Sylvia Klaus-Schmerling steht in der Einfahrt und wartet. Es ist kurz vor zwölf, gleich kommen die Interessenten. Vor wenigen Minuten hat sie noch die letzten Spuren von Vögeln auf der Terrasse beseitigt. Luxusimmobilien, das klingt nach großen Gesten. In der Realität beginnt es manchmal mit einem Lappen und einem prüfenden Blick. Hinter ihr: eine Villa in Augsburg-Hochzoll. 2,4 Millionen Euro, sechs Zimmer, Pool, Photovoltaikanlage auf dem Dach. Ein Haus, das sich selbst versorgen kann, wie im Exposé betont wird. Dann rollt ein Auto auf das Grundstück.

Das Paar tritt ein, schaut sich um, geht langsam durch die Räume. Viel Licht, offene Architektur, hohe Decken. Klaus-Schmerling hält sich zunächst zurück und lässt wirken. Dann führt sie durchs Erdgeschoss, beantwortet Fragen. Eine zentrale kommt nach wenigen Minuten: „Wie viel Leistung hat die Photovoltaikanlage?“ Die Maklerin zeigt die rund 250 Quadratmeter Wohnfläche, öffnet Türen, lenkt den Blick. Im Obergeschoss bleibt sie kurz stehen. „Das ist der einzige Makel“, sagt sie und deutet auf ein Badezimmer. „Das alte Kinderbad ist nicht saniert.“ Kein Schönreden – das ist Klaus-Schmerling wichtig, wird sie später sagen.

Luxusimmobilien: Eine schöne Villa – aber am falschen Ort

Draußen im Garten: ein smaragdgrüner Mosaik-Pool, Outdoor-Küche, gepflegte Anlage. Ein Hausmeister war bisher auf Abruf, ein Gärtner kümmerte sich um das Grundstück. „Schönes Objekt“, sagt die Interessentin. „Innen gefällt mir alles.“ Dann blickt sie sich um. „Was mich stört, ist, dass es so einsehbar ist. Ich fühle mich unter Beobachtung.“ Ihr Partner nickt. Der Unternehmer und die Zahnärztin suchen seit zwei Jahren ein Haus. Er kommt aus Norddeutschland, sie aus dem Augsburger Umland. „Ich stelle mir ein Objekt vor, wo ich durch ein Tor fahre und Privatsphäre habe“, sagt sie. „Ich möchte zuhause keinen Kontakt zu anderen Menschen. Das habe ich zwölf Stunden im Job.“ Ihr Fazit nach einer Stunde Besichtigung ist klar: „Das tolle Haus steht für mich leider am falschen Ort.“

Es ist kein ungewöhnlicher Moment in diesem Geschäft. Häuser werden besichtigt, geprüft, verworfen – oft nicht wegen offensichtlicher Mängel, sondern wegen eines Gefühls, das sich nicht einstellt, so Klaus-Schmerling. Sie bleibt gelassen. „Anderen ist die Nähe zur Stadt wichtiger als keine Nachbarn zu haben“, sagt sie. Noch vor Ort fragt das Paar nach Alternativen und vereinbart einen Termin für eine weitere Besichtigung im Augsburger Umland.

Sylvia Klaus vermittelt seit vielen Jahren Luxusobjekte in Augsburg

Seit 1987 arbeitet Klaus-Schmerling als Maklerin, seit rund 15 Jahren ausschließlich im gehobenen Segment. „Ich würde mal behaupten, die schönsten Häuser in Augsburg und Umgebung gingen über meinen Tisch“, sagt sie und lächelt. Sie ist selbstbewusst – eine, die auch offen sagt, wenn sie einmal keine Antwort hat. Ihre Kunden sind Unternehmer, Führungskräfte, Sportler, Politiker, Menschen, die geerbt haben. Auch ehemalige Augsburgerinnen und Augsburger, die in die Heimat zurückkehren. Namen nennt sie nicht. Diskretion gehört zum Geschäft. Die Erwartungen seien hoch, wenn man so viel Geld investiert. „Es ist ein besonderes Klientel, das einer besonderen Behandlung bedarf“, betont sie. Entscheidend sei ein Gespür für Menschen. „Und: Ein gutes Netzwerk ist alles.“ Kontakte entstünden oft abseits klassischer Wege: auf Veranstaltungen, Partys, im Gespräch. Viele Häuser würden gar nicht erst öffentlich angeboten. „Sie gehen direkt an ausgewählte Interessenten.“

Bereit für die Besichtigung: Sylvia Klaus-Schmerling von Klaus Immobilien vermittelt seit vielen Jahren Immobilien – seit 15 Jahren nur noch im gehobenen Segment.

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Bereit für die Besichtigung: Sylvia Klaus-Schmerling von Klaus Immobilien vermittelt seit vielen Jahren Immobilien – seit 15 Jahren nur noch im gehobenen Segment.
Foto: Marcus Merk

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Bereit für die Besichtigung: Sylvia Klaus-Schmerling von Klaus Immobilien vermittelt seit vielen Jahren Immobilien – seit 15 Jahren nur noch im gehobenen Segment.
Foto: Marcus Merk

Der Verkauf einer Villa wie in Hochzoll ist kein Selbstläufer. Acht Interessenten hat Klaus-Schmerling bereits durch das Haus geführt. Ursprünglich lag der Preis bei 2,8 Millionen Euro, inzwischen bei 2,4 Millionen. „Nach sechs Monaten intensiver Bearbeitungszeit sollte man sich Gedanken machen und Anpassungen vornehmen“, sagt die Maklerin. Bis zu zehn Stunden Arbeit hat sie vor einer Besichtigung bereits investiert: Abstimmungen mit Eigentümern, Fotografen, Exposé. Gleichzeitig vermeidet sie große Inszenierungen. Von Formaten, bei denen Immobilien mit Partys vermarktet werden, wie 2024 etwa eine Villa in Göggingen, hält sie wenig. „Das ist eher ein Marketinggag“, sagt sie. Und überhaupt: Gerade in Augsburg wollten viele Interessentinnen und Interessenten nicht gesehen werden.

Luxus: Größe allein reicht nicht mehr

Was als Luxus gilt, habe sich verändert. Größe allein reiche nicht mehr, sagt die Maklerin. Das Haus in Hochzoll sei auch wegen seiner Technik interessant: Wärmepumpe, Photovoltaikanlage, Energiespeicher. Ein Gebäude, das unabhängig funktioniert. „Das wird vielen immer wichtiger“, sagt Klaus-Schmerling. Insgesamt steige im Augsburger Raum ihrer Beobachtung nach die Nachfrage im Luxussegment. Eine „neue Erbengeneration“ treffe auf den Markt.

Die Villa in Hochzoll steht weiter zum Verkauf. Für irgendjemanden wird sie passen. Sylvia Klaus-Schmerling ist sich da sicher.

  • Daniela de Haen

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