Die Ermittlungen zum Tod des Hamburger Unternehmers Frank Procopius haben Fahrt aufgenommen, seit der Fall am vergangenen Mittwoch bei „Aktenzeichen XY“ vorgestellt wurde. Die Polizei Flensburg hat den Verdacht, dass der Organisator von Speedboot-Touren, der vor knapp zwei Jahren unter verstörenden Umständen aus der Nordsee geborgen wurde, in Drogengeschäfte verwickelt war. Darauf weist ein ungewöhnliches Manöver hin.
Das bis zu 90 km/h schnelle Festrumpf-Schlauchboot, auch RIB genannt, war am Nachmittag des 29. April 2024 im Bereich der Elbmündung eine Acht gefahren, sagte eine Sprecherin der Polizei Flensburg zur MOPO. Das ungewöhnliche Manöver, das über das Ortungssignal des Bootes nachvollziehbar war, machte die Ermittler misstrauisch, als sie das Verschwinden des Hamburgers untersuchten.
Speedboot-Manöver typisch für Drogen-Drop-offs
Solche Manöver werden typischerweise bei sogenannten Drogen-Drop-offs gefahren, also beim Abwerfen und Einsammeln von Drogen-Paketen auf hoher See, sagte die Sprecherin. Auch das Seegebiet spreche für diese These – in dem Bereich der sogenannten Außenelbe-Reede vor Cuxhaven hätten in der Vergangenheit schon mehrere solcher Taten stattgefunden.
Der Hamburger Unternehmer Frank Procopius ist 2024 ums Leben gekommen – aber wie? Martin Brinkmann
Der Hamburger Unternehmer Frank Procopius ist 2024 ums Leben gekommen – aber wie?
Bei Drop-offs werden die Drogen-Pakete – meist von Frachtschiffen aus – mit GPS-Sendern versehen über Bord geworfen und später aus dem Wasser gefischt. In der Regel kommen beim Einsammeln kleine Boote zum Einsatz – wie das RIB von Procopius.
Gesamtheit der Umstände führt zu Drogen-Verdacht
„Es ist die Gesamtheit der Umstände, die zu dem Verdacht führt“, so die Polizeisprecherin. „Es ist aber bislang nur eine Möglichkeit.“ Denn: Weder an der Leiche des Unternehmers noch an dem Boot gab es Spuren von Drogen.
Procopius war am 9. Juli 2024, rund zwei Monate nach seinem Verschwinden, auf der Nordseeinsel Süderoogsand gefunden worden. Um seinen Hals war ein Kabelbinder eng festgezurrt. Er trug einen Neoprenanzug und eine Rettungsweste.
Rettungsweste war aufgeschlitzt worden
Die Rettungsweste war ausgelöst worden, allerdings war die Luftkammer aufgeschlitzt – vermutlich mit einem Messer. Außerdem war die Weste mit sogenannten Schäkeln versehen, Metallbügeln, die zum Anbringen von schweren Lasten verwendet werden.
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Nachdem der Fall am vergangenen Mittwoch bei „Aktenzeichen XY“ vorgestellt wurde, meldeten sich zahlreiche Hinweisgeber. Ein Hinweis war so konkret, dass die Polizei sofort Kontakt mit dem Zeugen aufnahm. Zurzeit werden mehrere Dutzend Informationen ausgewertet. Wie lange das dauern wird, ist noch nicht abzusehen.
Weitere Zeugen können sich unter Tel. 0160-2068666 und über das Hinweisportal der Landespolizei melden. Für Informationen, die zur Aufklärung des Falls führen, ist eine Belohnung von 7000 Euro ausgesetzt.