Mit der neuen digitalen Ausweis-Brieftasche „Eudi Wallet“ der EU sollen sich Unionsbürger künftig überall per Smartphone ausweisen können. Dresden wird zur Pilotkommune in Deutschland. Foto: Heiko Weckbrodt
Bitkom-Umfrage: Eudi-Wallet ist in Deutschland noch fast unbekannt
Berlin, 13.04.26. Bald wird sie europaweit ein Pflichtangebot, doch nur wenige in Deutschland hat bisher von ihr gehört: Ab 2027 soll die „Eudi-Wallet“ zu DER digitalen Standard-Brieftasche im EU-Raum werden, Unionsbürger sollen sich damit überall ausweisen können. Aber nur fünf Prozent der Deutschen können einigermaßen klar erklären, was das ist. Weitere 20 Prozent kennen die „Eudi-Wallet“ im Grundsatz. Aber 52 Prozent sagen, sie haben von dem europäischen Projekt noch nie etwas gehört. Das hat eine Bitkom-Umfrage unter 1004 Menschen in Deutschland ergeben.
Ralf Wintergerst. Foto: Bitkom
„Die EUDI-Wallet ist eine der bedeutendsten Innovationen dieser Jahre.“
Bitkom-Präsident Ralf Wintergerst
Aufklärungskampagne gefordert
Der deutsche Digitalverband aus Berlin fordert daher eine Info-Offensive vom Staat: „Die Eudi-Wallet ist eine der bedeutendsten Innovationen dieser Jahre – eine sichere digitale Identität für alle Europäerinnen und Europäer“, betont Bitkom-Präsident Ralf Wintergerst. „Die Eudi-Wallet sollte zum Standard werden und dafür brauchen wir jetzt eine breite Aufklärungskampagne.“
Ab 2027 soll Eudi-Wallet in der ganzen EU nutzbar sein
Einführen will der Bund die neue digitale Brieftasche in den kommenden Monaten als Pilotprojekt in Dresden. Ab 2027 muss Deutschland dann jedem, der es möchte, eine entsprechende App fürs Mobiltelefon verfügbar machen. Behörden sind dann EU-weit auch verpflichtet, mindestens die Ausweisfunktion der Eudi-Wallet zu akzeptieren. Einstecken kann man darin beispielsweise Personalausweis und Führerschein in digitaler Form. Die Pilotstadt Dresden will gleich weiter gehen und unter anderem Ehrenamts-Karte, die Sozialermäßigungen über den „Dresden-Pass“ und weitere Dokumente über die – zunächst staatlich bereitgestellte – Smartphone-Wallet nutzbar machen. Außerdem sollen Bürger diese Ausweise auch übers Handy beantragen können, die Bescheide sollen dann gleich automatisiert in die Wallet einfließen.
Jan Pratzka. Foto: Heiko Weckbrodt
Zu umständlich: Frühere ID-Versuche wie DE-Mail scheiterten
„Damit wird eine leistungsfähige, sichere und dennoch bequeme Infrastruktur für ganz viele digitale Vorgänge aufs Handy gebracht“, kündigt der Dresdner Wirtschaftsbürgermeister Jan Pratzka (CDU) an. Die Eudi-Wallet hat laut Einschätzung des Dresdner IT-Eigenbetriebschefs Michael Breidung daher auch bessere Chancen, sich breit als digitaler Ausweis, Identifikation und Bezahlmittel durchzusetzen, als seinerzeit etwa die DE-Mail, die „nicht so richtig zur Lebenswirklichkeit der Menschen gepasst“ habe.
Private Anbieter wollen Eudi-Wallet auch nutzen
Nach der staatlichen Eudi-Wallet sollen auch private Anbieter ihre Wallet für diesen EU-Standard zertifizieren und anbieten können. Und: „Mehr als 100 Unternehmen haben sich einem gemeinsamen ,Memorandum of Understanding’ des Bundesministeriums für Digitales und Staatsmodernisierung und Bitkom angeschlossen und wollen rasch Anwendungen auf Basis der Eudi-Wallet anbieten“, kündigt der Bitkom an.
Starke Nutzung im Banksektor und in der Internetwirtschaft absehbar
Besonders stark dürfte das Interesse an der Eudi-Wallet im Internet-Handel, bei Direktbanken und bei Anbietern von erotischen Seiten ausfallen: Umstrittene und letztlich auch kostenverursachende Identifikationsmethoden könnten dann durch eine wohl recht sichere, datensparsame und für die Nutzer bequeme Alternative ersetzt werden. Denn die Eudi-Wallet soll nur so viel von den in ihr gespeicherten Personendaten preisgeben, wie für den konkreten Einsatzzweck – etwa eine Online-Kontoeröffnung – nötig ist, aber eben genug, damit das Ganze rechtssicher wird.
Autor: Heiko Weckbrodt
Quellen: Bitkom, Oiger-Archiv, Bundesdigitalministerium

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