Der Fußball-Zweitligist 1. FC Nürnberg trauert um seinen ehemaligen Bundesligaprofi Reiner Wirsching. Der frühere Offensivspieler war am Donnerstag nach einem Zusammenprall mit einem Reh vom Fahrrad gestürzt und hatte sich schwer am Kopf verletzt; der 63-Jährige starb an den Folgen des Unfalls. Wirsching bleibt in Erinnerung mit einem Werdegang, der damals schon einen völlig ungewöhnlichen Aufstieg darstellte und heutzutage unvorstellbar erscheint: Noch mit fast 25 Jahren spielte er für seinen Heimatverein TSV Stammheim in Unterfranken in der sechstklassigen Bezirksliga in einem 900-Einwohner-Dorf.

1988 wechselte der Medizinstudent zum FC Schweinfurt 05 in die damals drittklassige Bayernliga – und machte dort schnell den 1. FC Nürnberg auf sich aufmerksam. Weil Angreifer Dieter Eckstein den Club verlassen hatte, verpflichteten die Nürnberger in der Winterpause 1988/89 den „hoch veranlagten Spieler“, wie ihn Trainer Hermann Gerland nannte. In seinem ersten Spiel für den Club erzielte Wirsching beim 5:3 gegen den FC St. Pauli gleich zwei Treffer. Er wurde auf Anhieb Stammspieler und steuerte in der Rückrunde insgesamt sechs Tore bei, darunter eines beim 2:1-Sieg gegen den FC Bayern München, der den Klassenverbleib sicherte.

Seine Bundesliga-Bilanz: 72 Spiele mit 14 Toren

Auch in der Saison 1989/90 war Wirsching Stammspieler, nun im Mittelfeld. Am 32. Spieltag erzielte er sein siebtes und letztes Saisontor gegen den VfL Bochum. Dann verletzte er sich und verpasste die verbleibenden drei Spiele. Zur Saison 1990/91 kam mit Arie Haan ein neuer Trainer zum Club, der zwar weiter mit ihm plante, doch für Wirsching lief es nicht mehr so gut. In 26 Einsätzen traf er ein Mal, und dann kam auch noch Eckstein zurück nach Nürnberg. Wirsching verletzte sich erneut, er stand in der Saison 1991/92 nicht mehr im Kader. Seine Bundesliga-Bilanz: 72 Spiele mit 14 Toren. 1992 kehrte er nach Schweinfurt zurück.

Zwei Jahre später wechselte er zum Bayernliga-Konkurrenten TSV Vestenbergsgreuth. Mit diesem Klub trat er 1994 noch einmal im Nürnberger Frankenstadion an – und stand 90 Minuten auf dem Feld, als der Dorfverein den FC Bayern mit Oliver Kahn, Lothar Matthäus und Mehmet Scholl mit 1:0 sensationell aus dem DFB-Pokal warf. Parallel hatte Wirsching sein Medizinstudium beendet; er war als Chirurg, Orthopäde und Sportmediziner tätig. Zudem arbeitete er viele Jahre als Mannschaftsarzt des FC Schweinfurt, später auch beim Tischtennis-Bundesligisten TSV Bad Königshofen.

Und auch fußballerische Titel erwarb Wirsching noch: Er wurde Ende der Neunzigerjahre mit der deutschen Ärzte-Nationalmannschaft Weltmeister bei den „Weltspielen der Medizin“. Und 2009 gewann er mit dem TSV Bergrheinfeld die deutsche Meisterschaft der Ü40-Senioren.