TTS-Player überspringen↵Artikel weiterlesen
Der Zustand des THW Kiel macht ihm zu schaffen. Domagoj „Dule“ Duvnjak (37) sorgt sich um den Handball-Rekordmeister, der zum dritten Mal in Folge die Champions League zu verpassen droht. Aktuell ist es Platz 5 – mit 13 Punkten hinter dem Tabellenführer SC Magdeburg.
Was den Welthandballer von 2013 besonders stört: die fehlende Verlässlichkeit. „Ich habe das Gefühl, dass wir jede Mannschaft schlagen können – aber auch gegen jede verlieren können.“ Starke Auftritte (Magdeburg und Flensburg) stehen unerklärlichen Aussetzern (Eisenach, Gummersbach, Stuttgart) gegenüber. „Das tut mir weh, weil uns die Konstanz fehlt“, sagt Duvnjak. „Manchmal bin ich sprachlos.“
Foto: Dyn
Vor allem die Auftritte zu Hause ärgern „Dule“. „Ich habe das Gefühl, dass jede Mannschaft hierherkommt und glaubt, eine Chance zu haben. Das tut weh. Wir kommen oft schlecht ins Spiel, unsere Körpersprache, unser Einsatz und unsere Einstellung stimmen nicht.“ Gerade vor eigenem Publikum sei das inakzeptabel: „Gegen Eisenach (30:30, d.Red.) war die Halle mit 10.000 Zuschauern ausverkauft. Sie haben mehr verdient. Solche Spiele passieren bei uns zu oft.“ Der Anspruch beim THW sei ein anderer, macht Duvnjak klar: „Unsere Körpersprache und unser Auftreten auf dem Feld müssen ganz anders sein.“
Die Suche nach Gründen bleibt schwierig. „Für mich sind sie auch schwer zu erklären. Vielleicht ist es auch Angst vor dem Misserfolg.“ Klar ist für Duvnjak: „Jeder Spieler muss wissen, dass man hier mit Druck spielt. Das ist normal. Für mich ist es ein Privileg, für diesen Verein zu spielen.“

Emotionaler Leader und Antreiber! Domagoj Duvnjak (37/r.) führt den THW Kiel als Kapitän an
Foto: picture alliance/Eibner-Pressefoto
Die kleine Chance auf die Champions League lebt, doch mit solchen Gedankenspielen kann er aktuell wenig anfangen. „Ich mag diese Rechnerei nicht. Es geht um acht Spiele, und wir müssen am Sonntag gewinnen. Wir müssen von Spiel zu Spiel denken – auch wenn das wie ein Papagei klingt. Es ist die Realität. Alles andere bringt nichts. Wir müssen uns auf uns konzentrieren. Ich hoffe, dass wir es in der Europa League ins Final Four schaffen. Insgesamt wären es dann noch zwölf Spiele bis Saisonende. Wir müssen Gas geben und uns anders präsentieren als gegen Eisenach.“
Am Sonntag wartet vor über 11.000 Zuschauern in der Barclays Arena die nächste Aufgabe beim HSV Hamburg (15 Uhr, WELT TV und live bei Dyn/Anzeige). Duvnjak (von 2009 bis 2014 beim HSV): „Dieser Verein hat meine Karriere geprägt. Ich bin sehr dankbar für diese Zeit.“ Und: „Ich bin sehr froh, dass Hamburg wieder in der Bundesliga ist. Die Stadt und der Verein verdienen das. Ich hatte dort fünf wunderschöne Jahre.“

Domagoj Duvnjak kam 2009 aus Zagreb zum damaligen HSV Handball. Die Hamburger sollen eine Mio. Euro an Ablöse gezahlt haben
Foto: picture alliance/HOCH ZWEI
Sportlich wird es anspruchsvoll für den THW, davon ist Duvnjak überzeugt. Der THW-Kapitän: „Der HSV hat eine richtig gute Mannschaft und ist sehr stabil. Toto und Lac (Trainer Torsten Jansen und Blazenko Lackovic, d.Red.) machen einen richtig geilen Job.“ Viele Teams hätten dort Probleme – und Kiel vor allem mit sich selbst. Mit Hamburg gewann Duvnjak u. a. Meisterschaft und die Champions League. Von solchen Erfolgen ist er mit dem THW aktuell weit entfernt. Ein Zustand, der ihn ärgert.
