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Uns auf Google folgenBegleitet vom Liebenauer Bürgerbus gingen drei Feuerwehrautos am Donnerstagmorgen auf die Reise in die Ukraine.Begleitet vom Liebenauer Bürgerbus gingen drei Feuerwehrautos am Donnerstagmorgen auf die Reise in die Ukraine. © Foto: Gerd Henke

Harald Munser aus Liebenau fährt mit fünf Begleitern nach Lwiw. Die drei Fahrzeuge mussten erst aufwendig repariert werden.

Liebenau/Lwiw – Harald Munser, Bürgermeister von Liebenau, bringt seit Donnerstagmorgen mit fünf Begleitern drei Feuerwehrfahrzeuge und zwölf Stromaggregate in die Ukraine. Es ist nicht das erste Mal, dass der Rathauschef das von Russland am 24. Februar 2022 überfallene Land unterstützt. Wir sprachen am Mittwochmorgen mit ihm. Munser war da gerade auf dem Weg zum Zoll in Kassel, um dort noch für vier Aggregate die Zolldeklarationen abzuholen.

Drei Feuerwehrautos für die Ukraine: Zur Abfahrt der drei Feuerwehrautos kamen Ukrainer und Deutsche aus dem Landkreis Kassel am Donnerstagmorgen vor dem Liebenauer Rathaus zusammen.Drei Feuerwehrautos für die Ukraine: Zur Abfahrt der drei Feuerwehrautos kamen Ukrainer und Deutsche aus dem Landkreis Kassel am Donnerstagmorgen vor dem Liebenauer Rathaus zusammen. © Foto: Gerd Henke

HNA: Herr Munser, Sie sind schon eine ganze Weile in der Ukraine-Hilfe aktiv.

Munser: Ja, wir versuchen schon seit Kriegsbeginn im Februar 2022 die Ukraine zu unterstützen. Wir sind zehn bis 15 Leute, die immer wieder mit ins Rad greifen und unsere Aktionen unterstützen.

HNA: Es ist ja keineswegs selbstverständlich, dass ein hauptamtlicher Bürgermeister bei der Unterstützung der Ukraine so aktiv ist. Was ist Ihr Motiv?

Munser: Es ist eine unglaubliche Tragödie, die sich im 21. Jahrhundert mitten in Europa abspielt. Da ist ein vermeintlich zivilisiertes Land, das ein anderes, nach Freiheit strebendes Land einfach überfällt und mit einem Krieg überzieht. Das damit einhergehende menschliche Leid ist unfassbar groß. Das hat mich von Anfang an tief berührt.

HNA: Auch in der Stadt Liebenau waren und sind ukrainische Flüchtlinge untergebracht. Deshalb haben Sie auch schon Kulturveranstaltungen mit organisiert.

Munser: Ich stamme aus einer sudetendeutschen Familie. Daher haben die Themen Flucht und Vertreibung für uns auch eine tiefe emotionale und familiäre Bedeutung. Und wir sehen mit Schrecken, dass sich dies nach über 70 Jahren nun wiederholt.

HNA: Zurück zu Ihrer aktuellen Aktion. Sie haben drei Feuerwehrfahrzeuge mitsamt Ausrüstung und zwölf Stromaggregate organisiert. Waren alle Autos intakt?

Munser: Nein, wir mussten Getriebe, Bremsen, Batterien erneuern und instandsetzen. So haben wir beispielsweise aus zwei alten Getrieben ein neues gemacht. Zudem mussten die Fahrzeuge auch TÜV-fertig gemacht werden. Da steckt viel ehrenamtliche Arbeit drin.

HNA: Wer hat die Autos zur Verfügung gestellt?

Munser: Das waren die Feuerwehren der Städte Hofgeismar, Liebenau und Grebenstein. Ausrüstungsgegenstände kamen außerdem von Wehren in Calden, Fuldabrück und Ahnatal sowie der Kasseler Berufsfeuerwehr.

HNA: Aber Sie haben sicherlich auch Geld- und Sachspenden erhalten.

Munser: Ja, Spender waren Kommunen, Firmen, die Kirche und eine in Liebenau noch verbliebene Präsensbank. Und natürlich auch Privatpersonen. Weil unsere Feuerwehren in der Vergangenheit schon viele Ausrüstungsgegenstände in die Ukraine abgegeben haben, ist das Material inzwischen knapper geworden. Deshalb haben wir über Internetportale noch einiges zusätzlich erstanden.

HNA: Sie wollen am Freitag in Lwiw in der Westukraine sein. An wen übergeben Sie dann das Material?

Munser: Dort erwarten uns ein Beamter des ukrainischen Innenministeriums und vermutlich drei Bürgermeisterkollegen. Die kommen aus den Regionen Saporischschja, Mykolajiw und aus Velyka Demyrka, der Großgemeinde, zu der wir schon vor zwei Jahren Beziehungen aufgebaut haben. Aufgrund der unzähligen durch Drohnen und Raketeneinschläge verursachten Brände sind die ukrainischen Feuerwehrkameraden fast unablässig im Einsatz. Wir wissen aus vielen Gesprächen, wie dringend sie einsatzfähiges Material und Fahrzeuge benötigen.

HNA: Sie haben vier Begleiter und eine Begleiterin dabei.

Munser: Wir haben Glück, dass uns Maryna Myroshnychenko begleiten kann. Als Lehrerin an der GHS in Hofgeismar hat sie noch Ferien und dient uns als Dolmetscherin. Und für die Fahrt will sie uns mit original ukrainischem Frühstück versorgen (Munser lacht). Damit wir zurückfahren können, nehmen wir den Liebenauer Bürgerbus mit.

HNA: Wir wünschen gute Fahrt und gutes Gelingen. Kommen Sie alle gut wieder zurück.

Harald Munser, 63, wurde 2015 zum hauptamtlichen Bürgermeister der Stadt Liebenau gewählt. Bei der Direktwahl 2021 wurde er im Amt bestätigt. Vor seiner Zeit als Bürgermeister war Harald Munser als Flugzeugbauingenieur bei Airbus tätig. Munser ist verheiratet und hat zwei erwachsene Kinder.