Im Fußballkreis Wuppertal/Niederberg steht der Ball still – zumindest in den Kreisligen. Vom 10. bis 12. April verweigern die Schiedsrichter geschlossen ihre Einsätze. Der Grund: eine Entwicklung, die aus ihrer Sicht längst eine Grenze überschritten hat.

von Markus Becker · Heute, 11:14 Uhr · 0 Leser

– Foto: IMAGO IMAGES

Auslöser ist ein Vorfall beim Kreisliga-C-Spiel zwischen Rot-Weiß Heiligenhaus II und SSVg Velbert III. Rund 15 Minuten vor dem Abpfiff eskalierte die Partie. Ein derzeit kursierendes Video zeigt, wie mehrere Spieler auf den Schiedsrichter zustürmen und ihn körperlich attackieren. Die Begegnung wurde daraufhin abgebrochen.

Spielabsagen im gesamten Kreis

„Aus Sicht des Kreisschiedsrichterausschusses stellt das Ausmaß dieser Eskalation eine neue und bisher nicht gekannte Stufe der Gewalt gegen Schiedsrichter im Kreisgebiet da“, heißt es in einem von der WAZ zitierten Statement des Kreisschiedsricherausschusses. „Dieser Vorfall reiht sich nicht als isolierte Entgleisung ein, sondern steht exemplarisch für eine Entwicklung, in der Hemmschwellen gegenüber Schiedsrichtern kontinuierlich sinken und verbale Aggressionen immer häufiger in körperliche Übergriffe umschlagen.“

Der Schiedsrichterausschuss betont, dass es sich dabei um keinen Einzelfall handele, sondern führt dabei auch weitere Beispiele verbaler und körperlicher Gewalt der jüngeren Vergangenheit gegenüber Schiedsrichter des Kreises.

Die Folge: flächendeckender Streik. Zahlreiche Spielabsagen sind dadurch unvermeidbar. Von der Aktion erhofft sich der Schiedsrichterausschuss klare vereinsseitige Maßnahmen, um künftig Schiedsrichter vor weiteren Attacken zu schützen.

Ein Warnschuss zur rechten Zeit?

So fordert der Schiedsrichterausschuss spezifisch drei Fortschritte: Neben schärferen Konsequenzen für Täter (von Seiten der verantwortlichen Vereine) und Schulungen zur Prävention erhofft man sich eine klare Positionierung gegen Gewalt und Diskriminierung aller Funktionsträger in den Vereinen des Kreises.

Das körperliche und seelische Wohl soll für zukünftige Schiedsrichtereinsätze nicht mehr gefährdet werden: „Es darf nicht erst dann gehandelt werden, wenn der erste Schiedsrichter nach einem Angriff mit dem Krankenwagen vom Platz gefahren wird oder dauerhaft gesundheitliche Schäden davonträgt. Es darf auch nicht zu einem Normalzustand werden, dass Schiedsrichter die Sportanlagen unter Polizeischutz verlassen müssen“, erläutert der Schiedsrichterausschuss.

Es ist ein Warnschuss, der schon jetzt – auch durch das erschreckende Video – überregional für Eindruck sorgt. Es wird sich zeigen, ob die klare Haltung der Schiedsrichter auch zukünftig auf den Fußballplätzen Gehör findet.