Chronist von Dresden und Sammler von Amateurfilmen

„Die wichtigste und vielleicht auch abschließende Situation war der Beginn des Wiederaufbaus der Frauenkirche“, resümiert Hirsch: „Zu dieser Zeit war ich mit meiner Familie in München, wo ich mit dem Regisseur Peter Schamoni zusammengearbeitet habe. Und als ich aber hörte, dass der Wiederaufbau der Frauenkirche beginne sollte, war eine spontane Idee, diesen Wiederaufbau zu dokumentieren.“

Ernst Hirsch ist aber auch ein leidenschaftlicher Sammler. Zu seinem Archiv gehört eine Vielzahl historischer Amateurfilme über Dresden, die bis ins Jahr 1903 zurückreichen: „Es hat sich eine Menge angesammelt, es sind so an die 400 Titel, auch mit kleinen und kleinsten Filmen. Das ist eine so vielfältige Sammlung, die auch ganz intern Dresdner Familiengeschichten erzählt.“

Filmfest Dresden zeigt Filme aus dem digitalen Archiv

Lediglich eine kleine Auswahl daraus wird jetzt beim Filmfest Dresden in der Retrospektive anlässlich des bevorstehenden 90. Geburtstages von Ernst Hirsch gezeigt. Möglich wurde das, weil das analoge Material zuvor über das Digitalisierungsprogramm Save gesichert wurde. Save bedeutet „Sicherung des audiovisuellen Erbes in Sachsen“ und ist ein gemeinsames Projekt der Sächsischen Landes-, Staats- und Universitätsbibliothek (Slub) und des Filmverbandes Sachsen.

2016 mitinitiiert durch das Kulturministerium, werden seither Film-, Video- und Tonaufnahmen, die in sächsischen Museen, Archiven und privaten Sammlungen schlummern, in hoher Qualität digitalisiert und gespeichert. Der Clou: In der Online-Mediathek der SLUB kann man sie sich jederzeit anschauen.

„Wir wollen natürlich soviel wie möglich digitalisieren in unserem Programm, um einfach so viele Medien wie möglich zu erhalten“, erlärt Projektleiter Lukas Schneider. Inzwischen ist man bei mehr als 100.000 Spielminuten, die zusammen mit 68 Partnerinstitutionen gesichert wurden. Dazu zählen das Museum Borna, das Sorbische Institut in Bautzen und das Stadtarchiv Annaberg-Buchholz.

Digitalisierungsprojekt Save von Kürzungen bedroht

Doch die Arbeit am Projekt ist nur noch stark eingeschränkt möglich, denn die Fördermittel vom Sächsischen Kulturministerium wurden von 350.000 Euro jährlich auf 200.000 Euro gekürzt. Mit der Folge, dass weitaus weniger digitalisiert und archiviert werden kann. „Notwendige Arbeiten, wie zum Beispiel ein Master erstellen, fahren wir ein bisschen runter, nehmen wir in die eigene Hand – was sonst eigentlich über Dienstleister gelaufen ist“, bedauert Lukas Schneider.

Und das in Teilzeit – bedingt durch die knappen Finanzen. Bisher hat die Slub das Projekt zusätzlich unterstützt, doch das wird künftig nicht mehr möglich sein. Für das Landesprogramm Save, auf das man aus anderen Teilen der Republik sehr interessiert und nicht neidlos blickt, könnte es das Aus bedeuten. Was auch hieße, dass die Filme nicht mehr zugänglich wären – und die Filmschauen, mit denen Save in Sachsen unterwegs ist, wären dann ebenfalls Geschichte.

Dabei seien diese Programme eigentlich ein Selbstläufer, unterstreicht Schneider: „Weil diese regionalgeschichtlichen Themen, die wir dann eben zeigen können, historische Filme von vor Ort, da füllt sich automatisch der Saal“. Und das wird bei den Dresden-Filmen der Retrospektive zu Ehren von Ernst Hirsch kaum anders sein.