Die Theater Chemnitz lehnen den Vorschlag ab, Oper und Schauspielhaus an einem Standort zusammenzulegen. In einer Stellungnahme der Theaterleitung heißt es, man habe mit Fassungslosigkeit und Empörung den Vorschlag von Teilen des Stadtrates zur Kenntnis genommen, für alle fünf Sparten des Chemnitzer Theaters nur noch die Bühne des Opernhauses vorzusehen.

Da schwebt eine Art Halbierung des Spielbetriebs für alle Sparten im Raum.

Christoph Dittrich, Intendant

Die SPD im Chemnitzer Stadtrat hatte vorgeschlagen, das Opernhaus so zu sanieren, dass es auch für Schauspiel genutzt werden könnte.

Halbierung des Angebots der Theater Chemnitz?

Eine Zusammenlegen könnte dem Stadtrat-Vorschlag zufolge gleich zwei Probleme lösen: Das Schauspielhaus ist seit vielen Jahren baufällig, weshalb die Theater Chemnitz seit 2022 auf den Spinnbau als Interimsspielstätte ausweichen. Weil die Kosten für die Sanierung des Schauspielhauses stark gestiegen sind, ist mittlerweile auch ein Theater-Neubau auf dem Gelände des Spinnbaus im Gespräch. Auch das Chemnitzer Opernhaus ist baufällig, die veranschlagten Sanierungskosten belaufen sich inzwischen auf 20 Millionen Euro.

Intendant Christoph Dittrich befürchtet bei einer Zusammenlegung der Spielstätten von Theater und Oper eine Halbierung des künstlerischen Angebots. Er sagte MDR KULTUR: „Das Volumen der fünf Sparten und der zahlreichen Angebote, die wir hier am Haus haben, ist auf einer Bühne gar nicht ohne weiteres abbildbar.“ Allein im Opernhaus gebe es 250 Veranstaltungen pro Jahr, im Schauspielhaus seien es 450 bis 500.

Viele etablierte Veranstaltungen würden wegfallen, beispielsweise das Weihnachtsmärchen, der Theaterjugendclub, die Schultheaterwoche oder die Opernballettschule. In der Mitteilung der Theater hieß es, großes Musiktheater wie die Oper „Rummelplatz“ über die Geschichte der Wismut wäre wegen der zeitlichen Einschränkungen auf der Bühne kaum mehr aufführbar. Tausende Publikumsplätze würden verschwinden. Dittrich sagte MDR KULTUR: „Da schwebt eine Art Halbierung des Spielbetriebs für alle Sparten im Raum.“ Das Opernhaus sei baulich „eben keine Schauspielbühne und wird es auch nicht.“

Standortdiskussion soll weitergehen

Die Theaterleitung fordert nun vom Stadtrat eine Wiederaufnahme der Standortdiskussion um das Schauspielhaus. Es brauche Planungssicherheit, um die Qualität langfristig zu sichern. „Wir möchten gerne, dass die Standortdiskussion, die ganz hervorragend am Laufen war, wieder aufgenommen wird“, betonte Dittrich.

Ob eine Sanierung des alten Schauspielhauses, ein Neubau am Spinnbau oder ein gänzlich neuer Standort – wichtig sei in erster Linie eine Orientierung an den Bedürfnissen des modernen Theaters. Denn eine Stadt, die 2025 Europäische Kulturhauptstadt war, habe das verdient, hob Dittrich hervor. das Schauspielhaus sei ein zentraler Bestandteil der kulturellen Identität der Stadt.

Quellen: MDR KULTUR, Stellungnahme der Theaterleitung der Städtischen Theater Chemnitz; redaktionelle Bearbeitung: lig, hki