Es ist ein besonderer Moment: Eine Honigbiene knabbert sich aus ihrer Wabe ins Leben. 21 Tage lang war sie geschützt im Inneren. Nun beginnt ihre Arbeit. Für Imker Andreas Kluge sind solche Augenblicke Alltag, aber dennoch immer wieder faszinierend.

Er beobachtet seine vier Bienenvölker derzeit besonders genau. „Hier haben wir schon direkt die Königin“, sagt er und zeigt auf eine Biene mit grünem Punkt auf dem Rücken. Auch Drohnen mit ihren auffällig großen Augen lassen sich bereits erkennen.

Ein ungewöhnlicher Standort

Die Heimat der Bienen ist mitten in der Stadt und doch ruhig gelegen: der Johannisfriedhof. Für Kluge ist das ein idealer Ort. „Das Besondere ist, dass sie hier eine sehr gute Trachtsituation vorfinden, weil immer etwas blüht“, erklärt er. Bäume, Stauden und die Bepflanzung des Friedhofs sorgen dafür, dass die Tiere durchgehend Nahrung finden. Auch die Friedhofsverwaltung hat sich darauf eingestellt und pflanzt gezielt bienenfreundliche Gewächse.

Honig vom „Gottesacker“

Der Honig aus dieser besonderen Umgebung kommt gut an. Friedhofsleiterin Beatrice Teichmann setzt bewusst auf das außergewöhnliche Produkt.

„Es sollte mal ein Hingucker sein, dass man schmunzeln kann, wenn man etwas vom Friedhof mitnimmt“, sagt sie. Der sogenannte „Gottesackerhonig“ wird inzwischen regelmäßig nachgefragt – viele Kunden kommen gezielt wieder.

Mit dem Fahrrad zu den Kunden

Doch Andreas Kluge geht noch einen Schritt weiter: Er liefert seinen Honig persönlich aus – mit dem Fahrrad. Als Mitglied der bundesweiten Initiative „honigfahrrad.de“ verbindet er so zwei Leidenschaften.

„Es verbindet meine zwei Hobbys – die Imkerei und das Fahrradfahren“, sagt er. Gleichzeitig schätze er den direkten Kontakt zu den Kunden und entdecke dabei immer wieder neue Ecken der Stadt.

Rund 160 Kilogramm Honig produzieren seine Bienen jährlich. Sorten wie „Schokotraum“ oder „Sommertracht“ kosten zwischen sechs und acht Euro.

Regional, nachhaltig, transparent

Für Kundin Theresa Schmidt ist genau das entscheidend: „Hier weiß ich ganz genau, wo die Bienen wohnen, wo der Honig geerntet wird und wer den herstellt.“ Die Kombination aus Regionalität und nachhaltiger Lieferung überzeuge sie.

Für die rund 20.000 Bienen beginnt jetzt eine arbeitsreiche Zeit. Sie fliegen von Blüte zu Blüte und sammeln Nektar. Ihr Imker tut es ihnen gleich: Er bringt den Honig dorthin, wo er erwünscht ist – direkt zu den Kunden in Dresden.