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Die Wette auf Elektromobilität hat Autokonzerne fast 60 Milliarden Euro gekostet. Laut EY brach der Gesamtgewinn 2025 um 59 Prozent ein. Besonders hart trifft es deutsche Hersteller.
München – Die Wette auf die Elektromobilität und Elektroautos hat die Automobilindustrie fast 60 Milliarden Euro gekostet: Abschreibungen auf Batteriefabriken, Entwicklungsprojekte und Modellreihen in Europa und den USA haben sich laut einer am Sonntag veröffentlichten Analyse der Wirtschaftsberatung EY zu einer milliardenschweren Last aufgetürmt. Der Gesamtgewinn der 19 führenden Autokonzerne weltweit brach 2025 um 59 Prozent ein.
„Die Autoindustrie steckt in einer tiefen, für einige Unternehmen sogar potenziell existenzbedrohenden Krise“, bilanzierte EY-Experte Constantin Gall. Als Hauptursache nennt er falsche Prognosen: „Viele Konzerne hatten ihre Investitionen auf wachsende Absatzmärkte und einen dynamischen Hochlauf der Elektromobilität ausgerichtet. Tatsächlich entwickelt sich die Nachfrage nach E-Autos insbesondere in den USA und Europa deutlich schwächer als prognostiziert.“
Eine gebrauchte Hochvoltbatterie aus einem zerlegten VW ID.3 liegt während der Vorstellung der Recycling-Strategie im VW-Werk. © Jan Woitas/dpa„Potenziell existenzbedrohende Krise“: EY-Analyse enthüllt das Ausmaß des E-Auto-Debakels
Hinzu kam der Druck durch die US-Zollpolitik, die laut EY zu zusätzlichen Milliardenbelastungen führte. Während der Gesamtumsatz der 19 analysierten Konzerne noch leicht um 0,6 Prozent zulegte, gerieten die deutschen Hersteller besonders unter Druck: Ihr Umsatz schrumpfte um 4,1 Prozent, der Neuwagenabsatz um zwei Prozent – eine schwächere Entwicklung als bei der Mehrheit der anderen Konzerne. An der Spitze der Profitabilitätsliste standen 2025 Suzuki mit einer Gewinnmarge von 9,7 Prozent und Toyota mit 8,5 Prozent, gefolgt von Kia (8,0 Prozent) und BMW (7,6 Prozent).
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Klare Gewinner der Krise sind die chinesischen Hersteller. BYD, Geely und Great Wall Motors bauten Absatz und Umsatz deutlich aus. Geely war dabei der einzige der 19 Konzerne, dem es 2025 gelang, auch den Gewinn zu steigern. Die Branche reagiert nun mit einem Strategieschwenk – den Gall aber ausdrücklich nicht als Abkehr von der Elektromobilität verstanden wissen will, sondern als „eine Korrektur völlig überzogener Annahmen“.
Auf Erholung sollte die Branche vorerst nicht hoffen, warnt Gall. Für das laufende Jahr rechnet er nicht mit einer spürbaren Belebung der Neuwagennachfrage in Europa. „Die instabile politische Weltlage, steigende Energiepreise und eine höhere Inflation sind Gift für die Autokonjunktur“, erklärte er. Auch der Gedanke, hohe Spritpreise könnten einen Schub für Elektroautos bringen, greife zu kurz: „Der eine oder andere Autokäufer wird sich nun doch eher für das Elektroauto entscheiden – einen echten Boom wird es aber nicht geben.“ Viele Menschen würden angesichts sinkender verfügbarer Einkommen und trüber Konjunkturaussichten den Kauf eines neuen Wagens schlicht aufschieben und ihr altes Fahrzeug länger behalten. (Verwendete Quelle: AFP)