Lang galt Giorgia Meloni als Politikerin mit gutem Draht zu US-Präsident Donald Trump. So hatte sie immer wieder versucht, sich als Brückenbauerin zwischen der EU und der Trump-Regierung zu profilieren. Der US-Präsident hatte wiederum die italienische Regierungschefin mehrfach gelobt. Doch der öffentliche Streit, der zwischen Trump und Meloni nach der Attacke des US-Präsidenten auf den Papst ausgebrochen ist, stellt ihre bisher enge Beziehung auf eine harte Probe.
Die Auseinandersetzung mit Trump wirkt sich negativ auf das Image der Rechtspopulistin aus, die seit der Niederlage bei einem Referendum über ihre umstrittene Justizreform Ende März ohnehin unter Druck geraten ist. Meloni steht derzeit vor einer Vielzahl politischer Herausforderungen in der Innen- und Außenpolitik. Innenpolitisch wächst der Druck durch wirtschaftliche und soziale Themen, steigende Energiepreise, sowie eine zunehmend selbstbewusste Opposition.
Spannende Politik-Einblicke aus der EU
Außenpolitisch muss Meloni ihre Position zwischen europäischen Partnern, den USA und anderen internationalen Akteuren ausbalancieren. So agiert die Römerin in einem deutlich komplexeren und konfliktreicheren politischen Umfeld als noch zu Beginn ihrer Amtszeit vor dreieinhalb Jahren.
Bislang lobte Trump Meloni als „erfolgreiche Freundin“
Noch vor wenigen Monaten hatte Trump die italienische Ministerpräsidentin als „unglaublich“ und als eine „sehr erfolgreiche Politikerin und Freundin“ gelobt. Meloni hatte immer wieder versucht, zwischen der EU und der Regierung Trump zu vermitteln. Doch nach Trumps Kritik am Papst scheint die Freundschaft zwischen den beiden zerbrochen zu sein. Meloni hatte am Montag die Attacke Trumps gegen Leo XIV. als „inakzeptabel“ bezeichnet. Der deutliche Widerspruch zu Trumps Angriff auf den US-Pontifex kommt der Regierungschefin jetzt teuer zu stehen: Der US-Präsident zeigt sich „schockiert“ und „enttäuscht“ von der Regierungschefin. „Ich dachte, sie hätte Mut. Ich habe mich geirrt“, kritisierte er in einem telefonischen Interview mit der Mailänder Tageszeitung „Corriere della Sera“.

Papst Leo XIV. und Italiens Ministerpräsidentin Giorgia Meloni. Die Regierungschefin nahm den Pontifex gegen Angriffe von US-Präsident Donald Trump in Schutz. Das nimmt Trump ihr übel.
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Schon zu Jahresbeginn hatte Meloni den US-Präsidenten erstmals öffentlich kritisiert. Die Erhöhung der Zölle für die Länder, „die sich dafür entschieden haben, zur Sicherheit Grönlands beizutragen“, halte sie für einen Fehler. Der Iran-Krieg belastete die Beziehung weiter. So hat die italienische Regierung kürzlich zwei US-Kampfjets die Landung auf dem sizilianischen US-Stützpunkt Sigonella verweigert.
Meloni ist isolierter als früher
Ob die Freundschaft mit Trump endgültig zerbrochen ist, ist noch unklar. Doch eines steht fest: Meloni ist auf internationaler Ebene jetzt isolierter als früher. Eine große Enttäuschung ist für die 49-Jährige auch die Niederlage ihres guten Freundes Viktor Orbán bei den Parlamentswahlen in Ungarn. Mit Orbán hatte Meloni schon seit den Zeiten der Gründung ihrer Rechtspartei Fratelli d’Italia (Brüder Italiens) 2012 gute Beziehungen unterhalten.

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#38 Jörg Dittrich über seine Liebe zu Sachsen, die Stasi-Akte seines Vaters – und Chefsein
Meine schwerste Entscheidung
Politische Beobachter sind sich einig, dass die Rechtspopulistin nicht mehr so fest im Sattel sitzt wie noch vor einigen Wochen. „Der Wind für Meloni hat sich gedreht“, meint der frühere EU-Kommissionspräsident Romano Prodi. „Der Streit mit Trump ist ein äußerst ernstes Problem für sie.“ Meloni habe lange versucht, die amerikanische und die europäische Position miteinander zu versöhnen, doch nun zeige sich, dass das politisch nicht tragfähig sei.
Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion
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Kritik kam auch von Ex-Premier Matteo Renzi, Chef der oppositionellen Mitte-links-Partei Italia Viva. „Meloni wird von ihren eigenen Leuten fallen gelassen, von ihrem Guru Trump und von ihrem politischen Lager.“ Renzi sagt einen schleichenden Niedergang bis zu den Parlamentswahlen im Frühjahr 2027 voraus: „Der Absturz hat für Meloni gerade erst begonnen.“