Christoph Sieber steht seit ziemlich genau 30 Jahren auf den Kleinkunstbühnen der Republik. In Kaarst trat er schon sehr früh auf und begeisterte sein Publikum. Am Samstag war es wieder so weit: Im Albert-Einstein-Forum stellte Sieber sein neues Programm „Weitermachen!“ vor. Das Publikum zeigte seine Sympathie dem Wahl-Kölner gegenüber, indem es für eine ausverkaufte Veranstaltung sorgte.

Sieber sprach von einer desolaten Lage. Er meine nicht nur gefährliche Irre wie Putin oder Trump, sondern auch die aktuelle Bundesregierung. „Die Wehrpflicht ist frei, außer du willst nicht – dann musst du“, erklärte er und stellte sich vor, wie Verteidigungsminister Boris Pistorius in einer Art Lotterie die Ziehung der Soldaten vornimmt – ohne Gewehr.

Auch der „gesunde Menschenverstand“ kam bei Sieber nicht gut weg: „Was nutzt ein Gehirn, das vor einer Tüte Gummibärchen einknickt?“, fragte er das Publikum. Praktische Intelligenz, die brauche es und die findet Sieber auf dem Land: Dort beherrsche man die Hausgeburt ebenso wie die Hausschlachtung, und die schlaue Inge sei so etwas wie Google im Dorf.

Die neuen Medien, denen die Menschen einen Großteil ihrer Zeit schenken, wurden von Christoph Sieber hart attackiert. Was er sich wünscht: „Eine App, die erkennt, ob noch alle Tassen im Schrank sind.“ Die Profiteure der neuen Medien, längst Milliardäre, hätten sich die Demokratie in den USA bereits unter den Nagel gerissen.

Sieber, der auch Pantomime an der Folkwang Hochschule in Essen studiert und als Schauspieler auf der Bühne gestanden hatte, bewies bei all dem immer wieder seine enorme Spielfreude. Das wurde besonders deutlich, als er in die Rolle des Bäckermeisters schlüpfte, der mit seinem kleinen Betrieb so bedeutsam werden möchte wie Musk oder Zuckerberg. Oder als er die Kuriositäten des Alltags entlarvte. Wie diese: „Sarg, unbenutzt, wegen falscher Diagnose abzugeben.“

Der Verlierer der Evolution sind für ihn eindeutig die Männer. Mehr noch: Es stelle sich die Frage, ob der Mann nicht gar zum Problem geworden ist. Und: Sind Trump, Putin und Konsorten wirklich „starke Männer“? Der Kabarettist verneinte das entschieden. Starke Menschen sind für ihn diejenigen, die den ganzen Tag über in Altenheimen, Psychiatrien oder sonst wo hart arbeiten, ohne daran zu zerbrechen. Seine Schreckensvision: Er sieht alte Menschen, denen wir unseren Wohlstand zu verdanken haben, mit vollen Windeln über die Flure der Heime gehen und er sieht, dass ihnen niemand die Windeln wechseln kann. Eine Mahnung, Rechtsradikalen nicht auf den Leim zu gehen, durfte nicht fehlen, auch wenn er den Frust vieler Menschen verstehen könne.