Bonn heißt der Sehnsuchtsort für die Hockey-Elite. Ende Mai wird dort entschieden, wer am Ende der Saison den blauen Wimpel des deutschen Meisters in den Händen hält. Und immer, wenn in der einstigen Bundeshauptstadt die Halbfinalspiele und das Finale der Frauen ausgetragen wurden, war der DHC am Ende das glücklichste Team. Personell hat sich seit dem letzten Titel auf dem Feld vor zwei Jahren wenig getan. Das Team ist gereift und dürfte nichts von seiner Klasse eingebüßt haben, auch wenn sich das in der aktuellen Tabelle nicht niederschlägt. Mit Platz fünf ist niemand am Seestern in Oberkassel zufrieden.
Auch Frank Franssen nicht, der am kommenden Wochenende zum zweiten Mal in Folge Steven van Tijn als Cheftrainer bei wichtigen Partien vertreten wird. Natürlich war der Kader selten vollständig und ab und an verweigerte sich das Glück, oft blieb der DHC aber auch weit unter seinen Möglichkeiten. Gegen den Top-Favoriten Mannheim und gegen den Tabellenzweiten Club an der Alster Hamburg setzte es knappe und schmerzhafte Niederlagen. Der mühsame 5:3-Sieg nach Penaltyschießen gegen den Bremer HC offenbarte, wie weit der Weg bis zur Titelreife noch ist. Das Erfreuliche nach dem 3:1-Auswärtssieg in Frankfurt: Alle drei Treffer entsprangen kurzen Ecken, soll heißen: Die Standards werden besser. Das Ernüchternde: Aus dem Spiel heraus gelang kein Tor. Im Schusskreis fehlt die Effizienz.
Am Wochenende stehen zwei Heimspiele an, die die Richtung vorgeben. Mit dem zwischen Gut und Böse platzierten Großflottbeker THGC erwartet der DHC ein Team, das nichts zu verlieren hat. Einen Sieg am Samstag vorausgesetzt, können die Düsseldorferinnen einen Tag darauf dem Berliner HC Rang vier streitig machen. Das Hinspiel hatte der DHC durch zwei Treffer von Lisa Nolte in der Bundeshauptstadt mit 2:0 gewonnen. Aber Vorsicht: Der BHC war vor einer Woche Großflottbek im Penaltyschießen zwar unterlegen, hatte vor einem Monat aber Tabellenführer Mannheim die bislang einzige Saisonniederlage beigebracht. Auch der amtierende Meister Harvestehude musste sich den Berlinerinnen geschlagen geben.
„Wir müssen uns im Abschluss verbessern, während wir in der Defensive sehr stabil stehen“, fasst Franssen die beiden wesentlichen Punkte auf der Minus- sowie auf der Plus-Seite zusammen. Zuversichtlich stimmen den Coach auch die Trainingsleistungen. „Die Mannschaft richtet den Blick geschlossen nach vorne auf die noch ausstehenden sechs Spiele bis zum Viertelfinale. Spätestens für die Runde der letzten Acht im Best-of-three-Modus müssen wir unsere Topform erreicht haben – besser noch, wir schaffen das früher.“
Ab Platz vier aufwärts wäre der DHC berechtigt, zwei der womöglich anstehenden drei Begegnungen zu Hause bestreiten zu können. Franssen will daher attraktives, in erster Linie aber erfolgsorientiertes Hockey spielen lassen. Das Team müsse sich gegenseitig fordern und fördern. Der Druck, der jetzt auf der Mannschaft laste, empfindet Franssen eher als positiven Stress denn als große Belastung. „Jede Spielerin ist jetzt gefordert. Es reicht nicht, dass ich etwas auf die Taktiktafel male. Alle müssen Verantwortung für ihr Spiel übernehmen, um letztlich als geschlossene Einheit aufzutreten.“
Personell sieht es beim DHC gut aus. Nach langer Verletzungspause ist Spielführerin Selin Oruz wieder dabei. Tessa Schubert ist noch nicht bei 100 Prozent. Die erfahrene Mittelfeldspielerin wird am Wochenende noch nicht einsatzfähig sein.