
AUDIO: Dokumentarfilmwoche Hamburg: Zweifel als Programm (4 Min)
Stand: 12.04.2026 11:59 Uhr
Dokus mit Widersprüchen und Reibung: Die Dokumentarfilmwoche Hamburg beginnt am Dienstag und zeigt bis Sonntag rund 50 Filme und Veranstaltungen in mehreren Hamburger Kinos – im Metropolis, im 3001 Kino, im B-Movie und in den Fux Lichtspielen.
Seit mehr als 20 Jahren geht es bei der Dokumentarfilmwoche Hamburg um Bilder, die nicht einfach nur Wirklichkeit zeigen, sondern diese auch infrage stellen. „Wir suchen in den Filmen immer nach der Frage: Was lässt sich überhaupt über die Welt sagen? Und der Dokumentarfilm lässt Zweifel zu an dem, was sich sagen lässt“, sagt Anton Böhm aus dem Festival-Kollektiv.
„Wollen dem Bild von Dokus und Reportagen etwas entgegensetzen“
Und genau dieser Zweifel ist in Hamburg Programm: Das Festival versteht Dokumentarfilm nicht als bebilderte Erklärung der Welt, sondern als offene Form, die Widersprüche und Reibung aushält. Für Kuratorin Anna Fiehn ist genau das zentral: „Die Bandbreite der Filme ist sehr wichtig für uns. Wir wollen dem Bild von Dokus und Reportagen etwas entgegensetzen – und zeigen, dass der Dokumentarfilm eine ganz eigene Kunstform ist, die sehr künstlerisch intervenieren kann.“
Diese Bandbreite beginnt gleich zum Auftakt mit dem Eröffnungsfilm „The Vanishing Point“ – über Exil, Schweigen und den feministischen Widerstand im Iran. „Die Idee war, etwas Herausforderndes an den Anfang zu setzen“, so Festivalmacher Böhm. „Der Film liefert dabei keine klaren Antworten, sondern stellt eher eine Kontinuität in den letzten 20 Jahren des feministischen Widerstands im Iran dar.“
Norddeutsche Dokus in der Sektion Dokland Hamburg
Neben internationalen Arbeiten schaut das Festival aber auch sehr genau auf die norddeutsche Dokumentarfilmszene. Für die Sektion Dokland Hamburg sichtet das Festival-Team jedes Jahr rund 50 Einreichungen. Einer der ausgewählten Filme ist „Hinterlegte Nummern“. Im Zentrum: Mitschnitte von Telefongesprächen zwischen Inhaftierten der Sozialtherapeutischen Anstalt Hamburg und ihren Angehörigen. Solche sehr intimen Arbeiten stehen im Programm neben radikalen, politischen und filmhistorisch wichtigen Positionen.
Retrospektive für Regisseur Hara Kazuo
Einer der besonderen Gäste in diesem Jahr ist der japanische Regisseur Hara Kazuo, dem eine eigene Retrospektive gewidmet ist. Seine Filme gelten als kompromisslos: Hara beobachtet nicht nur, sondern geht mit seiner Kamera oft mitten hinein in politische Konflikte, private Eskalationen und gesellschaftliche Reibungen.
Berühmt wurde der Filmemacher unter anderem mit „The Emperor’s Naked Army Marches On“, der auch in Hamburg gezeigt wird. In dem Dokumentarfilm werden ehemalige japanische Soldaten mit der verdrängten Kriegsvergangenheit konfrontiert. „Das ist einfach ein sehr besonderes Filmemachen, weil er immer sehr unabhängig, eigenständig und widerspenstig gearbeitet hat“, sagt Böhm über die Arbeit des Japaners.
Nach dem Abspann geht es weiter
Und genau darum geht es der Dokumentarfilmwoche Hamburg insgesamt: um Filme, die nicht glatt sind – und um Gespräche, die nach dem Abspann nicht sofort enden. „Bei der Dokumentarfilmwoche ist der Austausch sehr wichtig“, erklärt Kuratorin Fiehn. „Wir zeigen nicht nur die Filme im Kino, sondern wir haben auch sehr viele Filmschaffende zu Gast. Neben den Gesprächen nach den Filmen gibt es viele Möglichkeiten, weiter im Diskurs zu bleiben und sich auszutauschen.“

Dokumentarfilmwoche Hamburg: Zweifel als Programm
Das Filmfestival beginnt am Dienstag und zeigt bis Sonntag rund 50 Filme und Veranstaltungen in mehreren Hamburger Kinos.
- Datum:
- 14.04.2026, 16:00 Uhr
- Ende:
- 19.04.2026
- E-Mail:
- info@dokfilmwoche.com