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Wuppertal (NRW) – Sein Angebot hat sich inzwischen herumgesprochen: Restaurantbesitzer Ahmad Daoud (47) lädt Gäste in sein Restaurant – auch, wenn sie erst später oder gar nicht bezahlen können. „Bei mir isst jeder bedürftige Mensch umsonst“, sagt Daoud zu BILD. „Ich tue das aus Menschlichkeit. Wenn ich sehe, dass Menschen in einem Land wie Deutschland Hunger haben, macht mich das traurig. Das darf nicht sein.“

Immer wieder merkt Ahmad Daoud: Die Scham ist groß – und doch wird das Angebot täglich genutzt. Drei bis fünf bedürftige Menschen bewirtet er jeden Tag in seinem Restaurant. Damit sie sich aussuchen können, was ihnen schmeckt, gibt es eine Speisekarte ohne Preise. Jeder soll satt werden, ohne aufs Geld zu schauen.

„Ahmad ist die gute Seele von Wuppertal“

Das syrisch-libanesische Restaurant „Al Moudyaf“ in der Wuppertaler Innenstadt ist gut besucht, als Stephan (51) aus der Kälte in den Gastraum kommt. Er ist einer, der das Angebot nutzt. Leise schleicht er zwischen den Tischen bis zur offenen Küche, bestellt Hühnchen und Reis.

Ahmad Daoud unterhält sich mit Stephan. Dem Restaurantbesitzer reichen die Gespräche, um zu erkennen, dass er nicht betrogen wird

Ahmad Daoud unterhält sich mit Stephan. Dem Restaurantbesitzer reichen die Gespräche, um zu erkennen, dass er nicht betrogen wird

Foto: ALEX TALASH

„Ahmad ist die gute Seele von Wuppertal“, sagt Stephan zu den BILD-Reportern. Nach 26 Jahren in derselben Firma verlor er zuerst den Job – und schließlich den Halt im Leben. Seitdem lebt er auf der Straße. Ahmad Daoud gibt ihm täglich Hoffnung und ein warmes Essen: „Das gibt es nirgendwo sonst, dass man ins Restaurant geht und essen kann, auch wenn man kein Geld hat.“

Vom Geflüchteten zum Restaurant-Chef

Ahmad Daoud kennt das Gefühl, nichts zu besitzen. Er kennt Hunger und Angst. 2015 flüchtete er mit Frau und Kindern aus Syrien. Mit dem Schlauchboot über das Mittelmeer, mit Bus und Zug über die Balkan-Route, bis die Familie auf dem staubigen Boden einer stickigen Lkw-Ladefläche Deutschland erreicht. „Mein Ziel war Norwegen“, erzählt Daoud. „Aber die Polizei hat uns bei Passau erwischt.“ Über Umwege kommt er nach Wuppertal (NRW) und bleibt.

Das Restaurant in der Wuppertaler Innenstadt ist jeden Tag gut besucht

Das Restaurant in der Wuppertaler Innenstadt ist jeden Tag gut besucht

Foto: ALEX TALASH

Anderthalb Jahre durfte er nicht arbeiten. Ahmad Daoud besuchte Sprachkurse und verfolgte zielstrebig den Traum vom eigenen Restaurant. Heute beschäftigt er zwanzig Angestellte. Für ihn seien die Gratis-Mahlzeiten kein Verlust. „Wir können alle in so eine Situation kommen“, sagt Ahmad Daoud zum Abschied. „Mittlerweile gibt es Gäste, die spenden wollen, um meine Aktion zu unterstützen. Ich finde das schön. Stellt euch vor, dass jeder etwas macht. Dann muss niemand in diesem Land hungrig ins Bett.“

Ahmad Daoud kocht in seinem Restaurant syrische und libanesische Spezialitäten

Ahmad Daoud kocht in seinem Restaurant syrische und libanesische Spezialitäten

Foto: ALEX TALASH