gewinne von mehr als 600.000 Dollar.
Weißes Haus reagiert mit interner E-Mail auf verdächtige Handelsaktivitäten an den Wettmärkten
Das Weiße Haus reagierte – zumindest indirekt. Am 24. März verschickte das „White House Management Office“ intern eine E-Mail, die alle Mitarbeitenden aufforderte, ihre Position und Insider-Informationen nicht für gezielte Wetten auf den Terminmärkten zu missbrauchen. Mehrere mit dem Vorgang vertraute Personen bestätigten die Existenz dieses Schreibens gegenüber dem Wall Street Journal. Das Weiße Haus bestätigte die Echtheit der E-Mail. Trumps Sprecher Davis Ingle erklärte: „Das einzige Anliegen, das Präsident Trump jemals leiten wird, ist das Wohl des amerikanischen Volkes.“
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Konkrete Belege für Insiderhandel oder gezielte Informationsweitergabe aus dem Regierungsapparat liegen bislang nicht vor. Dennoch rückt der Vorfall ein strukturelles Problem in den Fokus: Krypto-basierte Prognosemärkte wie Polymarket ermöglichen es Nutzern, anonym auf politische Ereignisse zu wetten – von Sportergebnissen bis zu geopolitischen Entwicklungen. Für Bundesbeamte und politisch vernetzte Personen besteht damit eine neuartige Versuchung, die bestehenden Regularien auszureizen.
Auffällige Wetten und Börsenaktivitäten keine Seltenheit während der Trump-Administration
Dabei ist dies nicht das erste Mal, dass kurz vor großen geopolitischen Entscheidungen der Trump-Regierung auffällige Wetten an der Börse oder den Wettmärkten platziert werden. Bereits am Freitag vor Kriegsbeginn hatten mehr als 150 Konten auf der Wettplattform Polymarket plötzlich auf einen US-Angriff auf den Iran innerhalb von 24 Stunden gesetzt, wie die New York Times berichtete. Ein ähnliches Muster zeigte sich im vergangenen April: Kurz vor Trumps Ankündigung einer 90-tägigen Pause bei den sogenannten „Liberation Day“-Zöllen setzten einige Anleger plötzlich auf steigende Aktienkurse. Und am 2. Januar wettete ein Händler mit 32.000 Dollar auf die Festnahme des venezolanischen Präsidenten Nicolás Maduro, die am nächsten Morgen auch tatsächlich eintrat, wie Axios schreibt.
Die fraglichen Konten sind allerdings anonym, was eine eindeutige Zuordnung erschwert. Ob Insider mit Vorabwissen, koordinierte Händler oder unabhängige Spekulanten dahinterstecken, ist bislang unklar. Sollten die Republikaner die anstehenden Midterms im November verlieren, könnte es auch für Trumps inneren Zirkel unangenehm werden. Die Demokraten bereiten im Repräsentantenhaus schon jetzt parlamentarische Untersuchungen über die verdächtigen Aktivitäten an der Börse und den Wettmärkten vor.
Trump mit Verbindungen zu Kalshi und Polymarket über seinen Sohn Trump Jr.
Die Trump-Regierung hat indirekte Verbindungen zu den beiden großen Wettanbietern Kalshi und Polymarket, die beide Wetten auf geopolitische Ereignisse zulassen. Michael Selig, der neu ernannte Vorsitzende der „Commodity Futures Trading Commission“ (CFTC), machte die Position der Behörde zu den Wettanbietern in einem Meinungsbeitrag im Wall Street Journal deutlich: „Die CFTC wird nicht länger tatenlos zusehen, wie übereifrige Landesregierungen die ausschließliche Zuständigkeit der Behörde für diese Märkte untergraben, indem sie versuchen, landesweite Verbote für diese spannenden Produkte zu erlassen.“
Die CFTC reguliert Wettmärkte auf Bundesebene – eine Zuständigkeit, die es Kalshi und anderen Plattformen erlaubt, in allen 50 US-Bundesstaaten zu operieren, auch dort, wo Glücksspiel gesetzlich verboten ist. Mehrere Bundesstaaten haben Klage gegen Polymarket und Kalshi eingereicht. Die CFTC – und damit die Trump-Regierung – schlägt sich also auf die Seite der Wettanbieter.
Hinzu kommt: Donald Trump Jr., der Sohn des US-Präsidenten, hat über seine Risikokapitalgesellschaft in Polymarket investiert und ist strategischer Berater bei Kalshi. Eine für die Industrie günstige Entscheidung der CFTC könnte damit auch der Familie des Präsidenten finanziell zugutekommen, wie PBS News berichtet.
Selbst aus dem republikanischen Lager gibt es Bedenken gegen die fraglichen Börsen- und Wettvorgänge. Blake Moore, republikanischer Abgeordneter im Repräsentantenhaus, sagte laut NPR: „Wir möchten uns keine Welt vorstellen, in der Amerikas Feinde Wettmärkte nutzen, um unseren nächsten Schritt vorauszusehen.“ (Quellen: NPR/PBS/Wall Street Journal/New York Times/Axios)