Was soll man dazu auch schon sagen? Der Fahrer des Porsche Cayenne schaut erkennbar verärgert drein. „Ich habe keine Lust, jetzt zu reden“, sagt er, „fragen Sie die Polizei.“ Es geht knapp um ein Fahrverbot. Auch der 58-jährige Polizeihauptkommissar von der Verkehrspolizei weiß, wie man mit solchen Fällen umgeht: „Was soll man da viel reden.“ 124 km/h statt Tempo 80 auf dem Schattenring. Das wird knapp. Darüber wird zu reden sein.

Der 86-Jährige und der verhängnisvolle Ruf der Ehefrau

Der Porsche-Fahrer mit Böblinger Kennzeichen, der am Schattenring mit einer Laserpistole gemessen worden war, hat womöglich Glück, dass hier vier Kilometer pro Stunde Toleranz abgezogen werden. So bleiben 120 km/h übrig – bei erlaubtem Tempo 80. Da stünde ein Fahrverbot noch unter dem Vorbehalt, dass der Fahrer nicht zweimal innerhalb eines Jahres als Schnellfahrer mit mindestens 26 km/h drüber erwischt worden wäre. Das Bußgeld beträgt 228,50 Euro.

Für einen 86-Jährigen geht es glimpflicher aus. Abzüglich Toleranz mit 110 Kilometer pro Stunde erwischt – da droht ihm in dieser Hinsicht nur ein Punkt in Flensburg. „Mit dem Punkt kann ich leben“, sagt der Mercedes-Fahrer. Es habe „halt pressiert“, weil die Ehefrau gemahnt habe, er solle baldmöglichst heimkommen. Das kostet jetzt außerdem einen „Riesenstrafzettel“ von 178,50 Euro Bußgeld. Trotzdem findet er die Tempokontrollen der Polizei gut: „Das führt dazu, dass man wieder bewusst langsamer fährt“, sagt er.

Tempo ist in Stuttgart nur auf Platz 6 der Ursachen

Dabei ist in Stuttgart eine zu hohe Geschwindigkeit gar nicht das größte Problem bei den Hauptunfallursachen für schwere Unfälle. In der jüngsten Unfallbilanz 2025 rangiert das Thema des zu hohen Tempos in Stuttgart nämlich nur an sechster Stelle. Wenn Landesinnenminister Thomas Strobl (CDU) von der „Unfallursache Nummer eins bei schweren und tödlichen Unfällen“ spricht, bezieht sich dies eher auf die Fläche in den Landkreisen.

Trauriger Höhepunkt war das tödliche Wettrennen zweier Brüder im März 2025 in Ludwigsburg, das mit einer Kollision mit einem unbeteiligten Kleinwagen und dem Tod zweier 22 und 23 Jahre alter Frauen endete. Das Landgericht Stuttgart verurteilte die Fahrer vor wenigen Tagen wegen Mordes und versuchten Mordes.

In der Landeshauptstadt aber sieht Stuttgarts Polizeipräsident Markus Eisenbraun „Unachtsamkeit und gravierende Regelverstöße wie Missachtung der Vorfahrt oder Alkohol- und Drogeneinfluss nach wie vor als Hauptursachen für schwere Unfälle“, wie er bei der Vorstellung der Unfallstatistik 2025 wissen ließ.

Der Schattenring im Westen der Stadt stand am Montag unter Beobachtung. Foto: Lichtgut/Leif Piechowski

Trauriger Platz eins der Ursachen für Unfälle mit Verletzten: Nichtbeachten der Vorfahrt – 891 Fälle, plus 8,1 Prozent. Auf den folgenden Rängen: Fehler beim Abbiegen und Wenden, 852 Fälle, plus 10,4 Prozent; Fehler bei der Fahrbahnbenutzung, 271 Fälle, plus 28,4 Prozent; unachtsamer Fahrstreifenwechsel, 224 Fälle, plus 24,4 Prozent; Alkohol 215 Fälle, minus 7,7 Prozent.

Zum Vergleich: Geschwindigkeit steht mit 197 Karambolagen an sechster Position der Hauptunfallursachen mit Personenschaden. Allerdings mit steigender Tendenz: Der Wert entspricht einem Plus von 15 Prozent. Deshalb sieht auch Polizeipräsident Markus Eisenbraun keinen Grund, die Tempomessgeräte einzupacken. Sein Motto lautet: „Den Kontrolldruck hochhalten, um das Bewusstsein für ein rücksichtsvolles Miteinander zu stärken.“

In der ersten Stunde statt mit Tempo 80 mit bis zu Tempo 125 geblitzt

Egal ob Arzttermin oder eiliger Nachhauseweg: Einsatzleiter Andreas Schendekehl, seit über 20 Jahren bei der Verkehrspolizei und in seinem 13. Jahr als Verkehrsüberwacher, kennt die Begründungen zuhauf. Das scheinen auch Temposünder zu wissen. In all den Jahren habe es bei den Aufklärungsgesprächen daher „wenig Probleme gegeben“, sagt er. Am Montag zwischen 14 und 15 Uhr werden allein von seinem Messwagen 13 Sünder geblitzt. Der bis dato Schnellste ist ein Fahrer eines Mercedes A-Klasse mit 125 km/h. Mit dem muss Schendekehl gar nicht sprechen. Das kommt alles per Post.