Im Oktober 2023 verkündete Marketing-Chef Pete Hines seinen überraschenden Abgang von Bethesda. Doch was offiziell als wohlverdienter Ruhestand verkauft wurde, entpuppt sich jetzt als Flucht vor den Folgen der Microsoft-Übernahme.

Über zwei Jahrzehnte war Pete Hines das Gesicht von Bethesda. Seit 1999 prägte er als PR-Chef maßgeblich das Image des Unternehmens, fungierte als leidenschaftlicher Erklärer hinter Hits wie „The Elder Scrolls 5: Skyrim“ oder „Fallout 4“ und galt für die Community als verlässliches Bindeglied zum Studio.

Umso überraschender kam sein Rücktritt im Oktober 2023 – ausgerechnet kurz nach dem Release des Mammutprojekts „Starfield“. Doch was damals offiziell als wohlverdienter Ruhestand und der Wunsch nach einem neuen Lebenskapitel kommuniziert wurde, war offenbar nur eine harmonische PR-Fassade.

In einem Interview brach Hines nun sein Schweigen und sprach über die wahren Gründe für seinen Abgang. Dabei offenbarte er, dass die Folgen der Microsoft-Übernahme und eine tiefe persönliche Krise die eigentlichen Ursachen für seine Entscheidung waren.

„Machtlos“ gegen die Veränderung nach der Microsoft-Übernahme

Wie Hines in der Firezide-Chat-Serie mit Kirk McKeand (via Insider Gaming) enthüllte, war sein Abschied bei Bethesda kein friedlicher Übergang, sondern vielmehr eine notwendige Flucht, um sich selbst zu schützen. So fühlte er sich unter der neuen Führung von Microsoft zunehmend machtlos, die Unternehmenskultur zu bewahren, die Bethesda einst groß gemacht hatte.

„Ich blieb dort, weil dieser Ort mich immer noch brauchte“, erklärte Hines. „Ich erreichte einfach einen Punkt, an dem mir klar wurde: Ja, er braucht mich, aber ich bin machtlos, das zu tun, was meiner Meinung nach getan werden muss, um diesen Laden ordentlich zu führen, um diese Leute zu schützen und das zu bewahren, wofür wir so hart gearbeitet haben – nämlich ein unglaublich effizienter, gut geführter Spieleentwickler und Publisher zu sein.“

So musste Hines, der Bethesda als eines der effizientesten Studios der Branche sah, mit ansehen, wie sich die Strukturen nach dem 7,5-Milliarden-Dollar-Deal im Jahr 2021 grundlegend veränderten.

Schwere Vorwürfe und eine psychische Gesundheit am Limit

Da Hines nicht länger Zeuge einer Entwicklung sein wollte, die er selbst als zerstörerisch empfand, entschied er sich schließlich dazu, Bethesda zu verlassen: „Als ich es nicht mehr schützen konnte und sah, wie es beschädigt, auseinandergebrochen und, offen gesagt, misshandelt, missbraucht – welches Wort auch immer man wählen will – wurde, sagte ich mir: Ich werde nicht hier sitzen und dabei zusehen, wie das direkt vor meinen Augen passiert.“

Laut Hines habe Bethesda unter dem Banner von Microsoft seine Identität verloren. Er wurde sogar noch deutlicher und bezeichnete das heutige Bethesda als eine Hülle früherer Tage: „Unter Microsoft ist Bethesda Game Studios nicht authentisch und nicht echt. Und das sollte für euch keine Überraschung sein.“

Sein Weg zum Abschied war jedoch nicht so leicht. Wie Hines enthüllte, war sein enger Freund und Kollege Todd Howard lange Zeit der Einzige, der über seine Pläne Bescheid wusste. Aufgrund der holprigen Entwicklung von „Starfield“ musste er seinen Posten jedoch länger halten, als er eigentlich verkraften konnte.

„Ich denke, ich habe alles getan, was ich tun konnte. Das ist nicht der Zeitpunkt, an dem ich aufhören wollte, oder die Art und Weise, wie ich es beenden wollte, aber das liegt nicht wirklich in meiner Hand“, sagte Hines weiter. „Und ab einem gewissen Punkt war meine psychische Gesundheit, um ehrlich zu sein, so erbärmlich, dass ich einfach sagte: Ich kann nicht mehr.“

Nach seinem Abgang zog sich Hines weitestgehend zurück, um seinen „echten Ruhestand“ zu genießen, ist in der Branche aber immer noch als Berater und Beobachter – unter anderem für Menschen, die mit psychischen Problemen oder Burnout zu kämpfen haben – aktiv.

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