Abschaffung der Einspeisevergütung
Neuer Plan von Reiche trifft eine Gruppe hart
12.04.2026 – 09:08 UhrLesedauer: 2 Min.
Solarpanele auf einem Hausdach: Im Mehrfamilienhaus setzen sich Mieterstrommodelle durch. (Quelle: Sergej Glanze/imago)
Das Bundeswirtschaftsministerium plant die feste Einspeisevergütung für kleine Solaranlage abzuschaffen. Das hätte Folgen für den Ausbau von Mieterstrom.
Darin wird angezweifelt, dass sich Mieterstrommodelle für Mehrfamilienhäuser ohne Einspeisevergütung wirtschaftlich lohnen würden. Unter Mieterstrom sind Projekte zu verstehen, bei denen Solaranlagen auf die Dächer von vermieteten Mehrfamilienhäusern installiert werden. Der Vermieter (bzw. der Eigentümer der Anlagen) verkauft den daraus erzeugten Strom an die Mieter. Dieser Mieterstrom ist üblicherweise günstiger als der Strom aus dem Netz. Für Vermieter ist das Modell attraktiv, weil sie dadurch auch den Wert ihrer Immobilie erhöhen.
Werden die Pläne der Wirtschaftsministerin allerdings umgesetzt, würde der Ausbau solcher Projekte nach Einschätzung des IW zum Erliegen kommen. Damit sich Mieterstrom für Eigentümer lohnt, muss eine Rendite von vier Prozent pro Jahr sicher sein, so das IW. Bei einer Rendite von unter zwei Prozent werden Projekte in der Regel nicht umgesetzt. Dazwischen ist eine Realisierung möglich, aber hängt stark von individuellen Faktoren ab.
Mit der aktuellen Einspeisevergütung kann diese Schwelle insbesondere bei größeren Mehrfamilienhäusern (150 Wohneinheiten) erreicht werden. Aber auch für kleinere Wohngebäude (ab 30 Wohneinheiten) kann von einer Rendite von 2,8 Prozent ausgegangen werden, was für manche Eigentümer lohnenswert sein kann. Für kleinere Anlagen rechnet sich die heutige Einspeisevergütung auch schon kaum, für ein Haus mit acht Wohnheiten liegen die Renditeerwartungen bei einem Prozent.
Ohne Einspeisevergütung wird die Zwei-Prozent-Schwelle nur noch bei großen Mietshäusern erreicht, so die Ökonomen. Gebäude mit 30 oder weniger Wohnungen müssten dem IW zufolge sogar mit negativer Rendite rechnen – und würden kaum realisiert werden.
Sönke Tangermann von Green Planet Energy warnt deshalb: „Wenn die Einspeisevergütung für kleine PV‑Anlagen gestrichen wird, bricht ausgerechnet dort der Zugang zu günstigem Solarstrom weg, wo er dringend gebraucht wird – in ganz normalen Mehrfamilienhäusern. Millionen Mieterinnen und Mieter würden von der Energiewende faktisch ausgeschlossen.“ Es gebe dabei genau dort viel Potenzial, so der Ökostromanbieter: Technisch könnten heute schon bis zu 20 Millionen Wohngebäude von Mieterstrommodellen profitieren.
Eine Alternative zur Einspeisevergütung könnte die Direktvermarktung sein, so das IW. Aber auch hier schränken die Ökonomen ein, dass die Rendite spürbar gegenüber der Einspeisevergütung sinkt. Zudem ist die Direktvermarktung ein oft bürokratischer Vorgang, da ein Drittanbieter den überschüssigen Solarstrom (der von den Bewohnern nicht benutzt wird) verkaufen muss. Dieser Service kostet Geld – was die Rendite schmälert.
Eine Möglichkeit, dem zu begegnen wäre nach Ansicht des IW, den sogenannten Mieterstromzuschlag zu erhöhen. Diesen gibt es aktuell zusätzlich zur Einspeisevergütung, wenn ein Vermieter Solarstrom an seine Mieter oder an die Nachbarschaft verkauft. Er liegt aktuell bei zwischen 1,6 und 2,6 Cent pro Kilowattstunde. Die Einspeisevergütung liegt heute bei 7,78 Cent/kWh. Würden hingegen beide Förderungen wegfallen, käme die einem Ausbaustopp von PV auf Mehrfamilienhäusern gleich.
