„Tennis ist für alte Knaben eine von den schönsten Gaben“, möchte man in Anlehnung an Wilhelm Busch über eine Spielgemeinschaft von ehemaligen Bankern sagen, die sich seit 1974 regelmäßig treffen, um das Racket zu schwingen und die gelbe Filzkugel möglichst so über das stets störende Netz in der anderen Hälfte zu platzieren, dass der Gegner sie nicht erreicht.
Es begann mit einer weisen Entscheidung des Vorstandes der längst verblichenen Dresdner Bank: Der wünschte sich, dass sich die weiblichen und männlichen Angestellten fit und damit auch leistungsfähig halten sollten. Das wollte man sich auch etwas kosten lassen und unterstützte die vielfältige Körperertüchtigung auch finanziell. Wolfgang Luchtenberg (inzwischen 81 Jahre alt) war damals im Filialbereich Wuppertal/Remscheid dazu ausersehen, die Aktivitäten in die richtigen Bahnen zu lenken.
„Fußball, Leichtathletik und Schwimmen waren damals die gängigsten Sportarten“, so Luchtenberg über die rund 200 bergischen Sport treibenden Angestellten des damals zweitgrößten privaten Geldinstitutes in Deutschland. Wobei auch bundesweite Wettbewerbe ausgerichtet wurden, für die sich die Besten pro Filialbereich in jeder Sportart qualifizierten.
Noch mehr als ein Jahrzehnt vor dem 1985 durch Boris Becker und Steffi Graf ausgelösten Tennisboom gab es unter den Bankern aber auch Tennisfreunde, die Wolfgang Luchtenberg, der damals keinerlei innere Beziehung zum weißen Sport hatte, beknieten, doch auch Tennis in den Kreis der betriebenen Sportarten aufzunehmen.
Zunächst wurde
in Löhrerlen gespielt
Der „Sportpapst“ der Dresdner Bank mietete daraufhin unter tatkräftiger Mithilfe eines einflussreichen Kunden in Löhrerlen in Nächstebreck am Freitagnachmittag von 17 bis 19 Uhr eine Tennishalle, in der sich damals zehn bis 15 Tennis-Cracks tummelten. Unter ihnen auch Aktive, die in der ersten deutschen Tennishalle an der Friedrich-Ebert-Straße (heute das Gym des Boxers Werner Kreiskott) Hallenerfahrungen gesammelt hatten.
„Wir haben damals nur in der Halle gespielt“, erklärt Luchtenberg. Er engagierte damals für die lernbegierigen Anfänger in der Tennisrunde mit seinem Freund und Trainerscheininhaber Jürgen Volter einen Übungsleiter, der heute noch mit mittlerweile 81 Jahren seine einstigen Eleven um sich sammelt.
Zu denen, die damals zum Schläger griffen, gehörte auch der wissbegierige Wolfgang Luchtenberg, für den es eine Art „Liebe-auf-den-ersten-Blick-Erlebnis“ gab. „Es war wie eine Infektion für mich“, so der spätere Bankdirektor, der auch ein gewisses Geschick darin entwickelte, dem Ball die von ihm gewünschte Richtung zu geben. Er machte aus seiner neuen Begeisterung keinen Hehl und trug mit dazu bei, dass die Tennissparte wuchs und wuchs, noch bevor Boris und Steffi in Wimbledon triumphierten.
Zehn Jahre die Geschicke des
TC Blau-Weiß Ronsdorf geleitet
Luchtenberg selbst entschied sich dann, auch einem Verein beizutreten, nämlich dem 2026 ein Jahrhundert alten TC Blau-Weiß Ronsdorf. Hier beließ er es nicht dabei, Aufschlag, Return, Rückhand und Vorhand zu üben, sondern engagierte sich auch in der Vereinsarbeit, indem er insgesamt zehn Jahre den TC Blau-Weiß als Vorsitzender führte. Dazu gehörte aber auch die Gründung einer Tennisrunde aus sportlichen Bankern, die heute noch existiert und in jeder Woche immer am Freitagnachmittag mit Ehrgeiz um Spiel, Satz und Sieg kämpft, manchmal aber auch nur spielt.
Stress im Beruf bescherte Luchtenberg in den 1980er Jahren eine schwere Erkrankung, die zur Unterbrechung seiner sportlichen Aktivitäten führte, ihm aber auch bei Wiederaufnahme des Spiels in der Halle und auf dem Freiplatz bei der Reha half. Ulrich Endemann, Rainer Land, Günter Klapp und Heinrich Lötters sowie einige Seiteneinsteiger treffen sich regelmäßig mit dem 81 Jahre alten Gründer und weisen zusammen ein Durchschnittsalter von 72 Jahren auf.
Längst geht die Verbundenheit weit über die Abgrenzungen der Tennisplätze hinaus: Fröhliche Skatrunden, gemeinsame Reisen und gemütliche Treffen mit den Ehefrauen, von denen eine inzwischen Witwe eines Mitbegründers geworden ist, zeigen, dass sich aus dem Individualsport Tennis auch eine intakte Gemeinschaft entwickeln kann.