Am Samstagmittag schallten Verse von Heinrich Heine über den Schadow-Platz, genauso wie Texte von Erich Kästner und Kurt Tucholsky, eine Frau las eine Passage aus Erich Maria Remarques „Im Westen nichts Neues“. Die Gemeinsamkeit der Texte, die teils nachdenklich stimmten, teils kurzweilig oder gar lustig waren: Sie wurden vor 93 Jahren von den Nationalsozialisten verbrannt. Zum Jahrestag am 11. April erinnerte die Initiative „Omas gegen Rechts“ an diese Taten.
Zwei Stunden lang lasen verschiedene Mitglieder Texte und Gedichte von Autorinnen und Autoren vor, deren Werke am 11. April 1933 auf dem Platz vor der heutigen Tonhalle verbrannt worden waren. „Zu runden Gedenktagen wie Kostenpflichtiger Inhalt vor drei Jahren zum 90. erinnern immer viele an diese Taten. Wir wollen die Erinnerung auch darüber hinaus wach halten“, sagt Christiane May, eine der Organisatorinnen. An diesem sonnigen Samstagvormittag kamen einige „Omas gegen Rechts“ zum Zuhören zusammen, immer wieder blieben auch Passanten stehen und lauschten dem ein oder anderen Text.
„Hier hören uns dann auch Menschen, die gerade einkaufen oder bei dem guten Wetter unterwegs sind“, freut sich May über den Zulauf. Sie habe bis zum Mittag vor allem positive Resonanz bekommen. „Es ist wichtig, ein Zeichen an so einem Tag zu setzen“, sagte Ulrich Mennekes, der nach eigenen Angaben regelmäßig Demos gegen Rechtsextremismus oder die Veranstaltungen der „Omas gegen Rechts“ besucht. „Das ist eine tolle Aktion und wichtig, darauf aufmerksam zu machen“, ergänzten auch zwei junge Hamburgerinnen, die zu Besuch in der Stadt waren. „Wir wussten auch noch nicht, dass die Bücherverbrennung hier eine der ersten war.“
Denn während viele der Bücherverbrennungen im Mai 1933 stattfanden und von Studentenorganisationen organisiert waren, habe in Düsseldorf die Hitlerjugend schon im April zum Verbrennen der Literatur aufgerufen. Darauf machte etwa Ute Sparschuh, eine der Mitbegründerinnen der Düsseldorfer „Omas gegen Rechts“ aufmerksam.
Der Ideologie der Nationalsozialisten folgend sollten 1933 Schriften vernichtet werden, die einem „deutschen Geist“, wie sie es nannten, widersprechen. Meist waren jüdische, liberale oder regimekritische Autoren betroffen. „Viele junge Menschen haben vielleicht mal kurz im Geschichtsunterricht davon gehört. Wir wollen dafür sorgen, dass diese Taten nicht in Vergessenheit geraten und sich solche Zeiten nicht wiederholen“, sagte Sparschuh. Sie wählte an diesem Samstag unter anderem Anti-Kriegs-Gedichte von Tucholsky. „Die sind heute wieder aktuell“, fand sie.