Zwar hat der Sieger der ungarischen Parlamentswahl, Péter Magyar, bereits klargestellt, dass er einen EU-Beitritt der Ukraine noch während des Krieges nicht beschleunigen will. Ein Kurswechsel Ungarns wird trotzdem wahrscheinlicher: Magyar setzt anders als Orbán nicht auf Fundamentalopposition in Brüssel – und vor allem nicht auf das Veto als außenpolitisches Instrument. Entscheidend ist, dass Ungarn den EU-Kredit über 90 Milliarden Euro für die Ukraine nicht weiter blockiert. Kiew ist auf diese Mittel dringend angewiesen, ein großer Teil soll in die Kampftüchtigkeit der Armee fließen.
Kooperation mit Ukraine auf Augenhöhe
Vor diesem Hintergrund gewinnen die Berliner Konsultationen an Substanz: Es geht nicht nur um weitere Hilfen, sondern auch um Kooperation auf Augenhöhe – etwa bei der Drohnenproduktion. Auf anderen Gebieten soll ebenfalls eine strategische Partnerschaft entstehen, mit der Deutschland auch eigene Interessen verbindet. Neben Know-how in Sachen Rüstung möchte die Bundesregierung etwa Zugang zu wichtigen Rohstoffen wie seltene Erden.
Auch wenn die Konsultationen nicht schon 2025 zustande kamen, gelang Merz damals ein anderer Coup: Er holte hochrangige Verhandlungen zur Lösung des Ukrainekrieges nach Berlin. Sogar US-Unterhändler Steve Witkoff und Trump-Schwiegersohn Jared Kushner waren dabei. Zu Beginn seiner Amtszeit hat Merz das Thema Ukraine zur europäischen Schlüsselfrage erklärt. So belebte er das E3-Bündnis aus Deutschland, Frankreich und Großbritannien erstmals seit dem Brexit wieder – ein Abstimmungsformat, das seither Selenskyj den Rücken stärkt.
Bei den aktuellen Konsultationen ging es ebenfalls um Diplomatie: Deutschland dringt darauf, dass Europa bei Verhandlungen zwischen den USA, Russland und der Ukraine nicht Zuschauer bleibt, sondern mit am Tisch sitzt. Wenn der stärkste Spalter Orbán aus dem Spiel ist, steigen die Chancen dafür – auch wenn die EU nach wie vor kein monolithischer Block ist. Die notwendige Richtung ist jedenfalls klar: Europas Zukunft hängt daran, in einer Zeit großer Krisen und Konflikte geschlossen, geeint und handlungsfähig zu werden.