1. Startseite
  2. Region
  3. Neu-Isenburg

DruckenTeilen

Uns auf Google folgen

Marei Binder war mit ihren Söhnen im Isenburg-Zentrum einkaufen. Mehrere Geschäfte wiesen ihren Sohn ab. Die Unternehmen verweisen auf das öffentliche WC.

Neu-Isenburg – Der Gang aufs Klo ist das Natürlichste der Welt – und sorgt doch immer wieder für Kontroversen. Seit jeher wird in allen Ecken der Bundesrepublik erhitzt darüber debattiert, ob nicht Geschäfte, Einrichtungen und sogar Privathaushalte ihre Toiletten der Öffentlichkeit zur Verfügung stellen sollen. Immerhin geht es hier ja um grundlegende Menschenrechte – oder?

Toilettenschild im Isenburg-ZentrumDie öffentlichen WCs im Isenburg-Zentrum sind an vielen Stellen ausgeschildert. © Vincent Büssow

Von einer „Frage der Menschlichkeit“ spricht auf jeden Fall Marei Binder. Die Rodgauerin war im März mit ihren zwei Söhnen im Isenburg-Zentrum einkaufen, als ihr 7-Jähriger dringend aufs WC musste. „Wir haben die Toilette nicht gefunden“, schreibt Binder in einem Brief an die Redaktion. „Also fragte mein Sohn bei Ernsting’s family, C&A und der Drogerie Müller nach, ob er dort die Mitarbeiter-WCs nutzen könne. Alle wiesen ihn ab.“ Der Vorfall habe sie stutzig und wütend zurückgelassen, sagt die Mutter. „Es müsste sich da endlich mal was ändern.“

Familie fand Toilette im Einkaufszentrum nicht – Inhaber können Hausrecht ausüben

Das vorweg: Eine gesetzliche Verpflichtung, Kunden auf die Toilette gehen zu lassen, gibt es nicht. Geschäftsinhaber können genauso wie Privatleute von ihrem Hausrecht Gebrauch machen – also bestimmen, wer bei ihnen aufs Klo darf und wer nicht. Die Klage von einem Mann, der im Jahr 2018 das Recht auf kostenfreie WCs auf Autobahnraststätten durchsetzen wollte, scheiterte. Der Zugang zur Toilette ist also letztlich eine Frage der Kulanz.

Auf die Situation hingewiesen, entschuldigen sich Sprecher von Ernsting’s family und Müller für den Vorfall. Müller verweist in einer Antwort auf die Beschwerde von Marei Binder auf die Firmenphilosophie „Freundlichkeit und Servicebereitschaft“ und kündigt an, dass es zukünftig nicht mehr zu „derartigen Unzulänglichkeiten“ kommen werde, ohne spezifischer zu werden. „Anmerken möchten wir, dass Sie durch unsere Filialmitarbeiter auf die vorhandene Center-Toilette verwiesen wurden“, heißt es noch in dem Schreiben.

Auch Ernsting’s family teilt auf Anfrage der Redaktion mit, dass es in diesem Fall vertretbar gewesen sei, die Kundin auf die öffentlichen sanitären Anlagen des Centers hinzuweisen. „Grundsätzlich möchten wir Kleinkindern ermöglichen, in Notsituationen unsere Mitarbeitendentoilette zu nutzen.“ Laut dem Unternehmenssprecher lägen die sanitären Anlagen in der IZ-Filiale jedoch im Lagerbereich, weshalb Kunden aus Sicherheitsgründen durch Mitarbeitende begleitet werden müssten. Da zum Zeitpunkt des Vorfalls nur eine Mitarbeiterin vor Ort gewesen sei, sei dies nicht möglich gewesen.

Man sollte ausreichend Zeit einplanen und den Weg zum WC einkalkulieren.

Center-Managerin Annett Gurczinski verweist zudem darauf, dass die meisten Geschäfte in dem Einkaufszentrum selbst gar keine Toiletten haben, sondern auf allgemeine Personal-WCs außerhalb der Shopfläche zurückgreifen. „Für Kinder und Behinderte sind die Kunden-WCs kostenfrei nutzbar“, sagt sie und fügt hinzu: „Man sollte ausreichend Zeit einplanen und den Weg zum WC einkalkulieren.“

Isenburg-Zentrum: Mutter wünscht sich Veränderung

Auf dem Lageplan des Einkaufszentrums ist erkennbar, dass sich die öffentlichen Toiletten nicht allzu weit entfernt von den Geschäften befinden, in denen sich die Szene im März abgespielt hat. Die ortsfremde Marei Binder sagt aber, dass sie sich in dem Center nicht ausgekannt habe: „Die Toilette ist schon ausgeschildert, aber für Leute, die nicht wissen, wo die genau ist, ist das schon unübersichtlich.“ Letztlich habe sie das Kunden-WC doch noch finden können, das Problem ihres Sohnes sei aber so dringlich gewesen, dass die Erkundungstour durch das Kaufhaus wortwörtlich hätte in die Hose gehen können.

Auch das Argument, dass es aus Sicherheitsgründen nicht möglich gewesen sei, den 7-Jährigen aufs Klo zu lassen, lässt die Mutter nicht gelten: „Dann müssen die halt irgendwas ändern“, sagt sie und verweist auf andere Geschäfte, die Kundentoiletten in jeder Filiale anbieten. „Wenn ein Kind muss, muss es halt“, fasst Marei Binder zusammen. Sie wünsche sich deshalb, dass alle Unternehmen insbesondere Kindern, aber auch Schwangeren, Senioren und Menschen mit Behinderung einen Zugang zur Toilette gewähren – egal, ob sie dazu verpflichtet sind oder nicht.