Vor fast einem Jahr dürfte so mancher Autofahrer bei der Fahrt über die Autobahn 1 oder die Autobahn 7 südlich von Hamburg ein mulmiges Gefühl beschlichen haben. Im späten Frühling/Frühsommer warfen damals unbekannte Täter Gegenstände von Brücken auf die Autobahnen – die Polizei ermittelte zu einer Tatserie mit einem Schwerpunkt im Landkreis Harburg. Zwei Männer wurden schließlich gefasst und wegen Mordversuchs zu Freiheitsstrafen von elf und zwölf Jahren verurteilt. Das Landgericht Lüneburg sah es als erwiesen an, dass sie sich nach den Taten als Retter inszenieren wollten, um ihr Selbstwertgefühl zu steigern.
Solch hohe Strafen sollten Nachahmer abschrecken, doch ausgerechnet der Landkreis Harburg ist möglicherweise nun erneut zum Schauplatz eines derartigen Anschlags geworden. Davon geht jedenfalls die Polizeiinspektion Harburg aus. Am Freitagnachmittag (10. April) war demnach eine 49 Jahre alte Frau mit ihrem Wagen auf der A7 in Richtung Hamburg unterwegs.
Wurf von Brücke: Polizei sucht Zeugen nach mutmaßlichem Anschlag auf Frau (49)
„Als sie gegen 15 Uhr in Höhe der Anschlussstelle Evendorf auf der rechten Fahrspur unter dem Brückenbauwerk durchfuhr, nahm sie eine Bewegung von möglicherweise ein oder zwei Personen auf der Brücke wahr, unmittelbar danach prallte ein Gegenstand auf die Windschutzscheibe“, sagt Polizeihauptkommissar Jan Krüger.
Die Scheibe splitterte zwar, wurde aber nicht durchschlagen, und die Frau blieb unverletzt. Danach alarmierte sie die Polizei und fuhr von der Autobahn runter. „Beamte suchten die Brücke an der Anschlussstelle ab, konnten aber keine weiteren Feststellungen machen“, so Krüger weiter. Die Polizei suche Zeugen, die Verdächtige im Bereich der Brücke an der Anschlussstelle Evendorf gesehen haben. Sie werden gebeten, sich bei der Autobahnpolizei in Maschen unter der Telefonnummer 04105/620200 zu melden.
Im Vorjahr waren bis Anfang Juni mindestens 22 Fahrzeuge durch Würfe von Autobahnbrücken in den Landkreisen Harburg, Heidekreis, Rotenburg und Rotenburg (Wümme) beschädigt worden – dass es keine Toten oder Schwerverletzten gab, grenzt an ein Wunder. So schmissen die damals unbekannten Täter unter anderem Baustellenabsperrungen, Betonplatten, Eisenstangen und sogar einen Baumstamm von Brücken auf die Autobahnen.