In seiner österlichen Probenwoche erarbeitete des Schwäbische Jugendsinfonieorchester (SJSO) ein Programm mit zwei Raritäten und einer berühmten Komposition, das mit einer exotischen Note aufwartete. Unter der Leitung von Carolin Nordmeyer gab es zum konzertanten Abschluss im Augsburger Kongress am Park Werke von Lili Boulanger, Reinhold Glière und Nikolai Rimski-Korsakow zu hören. Es war ein „Klang des Lebens“ betiteltes Panorama, eine Reise von West nach Ost. Das Publikum feierte den musikalischen Nachwuchs für seine orchestralen wie solistischen Leistungen.

Dramaturgisch geschickt steigerte sich dieses Abenteuer in der Länge der Werke. Es begann im Westen Europas. Lili Boulanger (1893 – 1918), die früh verstorbene jüngere Schwester der etwas berühmteren Nadja Boulanger, wurde dem schwäbischen Publikum mit der Miniatur „D‘un matin de printemps“ vorgestellt. Diese an den impressionistischen Zauber eines Claude Debussy gemahnende Huldigung an einen Frühlingsmorgen ist ein zwischen Farbschleiern und geschliffenen Rhythmuselementen fein changierendes Kunstwerk, dem es trotz aller Kürze nicht an ausdrucksstarker Effizienz fehlt.

Ein Konzert, das an Wald-Idyllen erinnert

Da schien Lili Boulanger mit ihrer kühnen Klangsprache schon weiter als der in Kiew geborene Reinhold Glière (1875 – 1956). Der Neoromantiker, der es in der Sowjetunion zu Ruhm und Erfolg brachte, pflegte einen traditionellen Stil. Sein Konzert für Horn und Orchester bedient mit kompositorischer Souveränität die romantische Aura, die das Instrument umgibt. Es scheint die Wald-Idyllen von Humperdincks „Hänsel und Gretel“ zu beschwören, wenn man, besonders im Andante von Glières dreisätzigem Werk, geheimnisvollen Echopassagen nachlauscht. Die freundlichen Marschklänge des ersten Satzes, die Verflechtungen mit Choral-Sequenzen im Finale sind transparent gefügt. Dies zelebrierte der Solist Jonas Gira mit geschmeidiger Virtuosität wie gesanglicher Pracht. Gira, 2001 geboren in Illertissen und seit 2023 Solist im SWR-Symphonie-Orchester, hatte, wie so viele andere erfolgreiche Musiker auch, seine ersten Orchestererfahrungen im Schwäbischen Jugend-Sinfonieorchester.

Nach der Pause ereignete sich der Höhepunkt. „Scheherazade“ von Nikolai Rimski-Kosakow (1844 – 1908) ist ein musikalisches Abenteuer in jeder Beziehung. Der in der Seefahrt Ausgebildete unternahm als junger aufstrebender Komponist eine Weltumseglung, und was er dabei an gewaltiger Natur, aber auch an kulturellen Eindrücken aufsaugte, bis er wieder in St. Petersburg anlegte, schlug sich in dieser fantastischen musikalischen Märchenerzählung nieder. Die äußere Rahmenhandlung erzählt vom Sultan, der, überzeugt von der Untreue der Frauen, beschließt, jede seiner Frauen nach der ersten Nacht töten zu lassen. Doch Scheherazade hält ihn mit Märchen aus tausend und einer Nacht und ihren spannungsvollen „Cliffhangern“ solange hin, bis der grausame Herrscher weich wird.

Wenn Scheherazade ihre Soloauftritte hat

Rimski-Korsakows fünfteilige Orchestersuite durchmisst einen musikalischen Raum, der von Farben, Rhythmen, Kontrasten in allen Extremen nur so strotzt, Die Partitur dieses Zauberers der Instrumentierung mit den zwei- bis vierfachen Holz- und Blechbläsern, Harfe, einer Schlagwerkbatterie und dem hier üppig besetzen Streicherkörper wurde von Carolin Nordmeyer und ihren Orchester mit hinreißender Leuchtkraft und Präzision realisiert. Die berühmten Soli der Scheherazade spielte Konzertmeisterin Floriane Haslach mit gelöster Souveränität und wunderbarem Ausdruck. Das Publikum brach am Ende in begeistertem Jubel aus. 

  • Manfred Engelhardt

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  • Jugendsinfonieorchester

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  • Carolin Nordmeyer

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