In den vergangenen Tagen berichteten Nachrichtenagenturen über einen Sensationsfund in Maastricht in den Niederlanden. Bei Bauarbeiten in der Petrus-und-Paulus-Kirche in Maastricht legten Archäologen unter dem Altar ein Skelett frei. Schon dieser Fundort ließ aufhorchen.

Wer hier bestattet wurde, musste zu Lebzeiten eine herausragende Rolle gespielt haben. Ganz in der Nähe entdeckten die Forscher eine französische Münze – ein kleines, aber vielsagendes Detail, das die Spekulationen weiter anfachte. Könnte es sich tatsächlich um die sterblichen Überreste jenes legendären Musketier-Kommandeurs d’Artagnan handeln, dessen Grab seit Jahrhunderten als verschollen galt? Noch ist nichts endgültig bewiesen – nun soll ein DNA-Test Klarheit bringen, ob hier ein Stück europäischer Geschichte wiederentdeckt wurde.

Ludwig XIV. hält Europa in Atem

Wir schreiben das 17. Jahrhundert, eine Zeit, in der die Ambitionen des Sonnenkönigs Ludwig XIV. ganz Europa in Atem hielten. Sein Ziel: die Eroberung der Niederlande. Unterstützung erhielten die Niederländer durch Brandenburg, genauer gesagt durch den Großen Kurfürsten. Damit wurde Duisburg auf dem strategischen Schachbrett jener Tage in den Konflikt hineingezogen.

Franzosen besetzen Duisburg

Als die Truppen des Marschalls Turenne und der legendäre D’Artagnan in Duisburg einmarschierten, waren bereits viele Professoren und Studenten der alten Universität nach Moers geflüchtet. Die Angst vor Repressalien der katholischen Franzosen gegen die protestantische Universität sowie die Plünderung von Vorräten und Wohnraum taten ihr Übriges. Die verbliebenen Einwohner der Stadt ergaben sich kampflos. Die Musketiere belegten die leerstehenden Gebäude und Wohntürme der Stadt.

D’Artagnan nutzte den Schäferturm an der Obermauerstraße als Wachposten. Während die Duisburger unter der Last der Einquartierung stöhnten und Wein sowie Essensvorräte für die ungebetenen Gäste heranschaffen mussten, bereiteten sich die Franzosen auf den Weg nach Maastricht vor. Niemand ahnte, dass die Stadt sich als letzte Etappe auf d’Artagnans Weg in den Tod erweisen sollte.

Maastricht: Musketenkugel trifft d’Artagnan tödlich

Die Bewegungslinien der französischen Feldarmee schoben sich nach Westen, bis sie schließlich vor den mächtigen Festungswerken von Maastricht zum Stillstand kamen. Dort, im Juni des Jahres 1673, verdichtete sich das Kriegsgeschehen zu einem dramatischen Höhepunkt. In der Nacht zum 1. Juni wagten die Musketiere unter dem Kommando von d’Artagnan einen Überraschungsangriff. Es gelang ihnen tatsächlich, die Stellung einzunehmen. Bereits im Morgengrauen sammelten sich die niederländischen Truppen zu einem Gegenstoß und eroberten die Bastion mit aller Entschiedenheit zurück.

Der folgende Tag, Sonntag, der 2. Juni 1673, sollte sich als schicksalhaft erweisen. Inmitten dieses tobenden Getümmels traf eine Musketenkugel d’Artagnan tödlich – der französische Nationalheld fand an diesem Tag sein Ende.

Und wie ging es in Duisburg weiter? Am 16. Juni 1673 schlossen Ludwig XIV. und der Große Kurfürst Friedrich Wilhelm den Frieden von Vossem. Damit schied Brandenburg aus dem Krieg gegen Frankreich im Rahmen des Holländischen Krieg aus. Die wirtschaftliche Lage blieb zunächst schwierig, und auch das öffentliche Leben – einschließlich des Bildungswesens – konnte sich nur langsam erholen. Wer heute den Schäferturm an der Obermauerstraße passiert, sieht mehr als nur verwittertes Mauerwerk. Mit etwas Vorstellungskraft erscheint sogar d’Artagnan vor dem Schäferturm.