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Moskau – Seit Monaten zieht Russlands Geheimdienst FSB die Daumenschrauben enger, um das russische Internet vom World Wide Web (www) abzutrennen. Blockaden ausländischer Apps, Abschaltungen des Mobilfunks und Erpressungen russischer Internet-Riesen sind die Mittel der Wahl. „Russland verschärft die Kontrolle über den Zugang zum Internet und treibt damit seinen langjährigen strategischen Traum von einem souveränen Internet voran“, schlussfolgerte Dionis Cenușa von der Denkfabrik CEPA am Montag. BILD erklärt, wie Russlands Diktator seinen Plan zur totalen Internetkontrolle in die Tat umsetzen will.

Grundlage der russischen Geheimdienst-Bemühungen zur Überwachung und Kontrolle des Internets sind Datenpakete mit dem Namen „Technische Mittel zur Abwehr von Bedrohungen“. Diese müssen per „Souveränes-Internet“-Gesetz von 2019 von allen Internetanbietern in ihren Servern installiert werden und geben Putins Zensurbehörde Roskomnadzor die Macht, jeden Inhalt aus dem russischen Internet zu filtern, den die Behörde als „Bedrohung“ betrachtet. Dazu gehören Websites wie BILD.de und weitere 1,3 Millionen in- und ausländische Online-Auftritte.

Schwimmdrohnen statt Kriegsschiffe: „Barracuda“ dominiert Putins Schwarzmeer-FlotteBILD-Lagezentrum VOR ORT – Kiews Schwimmdrohnen jagen Moskaus Kriegsschiffe

Quelle: BILD10.04.2026

Doch der Kreml geht bei dem Abkapseln der russischen Bevölkerung vom Rest der Welt noch weiter: Im Februar 2026 billigte die Staatsduma einen Gesetzentwurf, der dem FSB die Befugnis einräumt, von Mobilfunkbetreibern die Abschaltung des Mobilfunks zu verlangen. Zwischen den Lesungen änderten die Abgeordneten den Entwurf: Sie ersetzten ‚Ersuchen‘ durch ‚Anordnungen‘ und strichen den Verweis auf ‚Sicherheitsbedrohungen‘ als Voraussetzung komplett. Die neue Befugnis des FSB regelt damit nur noch ein Präsidialerlass von Putin selbst.

Putins Messenger ist unbeliebt

Zudem arbeitet Russlands Präsidialbüro zusammen mit dem Staatszensor und Geheimdienst FSB an einer Blockade sämtlicher nichtstaatlicher Messenger in Putins Reich. Zunächst begannen die Behörden damit, Signal zu blockieren, später wurde Facebook-Mutterkonzern Meta zur „extremistischen Organisation“ erklärt und dessen Messenger Whatsapp geblockt. Zuletzt setzte der Kreml die Blockade des beliebten Nachrichtendienstes Telegram durch.

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Einzig den „nationalen Messenger“-Dienst „Max“ dürfen bzw. sollen die Russen noch nutzen. Mit einem kleinen Haken. Selbst russische Medien berichten, dass „es alle so sehen“, als würde man mit der Installation von Max auf dem eigenen Telefon das Handy faktisch dem FSB aushändigen. Dementsprechend unbeliebt ist der Messenger. Das veranlasst russische Behörden jetzt dazu, Vermieter, Studenten, Bedienstete von Staatsunternehmen und viele andere dazu zu verpflichten, die FSB-Überwachungsapp auf ihrem Handy zu installieren.