Polizei und Staatsanwaltschaft in Hamburg bündeln Kräfte | ndr.de
Stand: 14.04.2026 18:38 Uhr
Hamburg will bei der Bearbeitung von Delikten wie Sachbeschädigung, Diebstahl, Beleidigung oder Hausfriedensbruch künftig gezielter vorgehen. Dafür wird die Arbeit von Polizei und Staatsanwaltschaft in der neuen Gemeinsame Eingangs- und Bearbeitungsstelle (GEBS) gebündelt. Am Mittwoch nimmt sie ihre Arbeit auf.
Bei den meisten Delikten ermittelt zunächst die Polizei und dann wandern die Akten zur Staatsanwaltschaft. In dieser Form dauert es häufig Monate bis es zu einer Entscheidung kommt, ob ein Verfahren eingestellt wird oder Anklage erhoben wird. Bislang komme es durchaus vor, dass die Polizei schon hundert Aktenseiten mit Zeugenaussagen gefüllt hat, bis ein Staatsanwalt nach rechtlicher Einordnung sagt: „Das wird zu keinem Ergebnis führen, das stellen wir ein.“
Neue GEBS will überflüssige Arbeit verringern
Das Ziel der neuen GEBS fasst Innensenator Andy Grote (SPD) als „Strafverfolgung aus einem Guss“ zusammen. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Polizei und Staatsanwaltschaft sitzen künftig in einem Büro und bearbeiten die Verfahren von Anfang an zusammen. Nach dem Eingang einer Strafanzeige folgt unter Berücksichtigung festgelegter Standards und Kriterien eine Einordnung des Verfahrens. Dabei sollen beispielsweise Strafverfahren bei Wiederholungstätern zusammengeführt werden. Auch können Verfahren frühzeitiger eingestellt werden, wenn aus Geringfügigkeit kein öffentliches Interesse an der Strafverfolgung besteht oder Ermittlungsansätze fehlen. So soll überflüssige Ermittlungsarbeit vermieden und Verfahrensabläufe beschleunigt werden.
Neue Stelle soll rund 35.000 Verfahren im Jahr bearbeiten
Rund 35.000 Verfahren aus dem Bereich der Massendelikte sollen so jedes Jahr bearbeitet werden. Zu den Massendelikten zählen unter anderem Delikte wie Sachbeschädigung, Diebstahl, Beleidigung oder Hausfriedensbruch. In der neuen Bearbeitungstelle werden 56 Menschen arbeiten. 40 Mitarbeitende gehören der Polizei an, 16 Mitarbeitende der Staatsanwaltschaft.

Die Zahl der offenen Verfahren stieg innerhalb eines Jahres um fast 70 Prozent. Viele dauern länger als sechs Monate.