
Stand: 13.04.2026 18:39 Uhr
Der Verein „Integrationsarbeit Kronsberg“ aus Hannover steht vor der Pleite – trotz Millionenförderung. Wie konnte das passieren? Ein Insolvenzverwalter prüft – die CDU fordert Aufklärung.
Der Verein sollte Menschen mit Migrationshintergrund helfen. Dafür hatte der Verein mehr als eine Million Euro Fördergelder in den vergangenen Jahren bekommen. Über den Bund aus dem Asyl-, Migrations- und Integrationsfonds (AMIF) wurden etwa Zuwendungen in Höhe von mehr als 924.000 Euro für ein Café-Projekt gezahlt. Außerdem flossen über 350.000 Euro von Land Niedersachsen. Auch die Region Hannover bewilligte knapp 9.000 Euro. Was ist dem Geld geschehen? Das versucht gerade ein vorläufiger Insolvenzverwalter herauszufinden. Dieser ist seit Ende März dabei, die Geldeingänge und -ausgänge zu prüfen, sagte ein Sprecher des Amtsgerichts Hannover dem NDR Niedersachsen. Das könne mehrere Monate dauern. Zuerst hatte das Politikjournal Rundblick Niedersachsen berichtet. Im vergangenen September hatte bereits die AfD Bundestagsfraktion eine Anfrage dazu gestellt.
Wo sind die Gelder hin? SPD-Ratsfrau im Fokus
Im Fokus steht die ehemalige SPD-Ratsfrau aus Hannover, Hülya Iri. Sie hatte 2019 den Verein „Integrationsarbeit Kronsberg“ gegründet. Vor ein paar Jahren hatte der Stadtteil wegen gewalttätiger Jugendgruppen Schlagzeilen gemacht. Das Ziel des Vereins war es damals, Migrantinnen und Migranten zu beraten und beim Einstieg ins Berufsleben zu unterstützen. Nicht wenige im Stadtteil stellen sich aber die Frage: Ist das wirklich so passiert? Ehrenamtliche Flüchtlingshelfer und Nachbarn berichten dem NDR Niedersachsen von meist geschlossenen Türen in dem Büro am Kronsberg. Menschen habe man dort selten gesehen. Auch eine Anlaufstelle im Internet oder in den gängigen Social-Media-Kanälen gibt es nicht. Viele fragen sich daher, wofür die Gelder eigentlich verwendet wurden.
CDU in Hannover fordert Aufklärung
Die CDU in Hannover verlangt Klarheit. Vor allem müsse geklärt werden, ob Vereinsprojekte überhaupt stattgefunden haben, wie die Fördergelder eingesetzt wurden, teilte die Kreisvorsitzende Martina Machulla mit. Zudem müsse geprüft werden, ob Kontrollmechanismen funktioniert haben. Das Landessozialamt untersucht nach eigenen Angaben gerade, ob es eine unzulässige Doppel-Förderung geben könnte. In den vergangenen Monaten waren bei der Staatsanwaltschaft Hannover fünf anonyme Anzeigen zu angeblichen „finanziellen Ungereimtheiten“ eingegangen. Die Staatsanwaltschaft ermittelt derzeit aber nicht: Es bestehe kein Anfangsverdacht einer Straftat, sagt ein Sprecher. Laut Vereinsregister wird der Integrationsverein inzwischen von Hülya Iris Tochter geführt.
Unverständnis in der SPD
Auch innerhalb der SPD sorgt die Geschichte für Wirbel – und offenbar viel Unverständnis. Hülya Iri hatte vor ein paar Wochen offenbar auf Druck der Partei ihr Mandat niedergelegt. Sie war bis dahin Vize-Fraktionsvorsitzende und galt in der Partei als gut vernetzt und verlässlich. Bei der SPD sind nach NDR Informationen Hinweise auf Unregelmäßigkeiten bereits seit 2024 bekannt. Inzwischen wird ein Parteiordnungsverfahren geprüft. Das heißt: Hülya Iri und auch ihre Kinder sollen die Parteimitgliedschaft ruhen lassen, bis die Vorwürfe ausgeräumt sind. Für Iri selbst gilt die Unschuldsvermutung. Sie hat inzwischen einen Anwalt eingeschaltet. „Vorschnelle Bewertungen würden der Komplexität des Sachverhalts nicht gerecht“, schreibt dieser auf Nachfrage des NDR Niedersachsen.
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