Hamburg und Bremen haben vieles gemeinsam: Einen großen Hafen, ein H wie Hansestadt auf dem Nummernschild und einen Bürgermeister, der genauso viel zu sagen hat wie der Ministerpräsident eines großen Bundeslandes wie – sagen wir – Bayern. Aber wie das oft so ist unter engen Nachbarn: Im Laufe der Jahre schleichen sich Unstimmigkeiten ein, manch Streit sogar, bis man in dem anderen den größten Rivalen zu erblicken glaubt – sogar auf dem Fußballplatz, wo doch immer Fairness vorherrschen sollte.

Und so füllt sich die Chronik der benachbarten Hansestädte mit Geschichten über Neid und Missgunst. Jüngstes Kapitel: Ein Dreiergipfeltreffen, das kein Vierergipfel werden darf, weil Hamburg die Bremer nicht dabeihaben will. Es geht um die Häfen und damit ein Kernstück der hanseatischen Identität, was die Sache per se schwierig macht. Weil die Kajen – oder Kais, wie man in Hamburg sagt – in letzter Zeit zum Einfallstor für den Drogenschmuggel geworden sind, haben sich die Bürgermeister von Hamburg, Antwerpen und Rotterdam kürzlich zu einem „Three Ports Summit“ getroffen, um ihre Gegenmaßnahmen zu koordinieren. Bremen wäre auch gerne dabei gewesen und schlug deshalb als Nächstes einen „Four Ports Summit“ vor. Die Hamburger lehnten das ab – mit der etwas hochnäsigen Bemerkung, dass das Treffen halt auf der „strategischen Ebene der drei größten Nordseehäfen“ stattfinde.

Nicht dass Bremer nicht auch hochnäsig sein können – aber das war dann doch zu viel: Ein Hafen, der seit Jahren an Umschlag verliert und mit den europäischen Champions Rotterdam und Antwerpen kaum noch mithalten kann, klammert sich umso fester an seinen Platz auf dem Treppchen. Dass auch im viertgrößten Containerhafen an der Nordsee, in Bremerhaven, die Drogenfunde steigen und weiter zunehmen könnten, je erfolgreicher die anderen ihren Kampf gegen die Kartelle koordinieren – aus Hamburger Sicht spielt das offenbar keine Rolle.

Der lange Zeit diskutierte Zusammenschluss der deutschen Häfen zu einem schlagkräftigen Konkurrenten der Benelux-Häfen ist zuletzt in weite Ferne gerückt. Dass es jetzt nicht mal mit einer Kooperation im Kampf gegen ein gemeinsames Problem, den Drogenschmuggel, klappt, ist ganz und gar unhanseatisch.

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