Mehrfach hat Yong T. seine Freundin Lihua H. (beide Namen geändert) unter Narkose gesetzt. Durch die Mittel war H. über Stunden betäubt, im Nachhinein konnte sie sich an nichts erinnern. Yong T. hat das ausgenutzt: Er hat die wehrlose Frau vergewaltigt und Fotos und Videos seiner Taten in Chatgruppen geteilt. Dafür hat ihn das Landgericht München I nun zu einer langen Haftstrafe verurteilt: Unter anderem wegen siebenfachen versuchten Mordes und Vergewaltigung muss der 27-Jährige für elf Jahre und drei Monate ins Gefängnis.
Denn laut Staatsanwaltschaft und Gutachter bestand für die junge Frau durch die verabreichten Mittel eindeutig Lebensgefahr. Richter Markus Koppenleitner bezeichnete die Taten als „hochkriminell, hochprofessionell, menschen- und frauenverachtend“. Zugleich erkannte der Richter Parallelen zum Fall von Gisèle Pelicot. „Pelicot ist kein Einzelfall“, so Koppenleitner mit Blick auf den aufsehenerregenden Fall in Frankreich, in dem ein Mann seine eigene Frau narkotisiert und anderen Männern zur Vergewaltigung angeboten hatte.
Auch der Fall in München ist einer von vielen in ganz Deutschland: Die Behörden haben Geschädigte in Frankfurt, Berlin, Nürnberg, Mannheim, Göttingen und den Niederlanden ausfindig gemacht, mancherorts laufen bereits Prozesse. Auch dort sollen Frauen über Monate hinweg missbraucht worden sein, während sich die mutmaßlichen Täter in Chatgruppen über die Dosis und die Wirkung der Medikamente austauschten und sich Mitschnitte ihrer Taten schickten. Die Frauen wussten hinterher oft gar nicht, was ihnen passiert war, während im Netz Fotos und Videos von ihnen zirkulierten. „Unser größtes Augenmerk lag auf der Vielzahl der Opfer. Opfer, die gar nicht wussten, dass sie Opfer waren“, berichtete ein Ermittler im Münchner Prozess. Richter Koppenleitner erklärte, es handle sich mittlerweile um ein „weltweites Phänomen“.
Lihua H. etwa wollte zunächst keinen Strafantrag gegen Yong T. stellen. Die Studentin wohnte ein Stockwerk über T., die beiden Nachbarn hatten eine Abmachung: Er sollte kochen und sich um den Haushalt kümmern, sie würde ihn dafür sexuell befriedigen. Sie habe nie einen Verdacht gehabt, hatte sie bei der Polizei erklärt und Beweise für die Vorwürfe der Ermittler gegen ihren Nachbarn gefordert. Erst nachdem die Beamten ihr die Fotos und Videos aus den Chatgruppen gezeigt hatten, erstattete sie Anzeige.