Seit fast zwei Wochen bestimmt das Schicksal des Buckelwals „Timmy“ die Schlagzeilen. Das Tier liegt verletzt in der Wismarbucht vor der Insel Poel, sämtliche Rettungsversuche sind bislang gescheitert. Am Mittwoch hat Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister Till Backhaus (SPD) bekannt gegeben, dass es wohl noch einen letzten Versuch geben soll.

An was sich nur noch die Älteren erinnern werden: Ein verirrter Wal beschäftigte einst auch die Gemüter an Rhein und Ruhr. 60 Jahre nach dem wohl spektakulärsten Tierfund der Duisburger Stadtgeschichte erinnert nun eine ganz besondere Veranstaltung an den berühmten Wal Moby Dick im Rhein. Die Stadtbibliothek und das Kreativquartier Ruhrort laden bereits am 18. Mai zu einer abendlichen Schiffstour auf der „MS Rheinfels“ ein.

Im Mittelpunkt steht ein Ereignis, das im Frühjahr 1966 bundesweit für Aufsehen sorgte: Damals wurde bei Duisburg ein Weißwal oder Belugawal, so genau ließ sich das nie bestimmen, im Rhein gesichtet. Das Tier lebt eigentlich in arktischen Gewässern. Zunächst hielten selbst Einsatzkräfte die Meldung für einen Irrtum, doch der Meeressäuger tauchte mehrfach auf und bestätigte die außergewöhnliche Beobachtung.

Der Wal, der auf niederländischer Seite „Willy de Waal“ genannt wurde und in Deutschland den Spitznamen Moby Dick erhielt, entwickelte sich binnen kurzer Zeit zur Sensation. Zahlreiche Schaulustige strömten ans Rheinufer, die Medien berichteten ausführlich. Der Versuch, das Tier einzufangen – unter anderem durch den damaligen Duisburger Zoodirektor – scheiterte aber.

Der Fall gilt bis heute als prägend für die öffentliche Wahrnehmung von Wildtieren und trug langfristig zu einem kritischeren Blick auf Tierfänge bei. An diese Geschichte knüpft die geplante Veranstaltung an. Die rund dreieinhalbstündige Fahrt führt entlang der damaligen Sichtungsorte. Literarische Beiträge und musikalische Einlagen sollen die Ereignisse von damals neu beleuchten und zugleich unterhaltsam aufbereiten. Auch Zeitzeugen kommen zu Wort.

Die „MS Rheinfels“ legt am Abend in Ruhrort ab. Tickets für die Veranstaltung sind ab dem 18. April online erhältlich und kosten 39 Euro.