Im Prozess gegen sieben mutmaßliche Linksextremisten am Oberlandesgericht Dresden hat einer der wichtigsten Zeugen der Anklage mit seiner Aussage begonnen. Bis August sind zehn Verhandlungstage für die Vernehmung des 33-Jährigen vorgesehen. Er war selbst Anhänger der sogenannten Antifa-Ost-Gruppe und wurde 2023 zu einer Bewährungsstrafe verurteilt. Im ersten Verfahren gegen die linksextremistische Gruppe um Lina E. hatte er ebenfalls als „Kronzeuge“ ausgesagt.
Ausspioniert und mittrainiert
Bei seinem Auftritt im laufenden Prozess am Mittwoch schilderte der Mann die Umstände einer Attacke auf einen Anhänger der rechten Szene im Dezember 2019. An dem Überfall war der Zeuge selbst beteiligt. Demnach fuhr er den Mitangeklagten Johann G. mit seinem Auto zum Tatort in Eisenach und setzte ihn bei der Gruppe ab, die den Angriff später durchführte. Danach spionierte der Mann das Opfer aus, übermittelte seine Beobachtungen telefonisch und fuhr dann weg. Der Zeuge schilderte auch Trainings, bei denen geübt worden sei, mutmaßliche Neonazis in Überzahl blitzschnell zu attackieren und zu verletzen.
Sonderbewachung wegen hoher Gefährdung
Der „Kronzeuge“ hatte sich nach MDR-Informationen 2022 auf Betreiben des Bundesverfassungsschutzes zur Zusammenarbeit mit dem Landeskriminalamt Sachsen (LKA) und weiteren Ermittlungsbehörden bereit erklärt. Seitdem steht der 33-Jährige unter Zeugenschutz. Entsprechend hoch ist der Sicherheitsaufwand bei seinen Auftritten am Oberlandesgericht in Dresden. Wie MDR-Beobachter berichteten, waren am Mittwoch zusätzliche Beamte vom Zeugenschutzprogramm mit im Gerichtssaal – vermummt und bewaffnet.
Verteidigung sieht sich benachteiligt
Die Vernehmung des Mannes begann mit mehrstündiger Verspätung, weil die Verteidiger zunächst viele Einwände geltend machten. Sie kritisierten unter anderem, dass sie bei der Befragung erst zum Schluss zum Zuge kommen sollen, um dann bei Themen nachzuhaken, die schon zum Auftakt zur Sprache kamen. Das Gericht wies jedoch alle Anträge ab.
Zweiter Antifa-Ost-Prozess
In dem seit November 2025 laufenden Prozess wird sechs mutmaßlichen Linksextremisten vorgeworfen, über Jahre hinweg gewaltsame Angriffe gegen Personen aus der rechtsextremen Szene verübt zu haben. Der siebente Angeklagte war laut Anklage ein Unterstützer. Im Mittelpunkt des Verfahrens steht Johann G. Ihm wird eine hervorgehobene Stellung in der Gruppierung zugeschrieben – zusammen mit Lina E. Sie und drei weitere Antifa-Ost-Mitglieder waren bereits 2023 zu Haftstrafen verurteilt worden.